Weinherbst im Südwesten Winzer dürfen Säure zusetzen

Die Weinlese hat ungewöhnlich früh begonnen. Doch angesichts der feuchten Wetterlage könnte die Lese zu einem Rennen gegen das Wegfaulen werden. Im Südwesten darf Säure zum Most.

Weinbauern bei der Lese im Weinberg. (Foto: dpa -)
Selten startete die Weinlese so früh wie in diesem Jahr. dpa -

Zwei Dinge sind gewiss: Die Lese war selten so früh, und der Ertrag wird ein gutes Stück unter dem gewöhnlichen Durchschnitt liegen. Alles andere ist noch Spekulation.

Weinjahr 2017 gleicht einer Achterbahnfahrt

Der Frost im April drückte die Menge. In manchen Gebieten kam auch noch Hagel dazu. Doch der Frost hat die früh ausgetriebenen Reben sehr unterschiedlich erwischt. Im ganzen Südwesten gab es Schäden, aber längst nicht in jedem Weinberg. Und dann hat es die Natur gut mit den Winzern gemeint. "Eine sehr gute Blüte hat die Frostschäden teilweise ausgeglichen. Wir haben große kompakte Trauben, die in der Reife weit fortgeschritten sind und die frühen Sorten sind schon gelesen", berichtet Rolf Steiner, Chef des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg.

Auch Tiere lieben die reifen Beeren

Im gesamten Südwesten haben die Früchte mittlerweile einen Reifevorsprung von rund zwei Wochen im Vergleich zu den Vorjahren. Das sei allerdings nicht nur positiv, sagt Boris Kranz, Winzer im pfälzischen Ilbesheim. Denn es gebe viel Wespen- und Mäusefraß an den Beeren. Die Beeren seien bereits in der warmen Jahreszeit gereift, in der viele der Tiere noch aktiv sind. Nun kämen noch Sekundärschädlinge wie die normale Essigfliege sowie die Kirschessigfliege hinzu, denen die Beeren standhalten müssten.

Fäulnis vorbeugen und Säure gegen schlappen Weißwein

Die Angst vor Essigstich und Fäulnis ist also groß. Die Trauben sind durch den Regen im August prall gefüllt und können sowieso recht leicht platzen. Wenn sie durch Schädlinge verletzt werden, ist der Fäulnis Tür und Tor geöffnet. Deshalb wird jetzt bereits verschärft gelesen - zumal die Säurewerte schon niedrig sind.

In diesem Jahr wird wohl sogar Säure zugesetzt. Das haben sowohl Baden-Württemberg als auch Rheinland-Pfalz wieder zugelassen. Aus Sicht der Winzer hat das zwei Vorteile: Die Moste sind weniger anfällig für Bakterien, die zu Weinfehlern führen, und sie sind lebendiger. Gerade Weißweine können schlapp schmecken, wenn es ihnen an Säure fehlt.

Das Wetter bestimmt die Zeit der Lese

Am liebsten würden die Winzer die Trauben aber noch hängen lassen. Zum einen, weil die Aromen besser werden, und zum anderen, weil eine zu schnelle Lese, bei der alle Sorten fast zeitgleich geerntet werden, schwer zu managen ist. Ob jedoch auch eine spätere Lese noch möglich ist, hängt vom Wetter in den kommenden Wochen ab.

Ganz entscheidend für die Qualität der Weinernte sei die Witterung in den kommenden zwei bis drei Wochen: Regen und Wärme könnten in dieser Zeit noch große Schäden verursachen, so Weinexperte Rolf Steiner.

Autor: Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Inga Vennemann

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