Was Diesel-Besitzer wissen sollten Nachrüsten, verkaufen oder nichts machen?

Die Autobranche lockt mit Software-Updates für Diesel-Fahrzeuge. Wir klären, ob betroffene Autofahrer das Update durchführen müssen, und ob sich zurzeit ein Verkauf lohnt.

Software-Update für einen Volkswagen Amarok mit 2,0-Liter-Dieselmotor (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mit einem Software-Update sollen Diesel-Autos weniger Stickoxide ausstoßen. picture-alliance / dpa -

Gespräche mit Marc Koch und Eva Laun, SWR Wirtschaft und Soziales

Beim Diesel-Gipfel wurde angekündigt, dass betroffene Autos Software-Updates erhalten. Wie werden die Fahrzeugbesitzer informiert?

Auch wer schon länger nicht mehr in einer Vertragswerkstatt war, muss sich keine Sorgen machen: Die betroffenen Modelle sind registriert und die Hersteller schreiben die Besitzer an. In dem Brief steht, wohin und in welche Werkstatt Betroffene das Fahrzeug bringen müssen. Es muss nicht unbedingt eine Vertragswerkstatt sein - es kann auch ein qualifizierter Betrieb sein, den der Hersteller akzeptiert. Es dauert ungefähr eine Stunde, bis das Software-Update aufgespielt ist und es kostet nichts, denn die Kosten übernehmen die Autobauer.

Welche Pflichten habe ich als Diesel-Fahrer, wenn mein Autohersteller ein Software-Update ankündigt?

Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Betroffenen VW-Fahrer droht ohne Update, dass ihr Auto stillgelegt wird. picture-alliance / dpa -

Die jetzt verabredeten Updates sind freiwillig, es muss keiner mitmachen. Dafür gibt es Gründe: Wer zum Beispiel gegen einen Hersteller klagen will, sollte das Fahrzeug nicht verändern. Geht es allerdings um Pflicht-Updates nach einem offiziellen Rückruf wie zum Beispiel beim VW Amarok oder beim Porsche Cayenne mit Drei-Liter-Motor, dann muss ich das innerhalb von 18 Monaten machen lassen.

Wer das nicht macht, der bekommt keine Betriebserlaubnis mehr für das Auto, sie erlischt dann. Es wird zudem ein Bußgeld fällig und das Auto darf nicht mehr genutzt werden. Wer trotzdem fährt, ist aber noch versichert und in diesem Fall würden die Versicherungen auch bei einem Unfall zahlen.

Kann ein Software-Update schädlich für den Motor sein?

Ab wann die deutschen Autohersteller ein Software-Update anbieten können, ist unklar. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Das Software-Update ist grundsätzlich nicht schädlich für den Motor. picture-alliance / dpa -

Hier gehen die Meinungen auseinander. Grundsätzlich sollte es nicht schädlich sein, wobei man natürlich beachten muss: Jedes Auto, das ein Update bekommt, hat eine andere Lebensgeschichte hinter sich - die Laufleistung ist unterschiedlich, das Öl ist anders, es ist gut oder schlecht gewartet worden. Vielleicht ist das Auto auch schon am Rande des Motorlebens. Es kann also sein, dass das Fahrzeug altersschwach ist, und deshalb kaputtgeht.

Dieses Software-Update an sich ist kein Problem. Deshalb sollten sich Diesel-Fahrer nicht von Berichten einschüchtern lassen, in denen VW-Fahrer erzählen, dass das Auto nach dem Update anders oder schlechter fährt. Da wurde in der Software etwas völlig anderes gemacht: Es musste eine illegale Software entfernt werden.

Was ist mit Autos von ausländischen Herstellern?

Das ist ein echtes Problem, denn ausländische Fahrzeuge sind auch betroffen. Modelle von Volvo, Renault, Fiat oder Jeep hatten auch zu viele Schadstoffe im Abgas. Allerdings waren die Hersteller beim Diesel-Gipfel nicht dabei und sie sperren sich gegen die Vorwürfe. Die Untersuchungen in ihren Heimatländern zum Beispiel in Frankreich oder Italien laufen ziemlich schleppend.

Diese Hersteller bieten keine Nachrüstungen an und sie können auch nicht gezwungen werden. Denn bislang konnte ihnen nicht konkret nachgewiesen werden, dass sie beispielsweise eine Schummel-Software verbaut haben. Deshalb werden es Kunden da schwer haben, wenn sie nach einem Update für ihren Diesel fragen.

Die Auto-Hersteller wollen den Besitzern älterer Diesel eine sogenannte Umstiegsprämie bezahlen. Welche Prämien wurden bislang angekündigt?

Der Autobauer Ford hat gesagt, dass Kunden, die einen sauberen Diesel kaufen, für ihre alten Modelle zwischen 2.000 und 8.000 Euro bekommen. BMW hat nachgezogen und angekündigt, wer auf einen Euro 6-Diesel oder ein E-Auto umsteigt, der bekommt bis zu 2.000 Euro.

Das werden in der Zukunft alle Autohersteller mehr oder weniger so machen. Auf dem Diesel-Gipfel sind sie von der Bundesregierung ziemlich direkt zu solchen Maßnahmen aufgefordert worden. Den Umstieg auf alternative Antriebe wird das nicht verzögern, denn die Entwicklung für die E-Mobilität läuft auch weiterhin.

Der Diesel steht seit Monaten in der Kritik. Sollten Betroffene ihr Diesel-Auto verkaufen?

Autoverkauf Sujet 1 (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Diesel-Fahrer haben es zurzeit schwer, ihr Auto zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen. Foto: Colourbox.de -

Nur wegen des drohenden Updates würde ich nicht versuchen, mein Auto zu verkaufen. Allerdings gilt es zu unterscheiden: Wohne ich in der Stadt und werde mutmaßlich von den Diesel-Fahrverboten betroffen sein, dann könnte ich einen Verkauf probieren. Ich sollte aber wissen, dass die Preise für ältere Diesel-Autos im Keller sind. Oft werde ich das Auto nicht los - und wenn, dann nicht zu einem adäquaten Preis.

Wohne ich auf dem Land, habe ich diese Sorgen nicht, da mir keine Fahrverbote drohen. Ich kann meinen Diesel problemlos weiterfahren.

Generell gesehen ist es natürlich im Interesse der Umwelt, dass sich Autofahrer Gedanken über Abgase machen. Wenn es möglich ist, sollte ich mein Auto auch mal stehen lassen. Und wenn es die Autoindustrie jetzt schafft, die Emissionen auf der Straße immer weiter zu senken, dann wäre ein neues Auto sinnvoll, da es weniger Abgase ausstößt.

Online: Tobias Frey

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