Vorsicht bei Pflegeprodukten für empfindliche Haut Sensitiv ist nur ein Werbeslogan

Auf vielen Cremes, Deos oder Shampoos steht "sensitiv". Klingt so, als würde man seiner Haut etwas Gutes tun. Aber stimmt das überhaupt? Und was genau bedeutet "sensitiv"?

Duschgel mit der Aufrschrift Sensitiv (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Begriff "sensitiv" ist gesetzlich nicht geschützt picture-alliance / dpa -

Das neue ARD-Verbrauchermagazin "Der beste Deal" wollte wissen, was steckt in Pflegeprodukten, die mit dem Etikett sensitiv werben. Schließlich haben viele Menschen empfindliche oder trockene Haut, Rötungen oder Unreinheiten. Aber auch Kunden mit normaler Haut bemühen sich milde Kosmetika zu kaufen, die weniger Duftstoffe oder chemische Zusätze enthalten.

Fragen an Dominik Bartoschek aus der SWR-Umweltredaktion

Können Verbraucher ein besonders hochwertiges Kosmetikprodukt erwarten, wenn der Begriff sensitiv drauf steht?

Verlassen sollte man sich auf das Versprechen Begriff sensitiv keinesfalls. Sensitiv - das ist nichts anderes als ein Werbeslogan, ohne Aussage und ohne Substanz, sagt die Toxikologin Marike Kolossa vom Umweltbundesamt. Die Expertin betont, dass sensitiv kein gesetzlich geschützter Begriff sei. Jeder Hersteller, der meint sein Produkt, sei für empfindliche Haut geeignet, könne da einfach sensitiv drauf schreiben.

Gibt es denn keine Hinweise zu "sensitiven" Eigenschaften auf der Verpackung?

Gesichtshaut wird untersucht (Foto: ARD -)
Die Hautärztin stellte nach dem Test Entzündungen fest ARD -

Was mit sensitiv gemeint ist, und was genau es vom nicht-sensitiven Vergleichsprodukt unterscheidet, das muss nicht auf der Verpackung stehen.

Ärgerlich ist das vor allem dann, wenn Verbraucher mit sensibler und empfindlicher Haut zu Sensitiv-Produkten greifen. Denn oftmals schaden sie ihrer Haut damit mehr, als dass sie ihr nutzen. Das zeigte sich auch, als für die Sendung "Der beste Deal" Probandinnen drei Wochen lang Sensitiv-Produkte verwendeten. Danach war ihre Haut zwar besser mit Feuchtigkeit versorgt, doch eine Hautärztin stellte fest, dass es im Kinn und Nasenbereich mehr kleine, winzige Entzündungen gegeben hat.

Sind bestimmte Inhaltsstoffe für Sensitiv-Produkte tabu?

Kosmetik-Produkte im Korb (Foto: ARD -)
Der Test mit sogenannten "Sensitiv"-Produkten dauerte drei Wochen ARD -

Auch wenn der Begriff sensitiv anderes vermuten lässt: In den Produkten können zahlreiche Inhaltsstoffe drinstecken, die problematisch für die Haut sein können - Duft- und Konservierungsstoffe zum Beispiel. Die können Hautreizungen, Irritationen und im schlimmsten Fall auch Allergien auslösen. Verbraucherschützer und Dermatologen kritisieren das schon lange. Sie fordern zum Beispiel, in den Listen mit den Inhaltsstoffen die Konservierungsstoffe deutlicher als solche zu kennzeichnen. Passiert ist das bisher aber nicht.

Was können Verbraucher tun, wenn sie ihre Haut mit unproblematischen Stoffen pflegen möchten?

Arm wird von einer Hautärztin untersucht (Foto: ARD -)
Irreführende Werbung kann empfindlicher Haut schaden ARD -

Expertin Marike Kolossa empfiehlt als ersten Schritt: Wenn es schnell gehen soll, dann am Besten zu Bio-Produkten greifen. Die dürfen keine Mineralöl-Produkte enthalten. Das ist schon mal positiv. Außerdem: Je kürzer die Inhaltsstoff-Liste, desto geringer das Risiko, dass auch problematische Stoffe drin sind.

Wer konsequent ist, kann Produkte kaufen, die bewusst völlig ohne Duft- und Konservierungsstoffe auskommen. Vor allem eines aber sollte jeder Verbraucher beim Kosmetik-Einkauf mitbringen: Eine gehörige Portion Skepsis gegenüber dem Versprechen vom angeblich sensitiven Produkt.

Online: Petra Thiele

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