Unser ökologischer Wasser-Fußabdruck Kein Fleisch essen hilft mehr als wenig duschen

Die Welt hat ein wachsendes Wasserproblem, so die Experten des Stockholmer Internationalen Wasserinstituts anlässlich der Weltwasserwoche. Hitze und Dürre sollten uns eine Warnung sein.

Fußabdruck (Foto: SWR, SWR - Marcus Schwandner)
Nicht nur beim CO2-, sondern auch beim Wasserverbrauch, spricht man vom Fußabdruck. SWR - Marcus Schwandner

Experten der Vereinten Nationen sagen, bis zum Jahr 2025 werden weltweit etwa 1,8 Milliarden Menschen von akuter Wasserknappheit betroffen sein. Weltweite Phänomene wie die Hitzewelle und Dürre allein in diesem Sommer in Europa sind in den Augen der Veranstalter der Weltwasserwoche - das Stockholmer Internationale Wasserinstitut (SIWI) - ein "Weckruf" und eine unübersehbare Warnung vor den Gefahren für die globale Wassersicherheit. Unkalkulierbares Wettergeschehen zählen die Fachleute mit an erster Stelle zu diesen Risikofaktoren, aber auch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum.

Das Motto der diesjährigen Weltwasserwoche, zu der sich bis zum 31. August mehr als 3.000 Teilnehmer aus über 130 Ländern in der schwedischen Hauptstadt Stockholm treffen, lautet "Wasser, Ökosysteme und die Entwicklung der Menschheit". Es geht um möglichst naturnahe Lösungen für die drängendsten Probleme dieser Zeit. Unter anderem für das der zunehmenden Wasserverschmutzung.

So wird der Wasserverbrauch korrekt berechnet

Stoffe auf der Kleidungsmesse Innatex (Foto: SWR, SWR - Sabine Schütze)
Ökologische Bekleidung: Trotz Nachhaltigkeit muss auf Vielfalt nicht verzichtet werden. SWR - Sabine Schütze

Ein T-Shirt zum Beispiel verbraucht 15 Badewannen voll Wasser - Wasser, das wir unmittelbar gar nicht sehen. Aber die Baumwolle, die dafür angebaut und gewässert wurde, der Stoff, der gewebt und anschließend genäht und gefärbt wurde - in jeder Phase wurde Wasser verbraucht.

Der Wasserfußabdruck analysiert alle Stufen: Anbau, Weiterverarbeitung bis hin zum fertigen Produkt und rechnet zusammen. Das macht am Ende fast 2.500 Liter Wasser für ein T-Shirt.

Wasserverbrauch für jedes Produkt hinterlässt ökologischen Fußabdruck

Eine Tasse mit Kaffee daneben Kaffeebohnen (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Die ökologische Rechnung muss auch den Produktionsprozess beinhalten. Thinkstock -

Solche Berechnungen gibt es auch für die Tasse Kaffee am Morgen: der Anbau der Bohne, das Waschen, der Transport. Das ergibt rein rechnerisch 140 Liter virtuelles Wasser, was am Ende dafür verbraucht wird.

Ein Kilo Rindfleisch: 15.500 Liter Wasserverbrauch. Das meiste davon fällt an, wenn erst einmal kiloweise Futter für das Tier angebaut werden muss, mindestens drei Jahre lang. Denn so lange dauert es, bis das Rind das nötige Fleisch auf den Knochen hat. Deshalb hinterlässt unser Fleischkonsum einen recht großen Wasserfußabdruck.

Gedacht sind solche Berechnungen, um unseren wirklichen Wasserverbrauch zu veranschaulichen. Nehmen wir nur das Wasser, das wir direkt verbrauchen, beim Duschen, Zähneputzen und Spülen etwa - da fallen in Deutschland pro Kopf nur 120 Liter an. Damit liegen wir recht gut in der Rubrik der Wassersparsamen.

An der richtigen Stelle sparen - beim Fleisch

Fleisch (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Für Rindfleisch wird unglaublich viel Wasser verbraucht. Thinkstock -

Nimmt man aber das Wasser, das wir indirekt verbrauchen, durch unseren Konsum, dann sind das rund 5.000 Liter pro Tag. Auch wenn es bei diesen Zahlen immer um Schätzungen geht und es weltweite Durchschnittszahlen sind - sie veranschaulichen doch klar, dass wir für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser im Grunde an der falschen Stelle sparen.

Oder wie es einer der Water-Footprint-Forscher vorrechnet: Wenn wir nie wieder duschen, sparen wir gerade mal 50 Liter Wasser täglich. Würden wir aber nie wieder Fleisch essen, spart das 800 Liter am Tag.

Von Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller

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