UBA: Insgesamt weniger NO2 Stickoxid-Belastung gesunken - daran liegts

Das Umweltbundesamt meldet zwar immer noch 35 deutsche Städte über den EU-Grenzwerten für 2018 - dennoch: Insgesamt nahm die Stickoxid-Verschmutzung leicht ab. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Der EU-Grenzwert für die Stickstoff-Dioxid-Belastung liegt bei 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft. Außer Stuttgart und Mainz lagen 2018 laut Umweltbundesamt noch mindestens 33 weitere Städte über diesem europäischen Grenzwert.

Insgesamt betrachtet sank die NO2-Verschmutzung im vergangenen Jahr aber leicht - im Mittel der verkehrsnahen Messstationen um etwa zwei Mikrogramm pro Kubikmeter. 2017 gab es an 45 Prozent dieser Stationen zu hohe Werte, 2018 kam das nach einer UBA-Hochrechnung bei weniger, bei 39 Prozent vor. Frage an Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung:

Woher kommt der Rückgang der NO2-Verschmutzung?

  • Verkehrsbeschränkungen in den Innenstädten

Als Gründe für den leichten Rückgang nennt das Umweltbundessamt die Verkehrsbeschränkungen, die es schon überall gibt. Umweltzonen, Innenstadtbereiche, in die bestimmte Fahrzeuge mit hohen Emissionen nicht mehr rein fahren dürfen - das hat manche Messwerte verbessert.

  • Geschwindigkeitsbeschränkungen wie Tempo-30-Zonen

Auch Tempolimits, die eingeführt wurden - das Tempo-30-Schild mit dem Hinweisschild darunter "Luftreinhaltung" - war eine Maßnahme, die einige Städte umgesetzt haben, Leipzig zum Beispiel. Stuttgart wollte Tempo 40 am Neckartor, hat das aber letztes Jahr doch wieder gestoppt.

  • Bessere Abgasreinigung in Autos

Eine weitere Ursache für den Rückgang bei der Stickstoff-Dioxid-Belastung in den Städten sieht das Umweltbundesamt darin, dass inzwischen mehr neue Autos unterwegs sind, mit besserer Abgasreinigung. Und die Software-Updates, die gerade bei älteren Diesel die Abgasreinigung besser machen sollten, zeigen laut Umweltbundesamt 2018 Wirkung. Eigentlich sollten über fünf Millionen Wagen nachgebessert werden - da war man aber zeitlich etwas in Verzug geraten. Diesen Punkt würde ich beim Ursache-Ranking auch nicht ganz oben sehen. Die Deutsche Umwelthilfe hat ja immer wieder kritisiert, dass solche Software-Updates nicht die große Stickoxid-Minderung bringen.

  • Wetter und Feinstaub

Was man auf jeden Fall noch als einen wichtigen Grund nennen sollte, ist das Wetter. Neben Stickoxiden wird ja auch Feinstaub gemessen. Da sagen die Zahlen des Umweltbundesamts: 2018 wurden beim Feinstaub in keinem Ballungsraum die Grenzwerte mehr überschritten. Da waren nur Februar und März kritisch, wo es deutliche Kaltlufteinbrüche gab. Aber zehn Monate im vergangenen Jahr war es warm und trocken - da gab es keine Feinstaub-Grenzwert-Überschreitungen.

Fazit: Die Luftbelastung durch Diesel-Abgase hat 2018 leicht abgenommen - aber das heißt nicht, alles ist gut. Es bleiben weiterhin mindestens 35 Städte über dem EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid. Und Ausreißer wie Stuttgart-Neckartor liegen da auch immer noch weit drüber.

Von Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller

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