Tourismusmagnet Alpen Begeisterte Gäste, gestresste Berge

Die Alpen sind für viele ein Sehnsuchtsort - die Natur leidet aber unter dem Massentourismus. Ein kleiner Ort in Berchtesgaden zeigt, dass es auch anders geht.

Bergpanorama, Kirche, Brücke über Bach (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ramsau setzt nicht auf Massentourismus. picture-alliance / dpa -

Die Alpen sind für viele Menschen ein Sehnsuchtsort. Wanderer, Wintersportler und Mountainbiker zieht es genauso in Europas höchstes Gebirge wie gestresste Städter. Allein der deutsche Teil der Alpen kommt pro Jahr auf rund 25 Millionen Übernachtungen.

Der Tourismus hat die Regionen wohlhabend gemacht. Aber die Alpen geraten zunehmend unter Druck, nicht nur durch die Urlauber. Der Klimawandel droht die Grundlagen für den Wintersport an vielen Orten zu zerstören.

Gemeinden erweitern ihre Skigebiete

Die betroffenen Gemeinden reagieren ganz unterschiedlich auf die Herausforderungen. Die einen wollen das mögliche Aus für den Wintersport so nicht akzeptieren und versuchen, dagegen anzubauen.

Ein Wanderer blickt über Alpenpanorama (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Am Riedberger Horn sollen zwei Skigebiete zusammengeführt werden. Ein umstrittenes Projekt. picture-alliance / dpa -

Am Riedberger Horn in den Allgäuer Alpen beispielsweise glaubt man, den Tourismus erhalten zu können, indem man das Wintersportangebot ausbaut: Da planen Balderschwang und Obermeiselstein eine sogenannte Skischaukel, die zwei Skigebiete miteinander verbinden soll. Damit will man für Skifahrer attraktiver zu werden. Ob sich diese Investition angesichts des Klimawandels noch lohnt, dürfte zumindest hinterfragt werden.

Besonders pikant dabei ist, dass die geplante Trasse durch ein Naturschutzgebiet Zone C verläuft - strenger geschützte Gebiete gibt es im sogenannten Alpenplan nicht, der für die nachhaltige Entwicklung des bayerischen Alpenraums sorgen soll. Dennoch will die bayerische Region die Bahn bauen lassen und den Alpenplan einfach ändern. Doch der Widerstand ist groß.

Gegenbeispiel: Bergsteigerdorf Ramsau

Aber es geht auch anders: An anderen Orten in den Alpen versucht man, sich anzupassen. Die Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden etwa hat ein Skigebiet, das nur bis zu einer Höhe von knapp 1.400 Metern geht.

Mehr als die Hälfte der Einnahmen erwirtschaftet die Gemeinde mit nicht einmal 2.000 Einwohnern aus dem Tourismus. Über 70.000 Gäste kommen im Jahr, mehr als drei Viertel davon im Sommer. "Wir haben ein kleines Skigebiet mit zwei Schleppliften und einer Doppelsesselbahn", erklärt Rasp. Für Familien, deren Kinder Skifahren lernen wollen, sei das ein nettes Angebot. "Natürlich verlieren wir die, wenn die ein bisschen besser skifahren können, weil dann fahren sie nach Österreich, nach Italien oder in die Schweiz", so Rasp.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Sanfter Tourismus, Klimawandel, Umweltschutz - es gab und gibt viele Argumente, warum man in Ramsau schon vor Jahren beschlossen hat, keine neuen Skianlagen zu bauen. Die Gemeinde versucht, nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu wirtschaften - und dennoch attraktiv für Touristen zu sein. Auch deshalb gab es 2015 das Gütesiegel "Bergsteigerdorf".

Tourismuschef Fritz Rasp hat sich ganz besonders für Ramsaus Bewerbung als Bergsteigerdorf eingesetzt. Der Titel ist kein touristisches Label, es geht dabei nicht in erster Linie um die Vermarktung, sondern um die Einheimischen. So wurde beispielsweise der öffentliche Nahverkehr in Ramsau ausgebaut. Vergangenes Silvester gab es zum ersten Mal kein Feuerwerk - der Umwelt zuliebe.

Kein Massentourismus

"Wenn jetzt zum Beispiel ein Investor käme mit einem 500-Betten-Projekt und vielleicht einer Skigebiets-Erweiterung, dann würde der Deutsche Alpenverein DAV sagen, damit verlasst ihr die Bergsteigerdörfer", erklärt Tourismuschef Rasp. "Es ist kommunalpolitisch ganz wichtig, dass man sagt, nein, wir machen das nicht, weil wir sind eben Bergsteigerdorf."

Menschen in Tracht mit geschmückten Palmwedeln gehen zur Palmweihe am Palmsonntag in Ramsau (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Palmweihe in Ramsau. Brauchtum soll hier bewahrt werden. picture-alliance / dpa -

Eine Besucherin erklärt ihre Liebe zum Urlaubsort: "Es gibt keine Hochburgen. Es sind alles kleine Pensionen, es verläuft sich halt.". "Ansonsten hätte man auch zum Königsee fahren können, wo Busladungen Touristen Souvenirs kaufen", meint ein anderer.

Von Susanne Henn, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Sola Hülsewig

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