Tag der Kartoffel Hochgiftige Chemie auf dem Kartoffelacker

Damit Kartoffeln eine festere Schale bekommen, wird das Kraut mit hochgiftigen Mitteln "totgespritzt". Was bedeutet das für Umwelt und Verbraucher?

Der 19. August ist der Tag der Kartoffel. Die gesunde Knolle hat den Tag offensichtlich bitter nötig, denn die Deutschen essen nur noch ein Viertel der Menge an Kartoffeln wie vor 60 Jahren. Der Kartoffelanbau hat seine Schattenseiten: Die konventionelle Landwirtschaft setzt massiv auf giftige Chemie.

Denn der Handel verlangt von den Bauern Kartoffeln mit festen Schalen, damit sie unverletzt in den Handel kommen. Feste Schalen erzielt man, wenn man drei Wochen vor der Ernte das oberirdische Kraut der Kartoffel außer Gefecht setzt. Dann reifen die Kartoffeln in der Erde nach, die Schale wird fester.

Mechanisch Kartoffelkraut entfernen ist zeitaufwendig

Das Kartoffelkraut wird man auf zwei Arten los: Entweder macht man es mechanisch mit einem Schlegelgerät am Traktor. Dafür muss der Bauer aber viel Zeit aufwenden, es ist also teuer. Zudem muss man oft auf den Acker fahren, das ist schlecht für den Boden. Außerdem können auch Kartoffeln beschädigt werden.

Bequem ist dagegen die 24 Meter breite Herbizidspritze, mit der das Kraut einfach totgespritzt wird. Allerdings sind die vom Bundesamt für Verbraucherschutz derzeit dafür zugelassenen Mittel echte Chemiekeulen - giftig für Fische, Vögel und nützliche Insekten wie Marienkäfer.

Bundesamt sieht kein Problem

Das Bundesamt für Verbraucherschutz sieht darin keine Probleme und weil die Chemikalie mit dem Namen Deiquat - auch als Diquat oder Diquatdibromid bekannt - nur auf das Kartoffelkraut, also den oberirdischen, nicht essbaren Teil der Kartoffel, gespritzt wird, gibt es auch keine Grenzwerte. In den Kartoffeln selbst bleiben die Rückstände ebenfalls unter den zulässigen Grenzwerten.

Laut Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN sind aber vor allem die Anwender und Anrainer gefährdet, wenn das hochgiftige Deiquat versprüht wird. Immerhin 250 Tonnen davon landen jedes Jahr auf deutschen Äckern. Das Mittel ist nervenschädigend und hat im Versuch mit Schweinen Parkinson ausgelöst. Deiquat darf deshalb nur unter Atemschutz versprüht werden - zum Beispiel mit einem Traktor mit luftdicht geschlossener Fahrerkabine.

Tödliche Vergiftungen

In Großbritannien hat es schon tödliche Vergiftungen mit Deiquat gegeben. Das Bundesamt für Verbraucherschutz genehmigt diese Totalherbizide trotzdem, um das Kartoffelkraut abzutöten - denn wer sich an die Vorschriften halte, dem passiere auch nichts, heißt es.

Von Elke Klingenschmitt, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Sola Hülsewig

STAND