Studie zu Trink-Technik Ob Bier oder Wein zuerst, ist egal

Wer zu viel Alkohol getrunken hat, muss meist am nächsten Tag mit einem Kater kämpfen. Ist die Reihenfolge Schuld? Eine aktuelle Studie hat ein Volksmund-Weisheit überprüft.

Welche "Trink-Technik" am besten vor einem Kater schützt, ist bei jedem unterschiedlich. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Welche "Trink-Technik" am besten vor einem Kater schützt, ist bei jedem unterschiedlich. picture-alliance / Reportdienste -

Es gibt Weisheiten, die international gelten. Das berühmte "Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rat' ich dir" fällt in diese Kategorie. Der Ratschlag ist nicht typisch deutsch, er existiert auch im Englischen, im Französischen und einigen anderen Sprachen. Grund genug, diese Lebensweisheit einmal wissenschaftlich zu untersuchen. Die Ergebnisse dieses bier-ernsten Versuches liegen nun vor.

Fragen an Elke Klingenschmitt, SWR Umwelt und Ernährung

Welcher Wissenschaftler hat diese Frage untersucht und vor allem:
War das "Saufen für die Wissenschaft"?

Ja unbedingt. Das war übrigens auch eine der großen Hürden für eine streng naturwissenschaftliche Untersuchung darüber, ob man Bier mit Wein - sagen wir mal - an einem Abend kombinieren kann, ohne dass einem schlecht wird. "Saufen für die Wissenschaft", da musste erstmal die Ethik-Kommission zustimmen.

Allein zwei Jahre hat es gedauert, diese Studie vorzubereiten. Die 100 Versuchspersonen waren Männer und Frauen im Alter zwischen 19 und 40 Jahre alt und alle tranken gerne Bier und Wein. Alle haben dasselbe Abendessen bekommen und auch auf dem Campus in Cambridge übernachtet. Gruppenweise wurde am ersten Versuchsabend erst Bier und dann Weißwein getrunken, am Zweiten Abend genau umgekehrt und eine Kontrollgruppe trank den ganzen Abend nur Bier oder nur Wein. Ganz wichtig: Alle mussten einen Blutalkoholgehalt von 1,1 Promille erreichen, das ist schon sehr betrunken.

Was ist dabei herausgekommen?

Um die 1,1 Promille zu erreichen, hat jede Person im Schnitt 1,3 Liter Bier und anschließend zwischen 0,6 und 0,7 Liter Wein getrunken. Gab es ausschließlich Bier, summierte sich die Menge auf 2,6 Liter pro Person - beim Wein auf 1,2 Liter. Das ist schon eine Menge an Alkohol und ein Kater bleibt da nicht aus.

Allerdings gab es tatsächlich keine Unterschiede bei den Katersymptomen, egal ob Bier auf Wein oder umgekehrt oder nur Bier und Wein - das haben die Fragebögen ergeben, die die Versuchspersonen am Morgen danach beantwortet haben.

Wichtigstes Ergebnis: Hören Sie auf Ihren Körper. Der sagt Ihnen, wenn es zu viel ist. Wer sich selbst als sehr betrunken einschätzte und sich abends übergeben musste, dem ging es auch am nächsten Morgen schlechter als den anderen Teilnehmern.

"Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rat' ich dir" - ist also falsch.
Woher kommt diese Volksweisheit?

Das Sprichwort lässt sich historisch-soziologisch erklären. Früher konnten sich arme Menschen ja nur Bier leisten. Stiegen sie gesellschaftlich auf, konnten sie sich auch Wein leisten. Wein auf Bier also war durchaus erstrebenswert - Bier auf Wein aber, das wollte niemand. Das bedeutete in der Zeitleiste sinngemäß sozialen Abstieg und wer will das schon?

Online: Jutta Kaiser

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