Studie belegt Gesundheitsgefahr Millionen Tote durch Umweltverschmutzung

Autoabgase in der Luft und Plastik in den Meeren: Menschengemachte Schäden bedrohen nicht nur den Planeten, sondern auch die Menschen selbst. 6,5 Millionen sterben pro Jahr an Folgen.

Jeder sechste vorzeitige Todesfall geht weltweit auf die Folgen der Umweltzerstörung zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie. Durch Umweltverschmutzung sterben damit insgesamt mehr Menschen auf der Welt als durch Kriege und Krankheiten.

Fragen an Elke Klingenschmitt, SWR Umwelt und Ernährung

6,5 Millionen Menschen, eine dramatische Zahl - woher kommt die denn?

Die hat ein Team von 40 internationalen Wissenschaftlern im Rahmen einer Studie ermittelt, die gerade im Fachmagazin für Medizin "The Lancet" veröffentlicht worden ist. Die Studie hat sich mit den weltweiten Todesursachen im Jahr 2015 beschäftigt - und die Ergebnisse sind wirklich besorgniserregend: In diesem Jahr sind infolge von Umweltschäden dreimal mehr Menschen gestorben als durch Aids, Tuberkulose und Malaria zusammen. Und 15 Mal mehr als durch Kriege und Gewalt.

Was sind die konkreten Gesundheitsrisiken, die auf die Ökokatastrophe zurückgehen?

Die Gesundheitsrisiken sind unterschiedlich - abhängig vom Wohlstand der Region, in der die Menschen leben. In Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Situation oft am schwierigsten. Indien ist beispielsweise ein Land, in dem die Industrialisierung dafür verantwortlich ist, dass die Luft in den Städten und darum herum sehr schlecht ist. Dort kochen die Menschen in ihren Häusern vor allem mit Holz oder Kohle. In den Straßen ist die Abgasbelastung durch den Verkehr enorm groß und das führt dazu, dass in Indien jeder Vierte an Lungenkrebs, Atemwegserkrankungen oder einem Schlaganfall stirbt. An zweiter Stelle stehen dort Todesfälle durch verschmutztes Wasser.

Tote durch verunreinigtes Wasser - die gibt es in Deutschland nicht. Ist die Umweltzerstörung trotzdem auch bei uns lebensgefährlich?

Bei uns in Deutschland sind im Jahr 2014 nach Angaben der europäischen Umweltagentur EEA 80.000 Menschen vorzeitig durch Umweltbelastungen gestorben, davon allein 66.000 Menschen durch Feinstaub. Verantwortlich dafür ist der Straßenverkehr, Heizungen, Fabriken, aber auch die Landwirtschaft. Die anderen 14.000 Menschen sind an den Krankheiten gestorben, die durch bodennahes Ozon und Stickoxide entstehen - dafür ist ebenfalls der Verkehr verantwortlich. Hochgerechnet auf ganz Europa waren es 2013 über eine halbe Million Tote. Insgesamt ist die Luftbelastung auf unserem Kontinent zwar etwas besser geworden, die deutsche Umwelthilfe ist aber der Meinung, dass wir um Dieselfahrverbote in den Innenstädten nicht herumkommen, wenn wir die Menschen vor den giftigen, krankmachenden Stickoxid-Abgasen besser schützen wollen.

Online: Michael Herr

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