Studie Paket- und Expresslogistik Rekordzahl an Zustellern unterwegs

Der Online-Handel boomt, das belegen auch die Zahlen des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik. Das Ausliefern muss immer produktiver werden. Der Druck auf die Zusteller wächst.

Rund 210.000 Menschen arbeiten bei Paket-, Express- und Kurierdiensten in Deutschland. Viele von uns beneiden sie nicht um den Job - weil wir ahnen, unter welchem Druck sie die rund drei Milliarden Lieferungen pro Jahr ausfahren müssen. Bereits vor Jahren gab es einen Medien-Aufschrei um die so genannten "Arbeitssklaven" in der Paketbranche.

Verdi: "Paketzusteller immer noch unter Druck"

Paketzusteller, die ihre Freizeit opfern, um ihr Pensum zu schaffen, die während der Arbeitszeit in Tränen ausbrechen, weil sie mit dem Druck nicht klar kommen, die krank werden, weil sie überlastet sind - diese Fälle gibt es immer noch.

Birgit Sperner von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sagt, viele Paketzusteller seien permanent überlastet. Sie arbeiteten teils deutlich länger und verzichteten auch auf Pausen, um die rund 200 Pakete pro Tag ausfahren zu können.

Viele fühlen sich ausgelaugt

Nach einer Verdi-Untersuchung sehen sich laut Birgit Sperner 70 Prozent der Zusteller nicht in der Lage, diesen Job bis zum Rentenalter zu machen. Sie fordert, dass die Menschen entlastet werden: zum Beispiel, indem ihre Bezirke verkleinert werden.

Es müsse auch mehr Personal eingestellt werden. Das sei allerdings gar nicht so einfach, weil das Image des Paketzustellers gelitten habe. Viele Interessenten kapitulierten bereits nach wenigen Tagen, weil sie sich der Arbeitsbelastung nicht gewachsen fühlten.

Bundesverband räumt hohe Belastung ein

Florian Gerster, Vorsitzender des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik, räumt ein, es sei ein Knochenjob, Pakete auszuliefern. Er glaubt aber daran, dass sich die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern werden. Kein Paketzustellunternehmen könne es sich auf Dauer leisten, seine Mitarbeiter schlecht zu behandeln. Die Branche wachse stetig und sei darauf angewiesen, neues Personal zu finden und zu halten.

Zukunftsidee Roboter als Zustellhilfe

Die größte Belastung für Paketzusteller sieht der Verbandsvorsitzende darin, dass viele Kunden mehrfach angefahren werden müssten, wenn sie nicht zu Hause seien. Und auch das Gewicht einiger Pakete sei ein Problem, vor allem in Mehrfamilienhäusern ohne Aufzug.

Zustellunternehmen arbeiteten aber bereits daran, ihren Paketzustellen die Arbeit zu erleichtern. Eine Möglichkeit sei, dass die Lieferwagen nachts von anderen Mitarbeitern beladen würden, damit die Zusteller Zeit zum Ausfahren gewinnen. Der Verbandsvorsitzende stellt sich für die Zukunft außerdem einen Roboter für jeden Zusteller vor, der die Pakete für ihn trägt.

Studie des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik für 2016:

  • 3,16 Milliarden Paket-, Express- und Kurier-Sendungen - 7,2 Prozent mehr als 2015
  • Mehr als zehn Millionen Sendungen wurden pro Tag umgeschlagen
  • Vier von fünf Sendungen waren Pakete
  • Knapp 220.000 Beschäftigte in der Branche, rund 10.000 mehr als im Vorjahr
  • Prognose 2017: 6 Prozent mehr Sendungen. Steigerung um 180 Millionen Sendungen auf insgesamt 3,34 Milliarden Sendungen

Autorin: Jutta Kaiser, SWR Wirtschaft und Soziales

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