Stromnetzgipfel im Wirtschaftsministerium Warum die Energiewende kaum voran geht

AUTOR/IN

Mit einem "Aktionsplan Stromnetz" will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Netzausbau in Deutschland beschleunigen. Doch dabei gibt es viele Probleme zu lösen.

Strommasten im Abendrot (Foto: © Colourbox.com -)
In Off-Shore-Windparks in der Nordsee wird viel Strom produziert, doch die größten industriellen Verbraucher sitzen in Süddeutschland. Nur wie kommt der Strom vom Norden in den Süden? © Colourbox.com -

"Die Förderung erneuerbarer Energien kostet einen durchschnittlichen Haushalt nur so viel wie eine Kugel Eis im Monat." Bundesumweltminister Jürgen Trittin, 2004

Selten lag ein Minister mit einer Berechnung so sehr daneben. Die Energiewende wird minütlich teurer, und das liegt vor allem am schlecht ausgebauten deutschen Stromnetz.

Die sogenannten "Redispatch-Kosten"

Damit bezeichnen Experten folgendes Problem: Im Norden und Osten werden immer mehr Windkrafträder gebaut, mit garantierter Vergütung für die Stromeinspeisung. Da die Stromtrassen aber nicht stark genug sind, diesen Strom in die Mitte und den Süden zu bringen, stehen die Anlagen immer wieder still. Und vor Ort springen konventionelle Kraftwerke an, um Strom zu produzieren. Jedes Jahr kostet dieser Effekt Milliarden. 7.700 Kilometer neues Netz bräuchte es für die Energiewende in Deutschland, fertig sind erst 950. Warum?

Erneuerbare Energie ist super, aber nicht bei mir im Vorgarten!

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier neben einem Strommast (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bundesenergieminister Peter Altmaier wirbt für die Energiewende. picture-alliance / dpa -

Auf dieses Argument traf Bundeswirtschaftsminister Altmaier überall auf seiner Netzrundreise im Sommer. Wo Altmaier auftauchte, protestierende Bauern und Anwohner waren schon da. Fast 100 Prozent aller Trassen führen über Äcker, Wiesen und Wälder. Kaum eine Planung läuft in Deutschland ohne Einspruch. An besonders kritischen Stellen sollen Trassen jetzt unterirdisch verlegt werden, dauert und kostet viele Milliarden Euro extra.

Planung in Deutschland ist kompliziert

Etwa die Hälfte der notwendigen Trassen muss nur erneuert, nicht ganz neu gebaut werden. Aber das Planungsrecht in Deutschland sieht vor, dass solche Updates auf bessere Kabel wie Neubauten behandelt werden, heißt komplizierte und langwierige Verfahren.

Nicht genug Platz

Proteste gegen die Südlink-Stromtrasse in Thüringen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Proteste gegen die Südlink-Trasse: Vor allem die sogenannten Stromautobahnen – bis zu 90 Meter hohe Hochspannungsleitungen – sind umstritten. picture-alliance / dpa -

Für jedes Windkraftrad und jeden Strommasten sind bei uns Ausgleichsflächen vorgesehen, um den Schaden an der Natur klein zu halten, Vögeln zum Beispiel Raum zum Brüten zu geben. Solche Flächen werden aber immer knapper, mehr als die Hälfte aller Flächen in Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt. Rechnet man Wälder und Siedlungsfläche dazu, bleibt kaum noch Natur übrig.

Wie viele E-Autos fahren in Zukunft?

Eine von vielen schwer abzuschätzenden Entwicklungen, aber enorm wichtig für den Bau von Stromtrassen. Wer steckt in Zukunft wann sein E-Auto ans Netz, welche Belastungsspitzen kommen hier auf das deutsche Stromnetz zu? Kaum vorherzusagen.

Aktuelle Berechnungen gehen davon aus, dass unter Berücksichtigung der gerade genannten Punkte die Energiewende in Deutschland bis 2025 mindestens 520 Milliarden Euro kostet. Das macht in der Währung von Jürgen Trittin: Mindestens 60 Kugeln Eis pro Monat pro Person in Deutschland für die nächsten sieben Jahre.

AUTOR/IN
STAND