Stromfresser Klimaanlagen Von wegen "Strom für bloß zwei Kugeln Eis"

Bei Sommerhitze sehnen wir uns nach Abkühlung. Mit jeder Hitzewelle steigt die Nachfrage nach Klimageräten. Doch in Summe können die sich auch als wahre Stromfresser entpuppen...

Temperaturregler einer Klimaanlage in einem InterCity-Reisezug (IC) der Deutschen Bahn, (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Wenn´s bloss so einfach wäre... Von heiß zu kalt mit einem Dreh des Reglers. picture-alliance / dpa -

Es klingt so schön: eine ganze Wohnung tagsüber oder in der Nacht auf Wohlfühl-Temperatur kühlen – mit Strom im Gegenwert von lediglich zwei Kugeln Eis. Eine Verheißung mit freundlichen Grüßen vom Fachverband Gebäude-Klima. Möglich werde das mit sogenannten Split-Klimaanlagen. Bei denen hängt ein Teil des Klimageräts draußen an der Wand, der andere, kleinere Teil, kühlt innen die Räume.

Im Sommer sind Klimaanlagen heiß begehrt

Arbeiter montieren am 20.06.2017 Solarpanele an einem Balkon in Seoul (Südkorea) neben einer Klimaanlage. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Split-Klimageräte für die Wohnung (wie hier in Südkorea) sind bei uns noch selten picture-alliance / dpa -

Schätzungsweise zwei bis vier Millionen Klimageräte sind bereits in Deutschland in Betrieb. Ein Zehntel davon steht in Wohnhäusern. Hinzu kommen noch bis zu einer halben Million fest in Gebäuden verbauter Klimasysteme, mit denen zum Beispiel Bürogebäude gekühlt werden, Supermärkte oder Krankenhäuser.

Dazu kommen noch eine Vielzahl mobiler Klimageräte, wie es sie etwa im Baumarkt zu kaufen gibt. Und die Nachfrage danach steigt. Die Branche freut sich über jährliche Zuwächse zwischen 10 und 15 Prozent. Und mit jeder neuen Hitzewelle werden es noch mehr.

Mehr Klimaanlagen heißt im Sommer: höherer Stromverbrauch

Ein grüner Stromstecker liegt auf einer Stromrechnung. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Wer bei hohen Temperaturen Klimageräte häufig nutzt, muss mit höheren Stromkosten rechnen. picture-alliance / dpa -

Je mehr Klimaanlagen laufen, desto höher ist auch der Stromverbrauch. Das Öko-Institut hat abgeschätzt, wie viel Energie für die Kühlung unserer Wohnungen Mitte des Jahrhunderts schlimmstenfalls "verballert" werden wird.

Ergebnis: Soviel zusätzlicher Strom wie ein Atomkraftwerk in einem halben Jahr produziert – oder, in Eiskugeln gerechnet: der heutige Gegenwert von mehr als einer Milliarde Kugeln Eis. Das klingt dann schon nicht mehr ganz so niedlich wie die Werbesprüche des Branchenverbands.

Experten raten zu Kühlungs-Alternativen

Ein älteres Paar isst am Bank Holiday Feiertag im Regent's Park in der britischen Hauptstadt ein Eis. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mehr Grün tut dem Stadtklima gut. Und Eisessen im Sommer dem Menschen. picture-alliance / dpa -

Darum empfehlen Fachleute fürs bessere Klima, auch einmal auf andere Lösungen zu setzen als ausschließlich auf Klimaanlagen. Besser wäre es aus ihrer Sicht zum Beispiel, gar nicht erst so viel kühlen zu müssen.

Möglich wäre dies etwa mit Hilfe guter Dämmung oder automatischer Verschattungs-Systeme vor den Fenstern. Auch mehr Grün täte dem Stadtklima gut: durch Fassaden- und Dachbegrünungen etwa und durch mehr Parks.

Stefanie Peyk, SWR-Umweltredaktion | Online: Lutz Heyser

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