Stellenabbau für Konzern-Umbau Das tun, "was die Deutsche Bank gut kann"

Der neue Kopf der Deutschen Bank, Vorstandschef Christian Sewing, soll das Unternehmen endlich aus den roten Zahlen holen. Zur Hauptversammlung wurde erklärt: Tausende Mitarbeiter müssen gehen.

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Die Deutsche Bank will wieder stabiler werden. SWR

Der Neue will es offensichtlich wissen: Seit April hat die Deutsche Bank einen neuen Vorstandschef - Christian Sewing hat die Aufgabe und das Ziel, die Bank endlich aus den roten Zahlen heraus zu führen. Der neue Plan: Tausende Mitarbeiter müssen gehen, um "das zu tun, was die deutsche Bank gut kann".

Sewing sieht in dem angekündigten Stellenabbau erst den Anfang eines Konzern-Umbaus. "Wir müssen noch viel grundsätzlicher werden", sagte er und kündigte weitere Einsparungen und Automatisierungen an. Die Kosten für Datenverarbeitung und externe Dienstleister seien nur zwei Beispiele dafür. Die Belegschaft soll von 97.500 deutlich unter 90.000 sinken. Die blauen Filialen der Deutschen Bank sollen mit den gelben der Postbank mehr und mehr zusammengelegt werden. Die Kosten für kurzfristige Abfindungszahlungen schätzt die Bank auf etwa 800 Millionen Euro. Der Konzern will vor allem im Bereich Aktien und Geld-Anlage kürzen.

Fragen an Alfred Schmit, SWR Wirtschaft und Soziales

Wen betrifft denn der Stellenabbau bei der Deutschen Bank?

Zuerst einmal die Angestellten, denn dieser Stellenabbau ist massiv. Hinzu kommt, dass auch die Postbank mit ihren gelben Filialen mehr und mehr zusammengelegt wird mit den blauen Filialen der Deutschen Bank. Denn sie ist die Besitzerin der Postbank. So könnte über die nächsten Jahre fast jeder zehnte Job wegfallen bei der Deutschen Bank. Das wird allerdings nicht alles in Deutschland passieren.

In London und New York dürfte viel gestrichen werden, weil die Deutsche Bank dort einen großen Teil ihrer Aktiengeschäfte hat. Generell fallen im Ausland Jobs weg. Aber für die Angestellten hier in Deutschland ist es schon bitter. Unterm Strich werden wohl hier in Deutschland über die nächsten vier Jahre 1.500 Jobs pro Jahr gestrichen.

Wie weit sind die Kunden davon betroffen? Gibt es etwa bald weniger Filialen?

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Sehr umstritten seit Jahren: Die Strategien und Chefs der Deutschen Bank SWR -

Das muss man befürchten, weniger Personal und weniger Filialen. Das heißt für die Kundschaft: weniger Service, längere Wartezeiten und längere Wege. Dieses Filial-Sterben ist aber bei allen Banken zu beobachten. Die Bankenlandschaft ist im Umbruch, weil es mehr Internet-Angebote für Geldanlage und Kontoführung gibt. Das traditionelle Geschäft mit der Filiale geht zurück. Es ist auch unprofitabel, weil die Null- und Niedrigzinsen das alte Geschäftsmodell vieler Banken zerstört haben.

Auch deshalb hat der neue Chef, Christian Sewing - seit April erst im Amt - nun diesen radikalen Schnitt angekündigt mit dem Stellenabbau. Es ist auch ein Versuch, die Aktionäre milde zu stimmen. Viele sind sauer wegen der jahrelangen Verluste. Der Aktienkurs der deutschen Bank ist am Vormittag zunächst unverändert geblieben. Sonst findet die Börse es ja immer gut, wenn Jobs wegfallen, weil Kosten sinken. Aber erst einmal wird es teuer, weil viele Millionen Euro für Abfindungen bezahlt werden müssen.

Welche Strategie steckt hinter dem Konzern-Umbau?

Der neue Chef Christian Sewing will die Deutsche Bank wieder profitabel machen. Er will Gewinne sehen und den Laden, auf deutsch gesagt, umbauen und renovieren. Er will ein schlankeres Unternehmen mit mehr Gewinn - das wollen auch die Aktionäre. Da haben viele der Angestellten nun das Nachsehen.

Ein Vorteil könnte längerfristig drin sein: Wenn sich die Deutsche Bank langsam zurückzieht vom Geschäft mit Aktien-Spekulation und Investment-Banking wäre mehr Platz fürs Privatkunden-Geschäft. So verspricht die Bank es zumindest. Ein weiterer Vorteil könnte sich auch für die Geschäftskunden ergeben, also für die deutsche Industrie, denn die wächst stark, vor allem auf dem Weltmarkt. Da braucht sie eine Bank, die gut aufgestellt ist, auch weltweit. Kurz gesagt: Das Unternehmen Deutsche Bank wird profitieren. Aber wie gut das für die Kunden wird, muss man erst noch sehen. Für die Angestellten, deren Jobs wegfallen, war das in jedem Fall ein schwarzer Tag.

Online: Heidi Keller

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