Sommerhitze Mobile Klimaanlagen für zuhause - ein Traum?

Hitze empfinden viele als belastend - nicht nur bei der Arbeit, sondern auch zuhause. Mobile Klimageräte für die eigenen vier Wände: Ob sie sinnvoll sind und worauf man achten muss.

Bei brüllender Hitze fragen sich viele Menschen: Wie bekomme ich meine Wohnung ein bisschen kühler? Der Ventilator hilft nicht viel - sollte ich mir vielleicht eine von diesen mobilen Klimaanlagen kaufen, die es in Bau- und Elektro-Märkten oder Fachgeschäften gibt?

Gespräch mit Jan Seidel, SWR Wirtschaft und Soziales

Wie viel Geld muss ich für eine mobile Klimaanlage einkalkulieren?

Ein mobiles Klimagerät steht im Zimmer (Foto: De'Longhi -)
Klimageräte: Warme Luft raus, kühle Luft rein De'Longhi -

Geräte, die in Tests gut abgeschnitten haben, gehen so bei 300 Euro los. Die meisten kosten so um die 400 Euro - können aber in der Spitze auch über 700 Euro kosten. Das ist also schon eine größere Investition, alleine vom Kaufpreis her.

Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Ich sollte mir vor dem Kauf erst ein paar Gedanken machen:

  • Wenn ich schnell viel Kühlung will, können die Geräte wirklich laut werden - um die 60 Dezibel. Das entspricht etwa der Lautstärke einer laufenden Nähmaschine … das kann also nerven. Außerdem stört einige Menschen die Zugluft: Die Geräte sind relativ klein - wenn die einen ganzen Raum kühlen sollen, müssen sie schon ein bisschen Druck machen. Das ist dann leicht so wie im Auto an einem heißen Tag.
  • Beim Kauf sollte ich auf die Technik schauen: Ist das eine reine Luft-Kühlung? Dabei wird die Raumluft durch das Kühlmittel abgekühlt. Oder ist es eine Luft-Wasser-Kühlung? Dabei wird auch noch das Kondenswasser zur Luft-Kühlung verwendet. Generell gelten Luft-Wasser-Klimaanlagen als effizienter. Viele Anlagen haben grundsätzlich den Nachteil, dass ich regelmäßig Kondenswasser wegkippen muss, weil das beim Kühlen einfach entsteht.
  • Dann - wichtig - sollte ich auch noch auf die Betriebskosten achten: Die meisten aktuellen Geräte verbrauchen etwa ein Kilowatt Strom pro Stunde. Das ist ungefähr so viel wie ein Staubsauger. Das heißt: Der Betrieb kostet mich ungefähr 30 Cent in der Stunde. Wenn man das Teil also jede Nacht sieben oder acht Stunden durchlaufen lässt, kann schon einiges an Geld zusammenkommen.
  • Wem auch die Umwelt wichtig ist, der sollte zudem noch auf die Energieeffizienz schauen: Ein Gerät mit Energieeffizienz A klingt zwar super - aber es gibt mittlerweile bereits A+++ . Das heißt: Ein A sieht zwar super aus, ist es aber nicht. Eigentlich ist es ein D.

Viele Geräte haben diesen hässlichen Schlauch - den muss ich aus dem Fenster hängen. Aber macht das Sinn, wenn dadurch die warme Luft wieder reinkommt?

Der Schlauch ist tatsächlich ein Problem: Die Geräte erzeugen im Betrieb warme Luft. Die muss irgendwie nach draußen … also muss ich meinen Schlauch aus dem Fenster hängen. Es gibt auch Geräte mit zwei Schläuchen: Einer saugt frische Luft an, einer gibt warme Luft ab … die sind ein bisschen effektiver. Da habe ich aber das Problem, dass ich zwei Schläuche aus meinem Fenster hängen muss.

Die Lösung: Entweder ich finde einen Weg, mein Fenster aufwendig abzudichten, oder ich hänge den Schlauch sehr weit raus. Oder ich kaufe mir eine zweiteilige Fest-Einbau-Klimaanlage - die kennen wir von Bürogebäuden, gerade aus Südeuropa. Die kostet aber deutlich mehr.

Sonst bleiben nur die üblichen Tricks: Tagsüber die Fenster zu, die Rollläden runter, abends richtig lüften, wenn es kühl ist. Oder die Klimaanlage des kleinen Mannes: Ventilator auf den Boden, Eiswürfel davor, und dann den Ventilator über die Eiswürfel blasen lassen.

Sind Klimaanlagen zuhause gesund?

Dazu Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung

Eine gut gewartete Klimaanlage zuhause kühlt nicht nur - sie kann die Luft auch besser machen. Denn klimatisierte Luft enthält meistens weniger allergieauslösende Stoffe als Frischluft.

Im Gegensatz zu Kaufhäusern und Bürogebäuden, wo sich Menschen oft über das schlechte Klima beschweren - zu kalt, zu zugig et cetera, es gibt dafür den Begriff des "sick building syndrom" - stellen Umweltmediziner fest, dass sie kaum Patienten haben, die eine Klimaanlage zuhause haben. Der Grund: In den eigenen vier Wänden kann man die Anlage nach seinen persönlichen Bedürfnissen einstellen.

Keime und Bakterien

Wird die Anlage darüber hinaus regelmäßig vom Fachmann gewartet, sollten Keime und Bakterien keine Chance haben. Müffelt die Anlage aber, wenn sie eingeschaltet ist, kann das auf eine Keimbelastung hinweisen. In extremen Fällen kann das zur sogenannten Befeuchter-Lunge führen. Das heißt, die Lungenbläschen entzünden sich, die Betroffenen klagen über Fieber, Reizhusten und Atemnot.

Kreislaufprobleme - Nicht zu stark kühlen

Ein mobiles Klimagerät steht in einem Zimmer (Foto: De'Longhi -)
So groß wie ein Reisekoffer sollen mobile Klimaanlagen für angenehmere Temperaturen sorgen De'Longhi -

Bei gut gewarteten Anlagen gibt es diese Probleme nicht. Die Luft kann aber zu trocken sein und die Schleimhäute reizen. Dafür gibt es Nasensprays und Salben.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Temperaturunterschied nicht zu groß ist: Mehr als sechs Grad Temperaturunterschied zwischen Draußen und Drinnen können Kreislaufprobleme auslösen. Außerdem fröstelt man schnell, und die Muskeln verspannen sich.

Man sollte sich also grundsätzlich überlegen, ob man wirklich so ein Klimagerät braucht. In vielen Fällen würde es reichen, richtig zu lüften, die Vorhänge zuzuziehen und einen Ventilator einzusetzen. Das wäre in jedem Fall auch sparsamer.

Online: Heidi Keller

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