Sommerferien zuhause So gelingt Urlaub auf Balkonien

Für die einen heißt Urlaub, die Zeit fernab der eigenen vier Wände zu verbringen. Aber immer mehr Menschen fühlen sich vom Wegfahren eher gestresst und erholen sich lieber zuhause.

Balkone mit Sonnenschirmen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Patrick Pleul)
Auch beim Urlaub zuhause kann man es sich gutgehen lassen. picture-alliance / dpa - Patrick Pleul

Jeder dritte Deutsche verbringt seinen Urlaub dieses Jahr im eigenen Land. Ein Teil davon bleibt gleich ganz im gewohnten Umfeld - und das nicht unbedingt nur aus finanziellen Gründen. Wie nutzt man Ferien zuhause am besten?

Fragen an Freizeitforscher Ulrich Reinhardt, Leiter Stiftung für Zukunftsfragen, Hamburg

Wie kann ich mich daheim am besten entspannen?

Wer zuhause bleibt, sollte versuchen, die Alltagsroutine zu durchbrechen. Das gelingt, indem man etwas Besonderes tut und auch mal Fünfe gerade sein lässt - und beispielsweise etwas länger schläft oder mit Freunden frühstücken geht. Auf diese Weise schafft man besondere Highlights, von denen man auch berichten kann. Auch zuhause kann man sich gut erholen.

Wer zuhause Urlaub macht, läuft Gefahr, doch nicht auszuruhen, sondern sich zum Beispiel in die Hausarbeit zu stürzen. Was sind die typischen "Urlaubskiller"?

Es ist in der Tat so, dass viele denken: Wenn ich Urlaub habe, will ich mal den Keller aufräumen, ein Zimmer streichen oder bestimmte Sachen erledigen, die lange liegen geblieben sind.

Da ist natürlich die Gefahr groß, dass die Erholung darunter leidet. Es sorgt nicht für Zufriedenheit, wenn man die heißersehnte Urlaubszeit nur mit solchen Erledigungen verbringt.

Welche Zeitspanne ist notwendig, um wirklich erholt zu sein? Reicht es, wenn ich eine Woche frei habe oder braucht es mehr?

Da muss man zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden. Der Wunsch ist sicher, dass man möglichst lange am Stück frei hat. Ideal wäre es in der Tat, die Arbeit mal für drei Wochen ruhen zu lassen, um die Batterien wieder richtig aufzuladen.

Aber die Realität sieht etwas anders aus. Viele sind schon froh, wenn sie zwei Wochen von der Arbeit fernbleiben können. Sei es, weil sie das Gefühl haben, dort nicht ersetzbar zu sein, oder sich nicht unkollegial verhalten möchten. Denn andere Kollegen wollen schließlich auch in den Sommerferien Urlaub machen.

Wenn ich im Ausland bin, ist es automatisch schwieriger, den Kontakt mit dem Arbeitgeber oder den Kollegen zu halten. Wie soll ich das beim Urlaub auf Balkonien handhaben?

Das sollte man genauso handhaben, wie wenn man fernab auf einer einsamen Südseeinsel ist, und keinen Kontakt zum Büro oder zur Arbeitsstätte aufbauen kann.

Denn Urlaub ist wirklich eine Zeit, in der man möglichst wenig an die Arbeit denken sollte. Darum ist es kontraproduktiv, wenn man zwischendurch kurz seine Mails checkt oder im Büro anruft.

Können Sie hier einen Trend feststellen? Gibt es immer mehr Menschen, die für ihren Arbeitgeber ständig erreichbar sein wollen?

Der Trend ist sicher da, sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite. Arbeitgeber erwarten häufiger eine Erreichbarkeit im Urlaub. Andererseits wollen oder können auch viele Arbeitnehmer dem Arbeitsplatz nicht ganz fernbleiben - sei es, weil sie sich für unverzichtbar halten oder aber auch Angst haben, etwas zu verpassen.

Sollte ich also konsequent sein und auf die Kommunikation mit dem Arbeitgeber im Urlaub ganz verzichten?

Das wäre in jedem Fall sinnvoll. Es ist selbstverständlich immer eine Frage, ob man das schafft. Aber auf lange Sicht zahlt es sich aus. Nur wer richtig abschaltet und zur Ruhe kommt, kann danach im Job auch wieder mit neuer Energie durchstarten.

Wenn nach dem Urlaub wieder der erste Arbeitstag ansteht - wie sollte ich den angehen?

Wichtig ist, nicht gleich wieder voll einzusteigen, sondern zu versuchen, langsam im Job anzukommen. Am ersten Abend kann man sich auch nochmal etwas Besonderes gönnen, wie ein gemeinsames Essen mit Freunden. Und man sollte sich die Zeit nehmen, das im Urlaub erlebte, nochmal Revue passieren zu lassen - egal, ob man unterwegs war oder zuhause geblieben ist.

Denn kommt man gleich wieder in die übliche Routine, ist man bereits nach kurzer Zeit wieder urlaubsreif.

Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Stefan Heinz

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