Smart Farming Die Landwirtschaft wird digitalisiert

Das wichtigste Arbeitsgerät von Landwirt Tobias Dreher ist neben Traktor, Mähdrescher und Melkmaschine das Smartphone. Er steuert und kontrolliert seinen Bauernhof digital mithilfe des Internet.

Landwirt Tobias Dreher hat seinen Bauernhof vollständig digitalisiert (Foto: SWR - Wolfgnag Brauer)
Landwirt Tobias Dreher hat seinen Bauernhof vollständig digitalisiert SWR - Wolfgnag Brauer

Mit Hilfe der Apps auf seinem Smartphone hat er alle Fäden in der Hand. Sie liefern ihm Informationen vom Feld, vom Hofladen und aus dem Stall - in Echtzeit. Das Melken zum Beispiel gehört schon lange nicht mehr zu den  Aufgaben von Tobias Dreher. Die Kühe gehen selbst in den Roboter, wann immer sie gemolken werden wollen. Alles funktioniert voll automatisiert, sagt er: "Die Kuh geht rein, dann schwenkt der Arm unten ein, das Euter wird abgebürstet und wird stimuliert. Über einen Laser wird dann die Zitze erfasst und jedes Viertele extra an den Roboter angeschlossen. Die Sensorik merkt auch, wenn keine Milch mehr kommt. Dann wird abgehängt. Wenn sie fertig ist, geht die Türe von alleine auf und sie kann den Roboter verlassen."

Alle Rinder sind digital erfasst

Das Smartphone als wichtiges Kontroll- und Steuerwerkzeug (Foto: dpa/Picture-Alliance -)
Das Smartphone meldet die aktuellen Melkdaten der Kühe dpa/Picture-Alliance -

Jedes Tier hat ein Halsband mit Sender. Dadurch erkennt der Roboter, welche Kuh gerade gemolken wird. Gleichzeitig werden Informationen von jedem Rind übermittelt, so Tobias Dreher. "Ich sehe auch Gesundheitshinweise - zum Beispiel, wenn eine Kuh ein Problem am Euter hat. So etwas kann ich über die App sehen. Selbst, wenn kleine Kälber zur Welt kommen, ist Landwirt Tobias Dreher dank Internet sofort informiert. "Da ist eine Kamera im Stall. Ich war in Brasilien, und ich konnte von dort aus zugucken."

Der Traktor fährt computergesteuert über die Felder

Düngen per Satellit gesteuert - Monitore in einem über GPS navigierten Traktor (Foto: dpa, picture-alliance -)
Vom Satellit gesteuert - Monitore in einem über GPS navigierten Traktor dpa, picture-alliance -

Auch auf dem Acker hilft die Vernetzung, damit der Betrieb mit seinen vier Mitarbeitern, 120 Kühen und 250 Hektar Grün- und Ackerfläche rentabler wird. Denn auch der Traktor fährt fast alleine, erklärt Cousin Thomas Dreher, der auch auf dem Hof mitarbeitet. "Der hat ein automatisches Lenksystem. Also ich kann jetzt meine Felder digital anlegen und muss dann im Prinzip nicht mehr selber auf dem Feld lenken. Wenn ich die Spur habe, drücke ich einen Knopf, dann fährt der Traktor auf den Zentimeter genau das Feld runter und wieder hoch. Ich habe keine Überlappungen mehr, keine Doppelbearbeitung, was Zeit und Kraftstoff kostet."

Die Krux der Digitalisierung

Ohne Internet und Breitband läuft auf dem Hof von Tobias Dreher gar nichts mehr. Das schnelle Netz hat der 45-jährige Landwirt aus Bad Saulgau aber auch nur, weil er und andere Betriebe selbst für das Breitbandnetz gesorgt haben. Mit Hilfe einer Stiftung bekamen sie 300.000 Euro zusammen, damit in zehn Dörfern rund um Bad Saulgau Glasfaser gelegt werden konnte.

Die Datenflut und die Vernetzung auf den Höfen wird weiter zunehmen

Bald werden sicher auch Tierärzte und die Molkereien ihre Daten direkt mit den Landwirten austauschen. Immer mehr Vernetzung bringe aber auch Nachteile, meint Marco Eberle vom Landesbauernverband Baden-Württemberg. "Wir sehen große Gefahren im Bereich Datensicherheit, dass durch die Daten ein landwirtschaftlicher Betrieb transparent wird. Da ist es für uns von großer Wichtigkeit darauf zu achten, was passiert mit diesen Daten, wem gehören diese Daten, die zum Beispiel an einen Vermarktungspartner oder an den Lohnunternehmer weitergegeben werden, um die Rechte des Landwirtes zu stärken. Insbesondere weil er ja in der Wertschöpfungskette nicht als das stärkste Glied in der Agrarbranche gilt."

Vom Bauernhof zum abhängigen Agrarindustriellen

Für Tobias Dreher ist die neue Abhängigkeit erst einmal zweitrangig. Er freut sich über die neue Datentechnik, die seinen Hof überleben lässt. "Der Strukturwandel wird weitergehen. Ich habe jetzt für unseren Betrieb keine Angst. Wir sind vorne mit dabei. Das wird immer mehr gefordert, und man kann sich heute vor dem Computer oder dem Smartphone einfach nicht mehr wehren. Das ist Stand der Technik."

Wolfgang Brauer, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Jochen Braitinger

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