Sicherheit bei Paketlieferungen Gefährliche Gaben frei Haus

Ausgerechnet in der Weihnachtszeit verschickt ein Erpresser eine Paketbombe. Die Polizei ermittelt. Doch was tun die Paketdienstleister für die Sicherheit der Kunden?

Egal ob Hermes, GLS, Fedex oder UPS: Wenn es um die Sicherheit von Paketen geht, hüllen sich die Paketdienstleister in Schweigen. DHL will keine konkreten Antworten geben. Schriftlich äußert sich der Paketlieferant: "Wir transportieren als Massendienstleister im Jahresdurchschnitt täglich mehr als vier Millionen Paketsendungen, in der Vorweihnachtszeit an einzelnen Tagen bereits jetzt schon mehr als sieben Millionen Pakete. Daraus allein ergibt sich bereits, dass die Kontrolle des Inhalts jeder einzelnen Sendung nicht ohne Weiteres möglich ist."

Mit Röntgenstrahlen gegen gefährliche Pakete

Das Paketaufkommen in Deutschland wächst ständig. Um zu verstehen, was die Transportunternehmen angesichts dieser hohen Zahlen an Lieferungen für die Sicherheit tun können, hilft ein Blick zurück. Auch bei früheren Anschlagsversuchen mit Paketbomben wurde über die Sicherheit diskutiert: Im Frühjahr 2017 erhielt der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Sprengsatz per Post, 2010 wurde aus dem Jemen eine Bombe nach Großbritannien geliefert.

Die Paketdienstleister haben alle mehrschichtige Systeme. Stichprobenartig werden Sendungen mit Röntgen-Scannern überprüft, wie sie auch am Flughafen bei der Gepäckaufgabe zum Einsatz kommen. Bei Bedarf setzen die Experten Spürhunde ein. Diese Kontrollen könnten verstärkt werden. Doch es ist nicht ausgemacht, dass das automatisch die Sicherheit erhöhen würde. Denn nicht jeder Gefahrenstoff kann mit technischen Mitteln gefunden werden, wie beispielsweise der Sprengstoff Nitropenta, der 2010 in dem Paket aus dem Jemen zum Einsatz kam.

Nur stichprobenartige Kontrollen

Röntgenbild einer Transportkiste (Foto: picture-alliance / dpa -)
Röntgenbild einer Transportkiste picture-alliance / dpa -

Alle rund drei Milliarden Pakete zu kontrollieren, die jedes Jahr in Deutschland verschickt werden, wäre außerdem mit einem unmäßigen Aufwand verbunden. Der Versand würde sich dadurch verzögern. Den Unternehmen würden höhere Kosten entstehen, die sie an die Kunden weitergeben müssten. Schon im letzten Jahr hat der Paketdienstleister DPD bei Großkunden für Unmut gesorgt, als er ankündigte, in Zukunft vier Cent mehr pro Sendung zu kassieren - für Sicherheitsmaßnahmen. In den Medien wurde die Portoerhöhung teilweise als "Terror-Gebühr" verschmäht.

Nicht zuletzt aus Angst vor negativer Presse halten sich die Unternehmen bei dem Thema zurück. UPS erklärte vor einiger Zeit: "Für die Effektivität unserer Sicherheitsbestimmungen wäre es kontraproduktiv, wenn wir sie öffentlich diskutieren würden."

Trotz der aktuellen Alarmstimmung gilt der Großteil der Paketlieferungen allerdings weiterhin als sicher, weil die Absender große Firmen oder Online-Shops sind. Potenziell riskant sind Pakete unbekannter Kleinversender. Einen solchen vermutet die Polizei Brandenburg hinter dem aktuellen Erpressungsversuch.

Faustregeln für verdächtige Pakete

Um sich vor potenziell gefährlichen Paketen zu schützen, rät die Polizei Brandenburg zu erhöhter Wachsamkeit: Ist der Absender bekannt? Ist das Paket korrekt beschriftet oder gibt es Fehler in der Adresse? Auch Verfärbungen des Pakets sollten Empfänger misstrauisch machen. Im Zweifel rät Torsten Herbst von der Polizei Brandenburg zur Vorsicht „Berühren Sie bitte das Paket nicht mehr. Fangen Sie nicht an, das Paket zu schütteln. Öffnen Sie das Paket nicht, sondern verlassen Sie den Gefahrenbereich. Und das Wichtigste: Informieren Sie die nächste Polizeidienststelle. Wir kümmern uns um den Rest.“

Von Eva Laun, SWR Wirtschaft und Soziales  | Online: Michael Herr

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