Selbstversuch mit Tüten und Kisten Lebensmittel liefern lassen - kommt an

Supermärkte und Biobauern bringen Einkäufe an die Tür. Wer im Internet Kochboxen bestellt, bekommt Rezepte und passende Zutaten vom Paketdienst. Unser Test, was davon im Alltag hilft.

Nie wieder einkaufen – davon träumen manche sicherlich. Mittlerweile gibt es etliche Unternehmen, die Lebensmittel liefern. Aber wie gut funktioniert das wirklich? Wie frisch sind die Sachen? Wie bequem ist die Bestellung? Das wollte SWR-Wirtschaftsredakteurin Geli Hensolt wissen und hat den Selbstversuch gemacht. Sie hat bei REWE und bei Amazon Lebensmittel bestellt, beim Biobauern in der Nachbarschaft und eine Kochbox bei "Hello fresh".

Du hast uns einen gelben Sack mit einer ganzen Menge Plastikmüll mitgebracht?

Ja, der ist Teil meiner Amazon-Bestellung. Ich habe ausprobiert, ob und wie ich meinen Wochenend-Einkauf über Amazon erledigen kann. Ich kann sagen: Das ist alles andere als praktisch. Denn als Stuttgarterin kann ich nicht über den speziellen Lieferdienst für Lebensmittel, über "Amazon Fresh" bestellen. Den gibt es bisher nur in Berlin, in Hamburg und in München.

Brezel per Päckchen - nicht so lecker. (Foto: SWR, SWR -)
Brezel per Päckchen - nicht so lecker. SWR -

Ich habe also meine Lebensmittel über die normale Amazon-Plattform bestellt - und das ist absurd: Alle meine Bestellungen - also Eier, Joghurt, Obst, Brezeln - kamen einzeln verpackt zu mir nach Hause. Das auch nicht zu einem Wunschtermin, sondern innerhalb eines Lieferzeitraums von zwei oder drei Tagen. Die Brezeln waren schon bei der Lieferung nicht mehr richtig frisch.

Beim Gemüse war die Qualität top in Ordnung. Gestern kam außerdem mein Joghurt - mit Kühlpack und Verpackungsmaterial in einer Kiste verpackt. Auch in dem Karton mit den frischen Eiern war mehr Verpackungsmaterial als Eier und zwei sind trotzdem kaputt gegangen. Billig ist so ein Einkauf über die Amazon-Online-Plattform auch nicht, allein wegen der Versandkosten. Das Joghurt kostet mich 3 Euro - plus 7 Euro Versand. Und das ist ein ganz normaler Naturjoghurt.

Wie sind Deine Erfahrungen mit dem Rewe-Lieferservice?

Das läuft ganz anders ab: Im Internet habe ich alles bestellt, was ich brauche - und auch alles gefunden. Meine Lieferung hat mir der Rewe-Fahrer an die Haustür gebracht, verpackt in vier braune Papiertüten. Die Sachen waren alle in Ordnung - die Eier waren ganz und die Tomaten nicht zerdrückt. Ab einem Mindestbestellwert von 40 Euro liefern sie die Lebensmittel nach Hause. Weil ich relativ viel bestellt habe, kostete mich das nichts extra. Je nach Lieferzeit und Einkauf können aber Gebühren bis zu 5,90 Euro fällig werden.

Was bei der Rewe-Bestellung nicht so gut geklappt hat: Kurzfristig war kein Liefertermin mehr frei. Ich habe meine Sachen also erst an einem Termin nach dem Wochenende liefern lassen können. Das war mir eigentlich zu spät.

Für Kochboxen mit Rezepten und den passenden Zutaten gibt es mittlerweile mehrere Anbieter. Du hast "Hello Fresh" getestet. Was ist in Deiner Kochkiste alles drin?

Kochboxen bedeuten mehr Müll - überwiegend recycelbar. (Foto: SWR, SWR -)
Kochboxen bedeuten mehr Müll - überwiegend recycelbar. SWR -

Alles, was ich brauche, um eine Mahlzeit, in diesem Fall ein vegetarisches Curry, zu kochen. Alle Zutaten stecken in einer Tüte - und zwar genau abgewogen. Ich habe drei Mahlzeiten über "Hello Fresh" bestellt. In jeder Tüte steckt ein Essen, dazu kommt noch eine Extra-Tüte mit Sachen, die mit einem Kühlpack gekühlt werden. Die passenden Rezepte sind mit dabei. Aus meiner Sicht ist hier eindeutig der Nachteil: viel, viel Plastikmüll, weil alle Zutaten extra verpackt sind.

Was habt Ihr daraus zuhause gekocht?

Kochboxen sparen Zeit beim Einkaufen, dafür bleibt mehr Müll. (Foto: SWR, SWR -)
Kochboxen sparen Zeit beim Einkaufen, Rezepte sind dabei. SWR -

Zuerst einen vegetarischen Burger mit Pilzen und Käse und Kartoffeln als Beilage. Bis auf die Kartoffeln war alles in Top-Qualität. Bei den Kartoffeln musste ich viele schlechte Stellen wegschneiden. Das Kochen nach Rezept hat super funktioniert, und der Burger hat echt gut geschmeckt. Alle sind auch satt geworden. Als nächstes gibt es das Chili und die nächsten Tage noch ein Risotto.

Solche Kochboxen gibt es nicht nur von "Hello Fresh", sondern auch von anderen Unternehmen. Ich finde sie - abgesehen vom Müll, den sie produzieren - praktisch. Vor allem für Leute wie mich, die nicht so kreativ sind beim kochen. Vom Preis her ist die Kochbox, die ich getestet habe, okay: Pro Mahlzeit und Mensch muss man 4,50 Euro rechnen.

Wie war die Obst- und Gemüsekiste vom Bio-Bauern aus der Region?

Gemüsekisten werden wie beim Gemüsehof Hörtz sorgfältig, fast ohne Verpackungsmaterial, zusammengestellt. (Foto: SWR, SWR -)
Gemüsekisten kommen wie beim Gemüsehof Hörtz fast ohne Verpackungsmaterial aus. SWR -

Das Angebot an Bio-Lieferkisten ist riesig: Im Internet findet man überall in Deutschland Unternehmen, die Obst und Gemüse liefern. Weil mir nicht nur Bio wichtig ist, sondern auch regional, habe ich mich für die "Grüne Kiste" von einem Gemüsehof aus der Nähe entschieden. Der Bio-Bauer hat seinen Betrieb nur 15 Kilometer von mir zu Hause entfernt - also gibt es nur kurze Lieferwege. Das Gemüse wird teils unter Folientunneln angebaut und täglich frisch geerntet.

Der Inhalt war superlecker und frisch - und nahezu ohne Verpackung, weil ja alles vorgereinigt lose in die Kiste gelegt wird. Nur kleinteiliges Obst oder Gemüse wird in eine Papiertüte verpackt. Spinat, Lauch und Karotten waren jetzt drin. Was der Betrieb nicht selbst erzeugen kann, Bananen zum Beispiel, kommt vom Bio-Großhandel. Wurzelsellerie oder Sprossen sind von einem anderen Bio-Betrieb in der Region zugekauft. Meine regionale Kiste hat 10 Euro gekostet, plus 2,50 Euro für den Versand. Ich bin schon gespannt auf die nächste Kiste.

Online: Heidi Keller

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