Schädlingsbekämpfung im Garten Bio-Pflanzenschutz verdrängt Chemiekeule

Bedingt durch den Klimawandel haben Schädlinge im Garten Hochkonjunktur. Doch Hobbygärtner müssen umdenken, denn die Auflagen für Pflanzenschutzmittel werden immer strenger.

Milde Winter sorgen dafür, dass mehr Schädlinge überleben und die Zahl ihrer Vermehrungszyklen steigt. Ist der Sommer dagegen verregnet, gibt es mehr Pilze und Schnecken, die den Pflanzen im Garten gleichfalls zusetzen. Zudem schleppen Urlauber und der weltweite Handel immer mehr neue Arten von Ungeziefer in die deutschen Gärten ein. Jüngstes Beispiel: die Kirschessigfliege.

Entwicklung neuer Wirkstoffe so teuer wie bei Pharmaprodukten

Ein Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze übers Feld (Foto: picture alliance / dpa -)
Hauptabnehmer von Pestiziden - die Landwirte picture alliance / dpa -

Das klingt nach goldenen Zeiten für die Hersteller von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln. Doch die Statistik zeigt für die letzten zehn Jahre einen eher stabilen Markt, der eine Steigerung um höchstens zehn Prozent pro Jahr aufweist.

Nach den neuesten Zahlen verkauft die Pflanzenschutzbranche in Deutschland über 100.000 Tonnen an festen, flüssigen und gasförmigen Mitteln. Das Meiste davon geht an die Profis wie Winzer, Landwirte und Obstbauern. Nur etwa sieben Prozent wird an Hobbygärtner verkauft. Biologische Mittel - wie etwa Essigsäure - erfahren dagegen eine entsprechende Nachfragesteigerung. Auch die Nachfrage nach mechanischen Hilfsmitteln wie Flammenwerfer oder Fugenkratzer ist gestiegen.

200 bis 250 Millionen Euro, so schätzt der Industrieverband Agrar, kostet inzwischen die Entwicklung eines neuen Wirkstoffs - fast so viel wie im Pharmabereich. Die Entwicklungszeit dauert im Durchschnitt zwölf Jahre. Das können sich nur noch große Konzerne leisten. Anschließend müssen die Mittel, in denen der neue Wirkstoff enthalten ist, auch noch in jedem Land einzeln zugelassen werden. Die Regeln dafür werden, laut Regina Fischer vom Industrieverband Agrar, immer strenger.

Verbot von chemischen Pflanzenschutzmitteln für Privatgärten?

Pestizid-Hinweis auf Verpackung, nah (Foto: SWR, SWR -)
Äpfel werden im Erwerbsanbau pro Jahr mehr als 20 Mal gespritzt. SWR -

In Frankreich sollen beispielsweise ab 2019 chemische Pflanzenschutzmittel für den privaten Garten ganz verboten werden. Deutschland könnte möglicherweise folgen - auch wenn die Schädlinge wegen des Klimawandels zunehmen.

Strengere Gesetze und ein Wandel im Verbraucherverhalten haben in den vergangenen Jahren bereits dafür gesorgt, dass die Palette an Wirkstoffen für die Schädlingsbekämpfer schrumpft. Viele Produkte, die es noch vor 20 Jahren problemlos zu kaufen gab, sind inzwischen verboten und nicht mehr auf dem Markt. So sind die meisten Unkrautvernichter von den Baumärkten ausgelistet worden.

In den Gärten mehr Natur und Wildnis zulassen

Honigbiene fliegt auf eine Blume zu (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Pestizide setzen auch Bienen zu. Thinkstock -

Für den privaten Verbraucher werden in Bau- und Gartenfachmärkten ohnehin andere Produkte angeboten als für Profis. Die Wirkstoffkonzentration für die privaten Anwender ist deutlich geringer, um das Risiko von nicht sachgemäßer Anwendung zu minimieren. Gleichzeitig will man verhindern, dass Hobbygärtner zu viele Spritzmittel verwenden.

Auf lange Sicht sollten Hobbygärtner wohl mehr Toleranz gegenüber Unkraut, Schnecken, Würmern und Blattläusen aufbringen. Dazu rät auch der Gartenschädlings-Experte Klaus Zewitz von der Universität Hohenheim: "Wir werden ohne chemischen Pflanzenschutz nicht auskommen - aber das wird sich einpendeln. Dennoch sollten wir in den Gärten etwas mehr Natur und Wildheit zulassen. Wir brauchen keinen Golfrasen. Eine schöne, blühende Wiese ist auch nicht schlecht - einfach, um mehr Insekten anzulocken."

Denn auch die Hobbygärtner hätten viel zum Rückgang der Artenvielfalt beigetragen. Durch mehr Wildheit im Garten könnten sie einen Ausgleich schaffen. "Wir sollten mehr Natur zulassen. Es ist schöner."

Von Wolfgang Brauer, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Stefan Heinz

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