SWR-Umfrage zum Pflegenotstand Schlechte Noten für die Pflegepolitik

Eine große Mehrheit der Deutschen stellt der Pflegepolitik in der Bundesrepublik keine gute Note aus. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Infratest-dimap im Auftrag des SWR.

Tablett mit Tabletten-Gläschen vor alten Menschen, die am Tisch sitzen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
In Heimen herrscht oft ein Mangel an qualifizierten Pflegekräften. picture-alliance / dpa -

Für eine bessere Pflege würde eine große Mehrheit der Deutschen sogar höhere Kosten in Kauf nehmen. Laut SWR-Umfrage wären 78 Prozent der Befragten bereit, mehr Geld in die Pflegeversicherung einzuzahlen - wenn dadurch die Pflege spürbar besser würde.

Mangel an Pflegekräften

Zu den zentralen Problemen im deutschen Pflegesystem zählt der Mangel an qualifizierten Pflegekräften in zahlreichen Heimen.

In ihrem Koalitionsvertrag haben Unionsparteien und SPD vereinbart, 8.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege zu schaffen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte kürzlich 13.000 neue Stellen an. Viele Experten halten beide Zahlen für zu niedrig, um die Situation in der Pflege spürbar zu verbessern. Zudem ist unklar, woher kurzfristig qualifizierte Pflegekräfte kommen sollen.

Unzufriedenheit mit Politik

Die Umfrage im Auftrag des SWR zeigt auch eine große Unzufriedenheit mit der Pflegepolitik. So sind 46 Prozent der Befragten der Meinung, die Politik tue wenig, um spürbare Verbesserungen in der Pflege zu erreichen; 37 Prozent finden gar, die Politik tue sehr wenig. Dass die Politik viel oder sehr viel tue, meinten nur 13, beziehungsweise ein Prozent.

Der Pflegeexperte und SWR-Journalist Gottlob Schober fordert, dass das Thema Pflege "zur Schicksalsfrage der Nation" werden müsse. "Tag für Tag wird die Würde alter Menschen in vielen Pflegeheimen verletzt. Oftmals bekommen sie nicht ausreichend zu essen und zu trinken, oftmals liegen sie stundenlang in ihren Ausscheidungen."

Mehr Geld nötig

Auch angesichts der demografischen Entwicklung mit immer mehr pflegebedürftigen Menschen brauche die Pflege mehr Geld. Allerdings, so Schober, müsse zugleich auch innerhalb des Pflegesystems umgedacht werden: "Wir werden mehr auf Prävention und Rehabilitation gehen müssen, um Pflegebedürftigkeit zeitlich nach hinten zu verschieben. Das wird das ganze System finanziell entlasten, und auch die Personalsituation."

Derzeit zahlen gesetzlich Versicherte 2,55 Prozent vom monatlichen Bruttolohn in die Pflegeversicherung ein, für Kinderlose gilt ein erhöhter Beitragssatz von 2,8 Prozent.

Programmhinweis: Am Montag, 11. Juni 2018, um 20:15 Uhr zeigt das Erste die SWR-Produktion "Pflege: Hilft denn keiner?"

Von Thomas Schneider | Online: Sola Hülsewig

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