Ressourcen-Knappheit Fünf Erden für die USA, drei für Deutschland

Erst ein knappes Drittel des Jahres ist vorbei. Rein rechnerisch haben wir Deutschen schon jetzt unser Budget an Ressourcen aufgebraucht. Den Rest des Jahres leben wir auf Pump.

Eine einzelne Rapspflanze wächst am 12.04.2017 auf einem Feld bei Friedrichsdorf (Hessen) auf dem aufgerissenen Boden. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Umweltschützer haben berechnet, dass Deutschland seine Ressourcen bereits aufgebraucht hat picture-alliance / dpa -

Mit der Erde ist es ein bisschen wie mit einem Bankkonto: Wird mehr Geld abgehoben, als eingezahlt, dann rutscht es irgendwann ins Minus. Auf die Erde übertragen heißt das: Werden die natürlichen Ressourcen schneller verbraucht, als sie wieder nachwachsen können, rutscht auch die Erde ins Defizit.

"Umwelt-Konto" immer früher im Minus

In Deutschland passiert das in diesem Jahr am 24. April, dem deutschen Weltüberlastungstag. Jeder Baum, der ab diesem Tag gefällt wird, jeder Fisch, der ab da gefangen wird, und alles CO2, das ausgestoßen wird, ist nicht mehr von den natürlichen Ressourcen gedeckt. Ab Ende April leben wir damit auf Pump. Und das in diesem Jahr bereits fünf Tage früher als noch im Vorjahr.

Das sagen zumindest die Experten vom "Global Footprint Network", einer Organisation, die versucht den menschlichen Ressourcenverbrauch genau zu beziffern.

Ein Grund: Hoher Flächenverbrauch der Landwirtschaft

Die Gründe für das Abrutschen Deutschlands ins ökologische Minus liefert "Global Footprint Network" gleich mit dazu: Es ist vor allem die Landwirtschaft, die viel zu viel Fläche verbraucht, um immer mehr Futtermittel für die immer höhere Fleischproduktion anzubauen. Dazu trübten die hohen CO2-Emmissionen aus Verkehr und Energiegewinnung die deutsche Ressourcen-Bilanz.

Wobei eine genaue Festlegung der so genannten "Erdüberlastung" oder auch Ressourcen-Überschreitung auf einen ganz bestimmten Tag eine gewagte Aussage ist - und damit ein ziemlich theoretisches Konstrukt. Aber es ist eine plakative Methode auf ein unbestreitbares Problem hinzuweisen: den hohen Verbrauch von Energie, Umwelt und Rohstoffen, besonders durch die Industrienationen.

Kaum noch Länder, die aufs Ressourcenkonto einzahlen

Würden alle Menschen weltweit so sehr auf Kosten der Natur leben wie wir Deutsche, dann bräuchten wir von der Erde mehr als drei Stück. Das ist zwar immer noch eine bessere Bilanz als sie die USA haben, die für ihren Lebensstil eigentlich fünf Erden bräuchten, aber eben viel mehr, als die eine Erde verkraften kann.

Es gibt kaum noch Länder, die auf das Ressourcenkonto der Erde noch etwas einzahlen, stattdessen heben alle immer mehr ab. Deswegen droht der nächste Überlastungstag auch schon in vier Monaten, der Weltüberlastungstag im August. Das ist dann der Tag, ab dem nicht nur die Deutschen, sondern die ganze Welt auf Pump lebt.


Dominik Bartoschek, SWR-Umweltredaktion / Online: Lutz Heyser

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