Regionalflughäfen in Baden-Württemberg Kaum schwarze Zahlen für kleine Airports

Lahr, Rheinmünster, Mannheim - drei Städte mit einer Gemeinsamkeit: Von hier aus geht es per Flugzeug in die weite Welt. Warum sich Regionalflughäfen meistens nicht rechnen.

Auf einer Anzeigetafel im Flughafen in Stuttgart (Baden-Württemberg) steht am 09.09.2015 "Annulliert-Cancelled". (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Regionalflughäfen sind meistens Zuschussprojekte picture-alliance / dpa -

Nicht nur der Bodensee Airport in Friedrichshafen kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten. Auch die anderen Regionalflughäfen im Land, der Baden Airpark und der City Airport in Mannheim, schreiben momentan keine schwarzen Zahlen.

Gespräch mit Geli Hensolt, SWR Wirtschaft und Soziales

Woran liegt es, dass die kleinen Flughäfen in Baden-Württemberg schwächeln?

Es ist generell schwer, einen kleinen Flughafen wirtschaftlich zu betreiben. Die Fixkosten eines Flughafens sind hoch. Das rechnet sich nur, wenn möglichst viele Flüge abgewickelt werden - und genau das ist bei den Regionalflughäfen nicht möglich.

Die großen Flughäfen verdienen außerdem nicht nur an den Flügen, sondern auch am Drumherum - also an den Geschäften auf dem Gelände und an den Parkgebühren zum Beispiel. Weil die kleinen Flughäfen weniger Passagiere haben, machen sie selbstverständlich auch in diesem Bereich weniger Gewinn als die Großen.

Wie sieht denn die finanzielle Situation der Regionalflughäfen im Land momentan aus?

Ganz unterschiedlich: Am Baden Airpark hält der Flughafen Stuttgart aktuell die Mehrheit. Der Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart, Walter Schoefer, sieht den Baden Airpark auf einem guten Weg - auch wenn er aktuell noch Verluste macht: "Trotzdem glauben wir, dass der Baden Airpark eine gute Entwicklung vor sich hat. Das liegt zum einen am Gewerbepark. Als wir ihn übernommen hatten, waren das 600, 700 Arbeitsplätze. Heute sind das über 2.500 Menschen, die dort regelmäßig arbeiten. Und das zweite ist auch fliegerisch, dass der Baden Airpark einen stabilen Flugplan hat und ein stabiles Flugnetz und Perspektiven."

Für 2017 rechnet der Flughafen in Rheinmünster mit 1,2 Millionen Fluggästen. Der größte Teil der Kunden fliegt mit der irischen Billigfluglinie Ryanair. Die will nächstes Jahr 850.000 Passagiere vom Baden Airpark aus befördern.

Genau an solchen Zugpferden wie Ryanair fehlt es dem Bodensee Airport Friedrichshafen momentan. Schon vor Jahren hat Ryanair aber den Standort Friedrichshafen aufgegeben. Stattdessen fliegt das Unternehmen vom etwa 100 Kilometer entfernten Allgäu Airport Memmingen aus. Der bayerische Regionalflughafen an der schwäbisch-bayerischen Grenze rechnet für 2017 erstmals mit einer schwarzen Null. Ryanair hat das Angebot dort stark ausgebaut: Mittlerweile kommt man mit der Fluglinie von Memmingen aus zu über 30 Zielen.

Der kleinste Regionalflughafen bei uns im Land ist der City Airport Mannheim. Jährlich hat er 35.000 Passagiere - und ob dieser Flughafen jemals schwarze Zahlen schreiben wird, ist sehr ungewiss.

Wer gleicht die roten Zahlen am Ende wieder aus?

In Mannheim ist das die Beteiligungsgesellschaft der Stadt, die die Verluste übernehmen muss. Beim verschuldeten Flughafen in Friedrichshafen haben die Gesellschafter jetzt ein neues Darlehen in Aussicht gestellt. Gesellschafter sind hier unter anderem die Stadt, das Land und der Kreis. Das heißt, wenn ein Regionalflughafen Verluste macht, dann muss immer wieder der Steuerzahler dafür gerade stehen.

Das ist nicht nur in Baden-Württemberg so, sondern überall in Deutschland. Die etwa 20 Regionalflughäfen werden seit Jahrzehnten mit hunderten Millionen Euro Steuergeldern am Leben erhalten.

Was haben Reisende von diesen kleinen Flughäfen?

Vom Baden Airpark kommen wir mit Ryanair zum Beispiel nonstop nach Mallorca, nach Tel Aviv oder nach London. Ein Mal pro Woche geht auch eine Maschine von Fly Egypt nach Ägypten. Außerdem gibt es Flüge nach Gran Canaria, Teneriffa oder Moskau. Vom Baden Airpark starten neben Ryanair auch die Lufthansa-Tochter Eurowings, Tui und Turkish Airlines.

Auch vom Flughafen Memmingen aus kommt man in zahlreiche europäische Städte, aber auch günstig nach Marokko oder Gran Canaria. Und von Mannheim aus starten täglich zwei Maschinen nach Berlin. Außerdem gibt es Flüge nach Sylt und Hamburg.

Vor allem für Geschäftsreisende dürften solche Verbindungen interessant sein. Das ist auch ein Argument, die Regionalflughäfen zu erhalten, auch wenn sie sich wirtschaftlich nicht lohnen: Für viele Städte sind die kleinen Flughäfen ein wichtiger Standortfaktor. Regionen mit eigenem Flughafen sind attraktiv für Unternehmen.

Online: Heidi Keller

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