Rabattschlacht "Black Friday" Einzelhändler machen zähneknirschend mit

2,4 Milliarden Euro wollen Onlinehändler in Deutschland rund um den "Black Friday" umsetzen. Läden in den Innenstädten profitieren kaum von den Aktionen - mitmachen müssen sie trotzdem.

Die Plakate an den Schaufensterscheiben in der Mainzer Malakoff-Passage sprechen eine klare Sprache: "Alles reduziert!" ist zur Zeit bei den "Hifi Profis", einer kleinen Kette für Unterhaltungselektronik. Weniger enthusiastisch als die Werbeschilder wirkt Filialleiter Jens Stötzel, wenn er von den Aktionen erzählt:

Ein Icon für Online Shopping auf einer Tastatur (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Mit dem "Black Friday" haben in Europa die Onlineversandhändler angefangen. Foto: Colourbox.de -

"Wir müssen uns beteiligen an dem ganzen Black Friday, Cyber Week-Gemache - so nenne ich das jetzt mal. Vor drei, vier Jahren war das noch weniger ein Thema, aber man merkte von Jahr zu Jahr, dass die Kunden eben gezielt auf dieses Datum warten und hoffen, dabei besondere Schnäppchen zu machen."

Geschäfte profitieren kaum

Rabattangebote, von denen die Kunden oft profitieren. Die Händler schneiden sich damit aber oft ins eigene Fleisch. Denn volle Geschäfte rund um den Black Friday bedeuten oft leere Läden im Advent.

In einer Saturnfiliale haben sich viele Kunden versammelt (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Locken rund um den Black Friday viele Kunden in die Läden: Elektronikhändler und Modegeschäfte picture-alliance / dpa -

Das mussten im letzten Jahr selbst die Elektronikriesen Media Markt und Saturn spüren. Deren gemeinsamer Mutterkonzern Ceconomy meldete zwar Rekordumsätze am Black Friday - aber sinkende Gewinne im Weihnachtsgeschäft.

Auch bei den "Hifi-Profis" in Mainz hat sich das Weihnachtsgeschäft in den vergangenen Jahren verändert. An den Adventswochenenden ist es deutlich ruhiger als noch vor ein paar Jahren, sagt Filialleiter Jens Stötzel. Besonders am zweiten Adventssamstag habe er in den vergangenen Jahren das Gefühl, es wäre Mitte August. So wenige Kunden verirren sich in den Laden.

Novemberrabatte auf Kosten des Weihnachtsgeschäfts

"Alles reduziert!" steht auf einem Werbeplakat der "HIFI-Profis" in der Malakoff-Passage in Mainz (Foto: SWR, SWR -)
Werbeplakat für eine "Black Friday"-Rabattaktion in der Mainzer Malakoffpassage SWR -

In der laufenden Black Friday-Woche sei dagegen sehr viel los. Besonders stark nachgefragt ist ein Kopfhörer, der statt 379 Euro diese Woche nur 260 Euro kostet:

"Wir können als Fachhandel während der Black Friday-Woche auf keinen Fall die Füße stillhalten. Auch wenn diese Aktionen natürlich ursprünglich im Internet in den USA gestartet sind und dann erst nach und nach nach Deutschland und zu den stationären Händlern herübergeschwappt sind."

Das Netz macht Druck

Der Online Handel gibt den Takt vor, die stationären Händler müssen danach tanzen. Das beobachtet auch Marketing-Professor Torsten Weber von der European Management School in Mainz:

Torsten Weber, Professor für nachhaltiges Management und Marketing an der EMS Mainz (Foto: Torsten Weber -)
Torsten Weber, Professor für nachhaltiges Management und Marketing an der EMS Mainz Torsten Weber -

"Ich denke, dass kleinere Händler tatsächlich eher zähneknirschend bei diesen Aktionen mitmachen. Weil sie im Gegensatz zu amerikanischen Internetgiganten nicht über eine effiziente Kostenstruktur verfügen, dass sich die Rabatte wirklich lohnen."

Und es gibt ein weiteres Problem: Durch die ständigen Rabattschlachten hat der Handel die Kunden mittlerweile regelrecht umerzogen. Früher gab es Preisnachlässe nur in eng umgrenzten Zeiträumen.

Kunden werden zur Schnäppchenjagd erzogen

Durch Aktionen wie den Black Friday erwarten die Kunden mittlerweile zu jeder Zeit riesige Rabatte. Das merken auch Einzelhändler, berichtet Torsten Weber: "Der Druck bei den kleineren Händlern ist sehr groß, bei solchen Rabattaktionen mit den Großen zu konkurrieren. Das sorgt natürlich für Frust.“

Die Mainzerin Daniela Diehl betreibt ein Modegeschäft (Foto: Daniela Diehl -)
Daniela Diehl hat in Mainz ein Modegeschäft - beim Black Friday macht sie nicht mit Daniela Diehl -

Ein Kostendruck, der das Geschäftsmodell der kleinen Händler mittelfristig in Frage stellt. Daniela Diehl entzieht sich dieser Preisspirale nach unten. Seit zehn Jahren betreibt sie ein Modegeschäft am Mainzer Leichhof. Beim Black Friday ist sie nicht dabei:

"Weil ich das einfach für mein Gewissen nicht unterstützen kann. Ich finde das ungerecht. Und ganz ehrlich: Ich krieg auch keinen Black Friday auf meine Miete. Und meine Mitarbeiter kriegen auch keinen Black Friday auf ihr Gehalt. Wer immer so denkt, braucht sich nicht wundern, wenn es bald immer weniger Händler in der Stadt gibt."

Wege aus der "Geiz ist geil!"-Mentalität

Auch für den Marketing-Experten Torsten Weber ist es jetzt an der Zeit, umzudenken. Die Verbraucher hätten es in der Hand, das System zu ändern. Durch ihre Entscheidung, ob sie online oder offline, immer nur günstig oder auch zu fairen Preisen einkaufen:

"Ich denke, es wir sollten uns dieser "Geiz ist Geil"-Mentalität entgegenstellen und die lokalen Händler zu unterstützen. Wenigstens in der Vorweihnachtszeit."

Von Michael Herr, Aktuelle Wirtschaft

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