Projekt verspricht Nachhaltigkeit Getötete Tiere sollen komplett verwertet werden

Wenn Jäger im Wald Tiere erlegen, kommen die Kadaver meist in eine Tierkörperbeseitigungsanstalt. Seit etwa einem Jahr gibt es hierzu aber eine Alternative. In Rastatt will ein Projekt Füchse, Dachse und Waschbären besser verwerten.

Bei den Temperaturen gerade landet bei vielen die ganz dicke Winterjacke erst mal wieder im Schrank. Und oft ist an diesen Jacken Pelz. Das war lange Zeit nicht besonders angesagt, in den letzten Jahren haben aber wieder immer mehr Jacken einen echten Pelzrand an der Kapuze. Woher diese Pelze kommen ist oft völlig unklar. Bilder von kranken, abgemagerten Tieren auf Pelzfarmen haben viele von uns schon gesehen.

Los Angeles hat dem Pelz vor ein paar Tagen offiziell den Kampf angesagt. Neue Pelze dürfen ab 2021 dort nicht mehr verkauft werden. Ein etwas anderes Konzept gibts in Rastatt. Dort haben die Jagdverbände vor gut zwei Jahren die "Fellwechsel GmbH" gegründet. Ein Pilotprojekt, bei dem Jäger erlegte Tiere abgeben können. Deren Felle werden dann verarbeitet und weiterverkauft.

Felle werden von der Modeindustrie aufgekauft

Mit druckluftbetriebenen Maschinen werden die Tierkörper von Füchsen, Dachsen und Waschbären auf Tische gespannt, dann wird ihnen im wörtlichen Sinne das Fell über die Ohren gezogen. Der gelernte Kaufmann Frederik Daniels ist Chef des noch jungen Start-up-Unternehmens. Obwohl er kein gelernter Kürschner ist, braucht er pro Tier nur wenige Minuten.

Die Tierkadaver holen Daniels und seine beiden Kollegen bei den bundesweit rund 700 Sammelstellen ab, 100.000 Kilometer haben die drei jeweils im vergangenen Jahr abgespult. Die eingesammelten Tiere werden tiefgefroren nach Rastatt transportiert, dort werden die Felle von Fuchs, Waschbär, Iltis, Nutria und Bisam für die Weiterverarbeitung in der Modeindustrie aufbereitet. Ein gegerbtes Fell kostet zwischen 30 und 90 Euro.

Tierschützer kritisieren: Pelze würden wieder salonfähig gemacht

Im vergangenen Jahr haben Daniels und seine Kollegen rund 7.000 Felle verarbeitet - die Hälfte davon ist bereits verkauft. In diesem Jahr wird wohl die 10.000er Marke geknackt - Tendenz steigend. Fellwechsel-Geschäftsführer Frederik Daniels ist zufrieden, auch wenn bei der Vermarktung aus seiner Sicht noch Luft nach oben ist.

Für Tierschützer wie Stefan Hitzler vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg keine erstrebenswerte Perspektive. Er sieht das Pilotprojekt kritisch: Tierschützer versuchten schon lange, das Tragen von Pelzen aus ethischen Gründen zu verhindern. Das Projekt mache die Jagd wieder lukrativ. Frederik Daniels von Fellwechsel sieht das anders. Die Tiere, die er verarbeitet, würden ohnehin gejagt und da sei es doch ökologisch und ethisch sinnvoll, die Felle nicht zu vernichten.

Jäger erhalten pro Tier acht Euro

Das Argument, wonach das Projekt Fellwechsel die Jagd ankurbele, lässt Frederik Daniels ebenfalls nicht gelten. Schließlich erhalte ein Jäger für jedes erlegte Tier gerade mal acht Euro. Ein finanzieller Anreiz für die Jägerschaft sei das nicht. In wenigen Tagen endet zwar die Fuchsjagd, die Diskussion über Pelze aus heimischer Jagd aber wird weitergehen.

Online: Jutta Kaiser

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