Pro und Contra Soll ich fasten oder nicht?

Die traditionelle Fastenzeit hat begonnen, viele verzichten auf Süßigkeiten oder Alkohol. Zwei SWR-Umweltredakteure diskutieren über die Vor- und Nachteile des Verzichts.

Pro: In der Fastenzeit merke ich, wie häufig ich Süßigkeiten esse

Susanne Henn (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)
Susanne Henn, SWR-Umweltredakteurin SWR - Alexander Kluge

Ich finde Fasten gut. Nicht um abzunehmen oder weil ich mir davon einen Wohlfühl-Schub verspreche. Das funktioniert manchmal zwar auch, aber ich meine Fasten im Sinne von Verzichten. Das kann Alkohol sein oder Chips oder - in meinem Fall besonders schwierig - Süßigkeiten.

Eigentlich behaupte ich ja, dass ich gar nicht so viele esse. Aber jedes Jahr in der Fastenzeit merke ich, dass das nicht stimmt. Mit welcher Selbstverständlichkeit ich zigmal am Tag ein Stück von der Schokoladentafel abbreche oder in die Kekspackung greife oder in die Gummibärchentüte. Fast ohne es zu merken. Und - das ist noch schlimmer - oft ohne wirklichen Genuss.

Darauf mal ganz zu verzichten, ist in den ersten Tagen so etwas wie die Vorhölle für mich. Dann wird es immer besser. Und mit jedem Tag steigt auch die Vorfreude auf das erste Schokoladen-Ei am Ostersonntag.

Zelebriert, voller Genuss - ganz großer Sport. Ein Vergnügen, das ich ohne Fasten nie erleben würde.

Contra: Fasten funktioniert nicht als Diät oder Abnehmkur

Der zeitweise Verzicht auf bestimmte Dinge, der kann vielleicht zur Selbstreflexion und Persönlichkeitsbildung beitragen. Aber, so wie das Viele heute verstehen - nämlich als Abnehmkur - ist Fasten zwar wirkungsvoll, aber keine gute Diät.

Das englische Wort "diet" wird gerne mit Diät übersetzt, heißt aber eigentlich "Ernährungsweise" - also nachhaltige Ernährung. Und genau das ist Fasten nicht: Wer es nachhaltig betreibt, der stirbt unweigerlich. Außerdem entgiftet oder entschlackt der Null-Input nicht.

Unser Organismus entgiftet sich super im Alltagsgeschäft via Leber, Niere und Atemsystem. Beim Hungern gibt es eher eine Giftdosis extra: Der Fettabbau kann die Werte zum Beispiel von chlororganischen Verbindungen im Blut erhöhen.

Ich habe Freunde, die ziehen das mit dem Fasten jedes Jahr durch, sind ein paar Wochen schlank und den Rest des Jahres gehen sie wieder auf wie Hefeteig.

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