Pro und Contra Hardware-Nachrüstung bei Dieselfahrzeugen Alte Diesel mit Katalysatoren nachzurüsten ist umstritten

Autohersteller sind strikt gegen eine Hardware-Nachrüstung von älteren Dieselautos und favorisieren Software-Updates. Die alleine würden nicht ausreichen, um die Luft in den Städten sauberer zu bekommen, meinen Fachleute.

Abgase aus einem Autoauspuff (Foto: picture-alliance / ZB  -)
Die Diskussion reißt nicht ab bei Befürwortern und Gegnern von Hardware-Nachrüstungen picture-alliance / ZB -

Drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Stuttgart oder Frankfurt verunsichern viele Autobesitzer. Der nachträgliche Einbau von Harnstoff-Katalysatoren könnte eine Lösung für manche der betroffenen Automodelle sein. Ob sich eine solche Umrüstung lohnt oder eine Verschrottung doch die bessere Alternative ist - darüber gehen die Meinungen auseinander:

Pro Hardware-Nachrüstung: Werner Eckert, Umweltredaktion

SWR Verkehrsexperte Werner Eckert (Foto: SWR, SWR -)
Werner Eckert, SWR Umweltredaktion SWR -

Wenn das nur immer so wäre: wir haben da ein Problem – aber wir haben auch eine Lösung! Geht’s noch besser? Und da reden wir seit mehr als einem Jahr drum rum. Nachrüsten, ja aber sicher!

Wir reden über drei Viertel aller Dieselautos. Wer will denn die jetzt alle in die Schrottpresse schieben? Haben wir‘s so dick? Das können und wollen die Menschen nicht. Umweltprämien gibt es ja schon – teilweise geben die Hersteller fünfstellige Summen Rabatt – aber die Nachfrage bleibt schwach. Und das ist auch richtig so, denn die Brachial-Verschrottung, die der Verkehrsminister will, ist volkswirtschaftlicher Unsinn. Und ökologisch ein Desaster: da können wir noch jahrelang den Dreck in den Innenstädten atmen. Dafür wäre Zeit gewesen – seit 2010 gelten die Grenzwerte. Nur hat das niemanden interessiert. Jetzt ist es für abwarten zu spät.  

Nur der Einbau von Harnstoff-Systemen kann da helfen. Der Umwelt und den Besitzern der Autos. Das geht – ist mehrfach bewiesen worden. Es hängt doch nur am Geld: wer muss dafür zahlen. Eigentlich – meine ich – die Hersteller. Aber ich weiß auch: die haben juristisch gute Karten, weil der Staat ihre Tricksereien zu lange hat durchgehen lassen. Also brauchen wir da einen Kompromiss. Solche Systeme müssen schnell verfügbar gemacht werden und was die Kosten betrifft: Hersteller, Staat und wir, die Autobesitzer werden uns das teilen müssen.  Bitter, aber immer noch besser, als ein wertloses Auto zu haben.

Contra Hardware-Nachrüstung, Geli Hensolt, Wirtschaftsredaktion

Angelika Hensolt (Foto: SWR, SWR -)
Geli Hensolt, SWR Wirtschaftsredaktion SWR -

Die Hardware-Lösung kommt und alles wird gut! Aus dreckigen Dieseln werden – Zauberei, Zauberei, saubere. Luftverschmutzung, Abgasbelastung – alles ist dank neuer Technologie dann Schnee von gestern. Darauf hoffen zurzeit nicht nur Millionen Dieselbesitzer, sondern offenbar auch etliche Politikerinnen und Politiker. Doch aus dem Traum von der schnellen Lösung wird nichts: Bis alle Diesel nachgerüstet worden sind, dauert es, Jahre vielleicht. Wenn die Politik die Autoindustrie zum Nachrüsten verdonnert, werden die Autobosse vermutlich nicht juhu schreien und sich an die Arbeit machen. Eher werden sie sich vor Gericht dagegen wehren. Das kostet Zeit. Zudem brauchen die nachgerüsteten Fahrzeuge neue Papiere und müssen deshalb neu getestet und zertifiziert werden. Geht auch nicht von heute auf morgen. Teuer wird es auch: 3.000 Euro pro Fahrzeug oder mehr soll die Nachrüstung kosten. Die können auf keinen Fall den armen Dieselfahrern aufgebürdet werden. Doch ob die Autoindustrie die Kosten übernimmt, ist fraglich. Die Hardware als Zaubermittel, mit dessen Hilfe sich alle Probleme in Luft auflösen? Und dank der wir einfach so weitermachen wie bisher und mit unseren schönen, upgedateten Dieseln und gutem Gewissen rumfahren können. Vergessen Sie’s! Klar: Die Autoindustrie muss Verantwortung übernehmen, alle Kraft in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien stecken. Und es ist Aufgabe der Politik, ihr dabei ganz genau auf die Finger zu schauen. Aber: Die Diskussion um die Hardware-Nachrüstung lenkt ab, um was es wirklich geht: Wir müssen kleinere Autos fahren und wir müssen weniger Auto fahren.

Online: SWR Wirtschaftsredaktion

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