Plastikrückstände in Fleur de Sel Wie Mikroplastik in unser Essen kommt

Mikroplastik in Lebensmitteln sorgt immer wieder für Schlagzeilen: in Fisch, Honig, Bier oder Zucker - jetzt auch in Salz. Was man bislang weiß - aber vor allem, nicht weiß.

Finger mit Mikroplastikpartikeln (Foto: Stephan Glinka/BUND -)
Nicht nur über Lebensmittel wie Salz und Zucker kann Mikroplastik in unseren Körper gelangen. Stephan Glinka/BUND -

Im Edel-Salz "Fleur de Sel" steckt nach Recherchen des NDR-Verbrauchermagazins "Markt" häufig Mikroplastik. In einer Stichprobe wurden fünf der meistverkauften Sorten aus Supermärkten und Feinkostläden im Labor auf Rückstände von Kunststoffen untersucht. In allen Proben lag der Gehalt an Mikroplastik demnach zwischen 130 und 1.800 Mikrogramm. In einem Fall war eine Kunststoff-Faser sogar mit bloßem Auge erkennbar.

Fragen an Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung

Wie kommt Mikroplastik in diese edlen Salze?

Mikroplastik bezeichnet Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind (Foto: SWR, SWR -)
Mikroplastikteilchen sind kleiner als 5mm. SWR -

Bei diesem teuren Meersalz schöpft man die Salzkristalle von der Wasseroberfläche ab. Wir haben das Problem: Plastik im Meer baut sich biologisch nicht ab - aber es zerreibt sich in immer kleinere Partikel. Mit Mikroplastik bezeichnet man Teilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Bei dieser Art der Salzgewinnung, also für Fleur de Sel, bleiben auch solche kleinen Plastikpartikel in den Salzkristallen drin.

Bedeuten die in Fleur de Sel festgestellten Mengen eine Gesundheitsgefahr?

In den kleinen Mengen, wie es jetzt im Salz nachgewiesen wurde, nein. Was man in der Vergangenheit an Mikroplastik bei Fischen gefunden hat, befand sich vor allem im Magen-Darm-Trakt - den essen wir ja nicht mit.

ein Fisch liegt in einer Porzellanschale (Foto: SWR, SWR - Christian Friedl)
Auch Fische aus dem Rhein sind mit Mikroplastik kontaminiert. SWR - Christian Friedl

Zuletzt haben Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts kleinste Plastikpartikel vor allem bei Makrelen entdeckt, die mehr in den oberen Wasserschichten nach Futter suchen - weniger in Flunder oder Hering, die am Meeresboden leben. Bei Muscheln aber hat man zum Beispiel Partikel auch im Gewebe gefunden, die dort Entzündungen hervorgerufen haben.

Beim Menschen geht man derzeit davon aus, dass Mikroplastik ganz normal über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden wird. Außer, es ist Nanoplastik - wenn also die Partikel noch winziger sind, unter einem Mikrometer. Da muss man fürchten, dass die Teilchen die Schleimhäute durchdringen und in die Blutbahnen gelangen.

Auch zu den möglichen Schadstoffen, die sich an solchen Kleinstteilchen anlagern und mitgeliefert werden, weiß man noch viel zu wenig, was die im menschlichen Körper bewirken können.

Wie groß ist das Problem der Verunreinigung von Lebensmitteln mit Mikroplastik?

Mikroplastik wurde auch in anderen Lebensmitteln bereits nachgewiesen: Honig, Zucker, Bier und Mineralwasser beispielsweise. Diese kleinen Partikel landen über die Meerestiere auf unserem Teller.

Rund ein halber Teelöffel Plastikteilchen bleiben beim Peeling zurück (Foto: SWR, SWR -)
Plastikrückstände aus einem Peeling SWR -

Ins Meer gelangen sie über unser normales Wasser: Die kleinen Plastikpartikel werden zum Beispiel aus Fleece-Kleidung ausgewaschen oder mit Kosmetika - Peelings zum Beispiel - abgewaschen. Von den Kläranlagen werden sie aber nicht komplett herausgefiltert. Da geht noch ein Teil über das Abwasser weiter.

Außerdem haben wir Partikel in unserer Umgebungsluft - was sich von Kleidung abreibt oder von Reifen beim Bremsen. Das sind alles mögliche Wege für Mikroplastik, um in unsere Lebensmittel zu gelangen.

Der Gesetzgeber hat trotzdem noch keine Grenzwerte festgelegt. Auch rechtliche Regelungen auf nationaler oder EU-Ebene gibt es nicht. Wie kann das sein?

Assistentin Julia Kleinteich schaut sich Mikroplastik durchs Mikroskop an. (Foto: SWR/Ulrike Mix -)
Unter dem Mikroskop werden die Plastikteilchen sichtbar. SWR/Ulrike Mix -

Plastik als Umweltproblem ist noch relativ neu. Deshalb ist die Forschung darüber auch noch nicht sehr weit. Es gibt keine einheitliche Methode, wie die Partikel gemessen werden. Die wird gerade erst erarbeitet. Es gibt wenig Untersuchungen, wie die Partikel in Tier und Mensch wirken.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sagt, auf der bisherigen Datenbasis ist keine Risikobewertung möglich. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sagt, eine verlässliche Risikobewertung erfordert mehr Daten. Deshalb kann man auch nicht sagen, ab dem und dem Grenzwert wird es gesundheitlich problematisch. Keine Grenzwerte und keine rechtliche Regelung - das heißt aber eben nicht: Mikroplastik in Lebensmitteln ist kein Problem.

Online: Inga Vennemann

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