Philosophie auf Papier Die Postkartenschreiberin

Was für andere bestenfalls eine Urlaubsbeschäftigung ist, hat Sabine Rieker zu ihrem Beruf gemacht: Die 31-Jährige schreibt Postkarten – auf Bestellung.

Sabine Rieker (Foto: © Sabine Rieker -)
Sabine Rieker schreibt mit viel Herz und im Auftrag Postkarten. © Sabine Rieker -

Sabine Riekers Büro ist ein kleines, gemütliches Café in Stuttgart – hier sitzt sie täglich an einem der Tische, trinkt Kaffee und schreibt Postkarten. Seit über drei Jahren macht die 31-Jährige das beruflich:

Ich wusste schon immer, dass Schreiben mein Ding ist. Es macht mich glücklich, obwohl ich es mir zunächst nicht zugetraut habe. Die Idee entstand dadurch, dass Menschen mir Geld dafür geben wollten, dass ich ihnen Postkarten schreibe.

Einen Kugelschreiber und Karten – mehr braucht die Postkartenschreiberin nicht. Mit ihrer schönen, verschnörkelten Handschrift füllt sie Karten, die dann bei ihren "Kunden" im Briefkasten landen.

Da ist alles dabei - bis hin zu einer Omi, die mich auf Facebook anschreibt.

Die Karten, sagt sie, kommen zu ihr: Oft sind es die Gratispostkarten, die in den Kneipen ausliegen, manchmal schicken ihr Freunde oder auch Künstler welche. Darauf schreibt sie nicht die üblichen Dreizeiler, "Wetter gut, Essen lecker, Hotel schön", sondern füllt sie mit kleinen, teils poetischen Gedanken wie "Danke fürs Sein, ganz allgemein". Auf einer anderen Karte steht beispielsweise "für mich bist du ein Alltagsheld".

Postkarte (Foto: © Sabine Rieker -)
Die Postkarten von Sabine Rieker sind in der Regel detailreich und randvoll beschrieben. © Sabine Rieker -

Postkartenschreiben als Vollzeitjob?

Mittlerweile kann Sabine Rieker von ihrer Arbeit leben, sagt sie. Aber, diese Info schiebt sie gleich hinterher, sie brauche auch nicht viel. Vor drei Jahren krempelte sie ihr Leben rigoros um, kündigte ihre Stelle bei der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, für die sie Tagungen organisierte. Sie beschloss, endlich das zu machen, was sie wirklich will:

Wenn man das tut, was einem Freude bereitet, das ist so eine Nahrung von innen. Das strahlt man einfach wieder aus.

Tatsächlich: Die zierliche, blonde Frau mit dem breiten Lächeln wirkt entspannt und scheint mit sich selbst im Reinen. Sie ist raus aus dem beruflichen Hamsterrad - eine Entscheidung, die sie nicht bereut:

Es gibt immer mal wieder berührende Momente. Wenn ich die Karten direkt überreiche und Menschen mir sagen, ich habe noch nie eine Postkarte bekommen.

Mehrere tausend Postkarten hat sie mittlerweile geschrieben, inzwischen gibt es sogar ein Abo für Kunden, die regelmäßig einen Gruß im Briefkasten haben wollen. Die Postkarte hat Zukunft – trotz E-Mail, SMS und WhatsApp, sagt sie.

Von Geli Hensolt, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: SWR-Wirtschaftsredaktion

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