PSA und Opel-Betriebsrat einigen sich Das bringt das Sanierungspaket für Mitarbeiter

Wer beim Autohersteller Opel arbeitet, braucht Leidensfähigkeit und starke Nerven. Seit Jahren zittern die Mitarbeiter um Jobs und Werke. Das Sanierungspaket könnte die Hängepartie beenden.

Seit rund 20 Jahren hangelt sich Opel von Krise zu Krise während es deutschen Konkurrenten wie Volkswagen, BMW und Mercedes von Jahr zu Jahr besser geht. Mit dem jetzt vereinbarten Sanierungsplan wollen das französische Management um Carlos Tavares und der Opel-Betriebsrat endlich die Wende zum Besseren schaffen.

Für die Beschäftigten von Opel heißt das: Sie genießen zwar Kündigungsschutz bis 2023, zugleich aber sollen in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach 3.700 Stellen abgebaut werden, indem Beschäftigte in Altersteilzeit oder Vorruhestand gedrängt werden oder mit einer Abfindung freiwillig gehen. Im Gegenzug hat das PSA-Management Investitionen in neue Opel-Modelle und den Erhalt der Werke zugesagt.

Fragen an Andreas Reinhardt, SWR Wirtschaft und Soziales

Wie sieht die Zukunft des Werke Kaiserslautern und Rüsselsheim aus?

Für die nächsten fünf Jahre gut. Es gibt jetzt einen Kündigungsschutz. Das heißt, es muss keiner gehen, der nicht will. Was noch viel wichtiger ist, es gibt eine Investitionszusage. PSA steckt in die Werke Geld, das gibt Sicherheit für die Zukunft. PSA will damit auch Aufgaben im Gesamtkonzern an den Standorten halten. Die Beschäftigten spielen eine Rolle, fühlen sich wertgeschätzt. Das ist wichtig für die Stimmung.

Das war ja immer die Befürchtung, dass die Werke ausgedünnt und letztlich geschlossen werden. Jetzt ist klar, es geht weiter. Auch wenn Opel noch keine Zahlen genannt hat, wie viel Geld letztlich investiert wird, welche Motoren in Kaiserslautern künftig gebaut werden. Aufatmen können die älteren Beschäftigten - für viele dürfte das bis in den Ruhestand reichen. Für die Jüngeren ist das zwar nur eine mittelfristige Perspektive, aber immerhin überhaupt eine.

Die Jobgarantie gilt bis 2023 - also fünf Jahre. Wie ist das zu bewerten - eine weitere Gnadenfrist oder stärkt dieser Sanierungsplan die Marke Opel langfristig?

Opel muss bis 2020 schwarze Zahlen schreiben. Diese Vereinbarung macht das möglich. Das ist ein guter Kompromiss, um den beide Seiten hart gerungen haben. Beide Seiten haben im Grunde bekommen, was sie wollten. Die Beschäftigten erhalten eine Perspektive über das Jahr 2020 hinaus, jetzt also drei Jahre länger eine Beschäftigungsgarantie. Opel verschafft das Luft bei den Finanzen. Tariferhöhungen, ja, Personalkosten sind ein wesentlicher Faktor.

Jetzt sollte es mit dem Sprung in die Gewinnzone bis in zwei Jahren klappen. Das sollte also reichen, um Opel langfristig wettbewerbsfähig zu machen. Wenn Opel bis 2020 wieder schwarze Zahlen schreibt, soll es ja auch dauerhaft weiter gehen, aber diese Hürde muss erst mal genommen werden. Aber wenn das jetzt alles nichts hilft, dann wird Opel entkernt und wird letztlich nur noch eine Hülle sein. Das sind dann Peugeot-Autos mit einem Opel-Blitz vorne drauf.

Es war jetzt zu hören, dass die Produktion eines Opels doppelt so viel kostet wie die Produktion eines Renaults. Ist das so - und woran liegt das?

Das war bei den Franzosen auch nicht immer so. Bei Peugeot hat PSA-Chef Tavares mit eisernem Besen gekehrt, Abläufe vereinfacht, die Zahl der Teile in einem Auto reduziert. Auch die Zahl der Mitarbeiter ging drastisch zurück. Das macht Opel jetzt gerade durch. Opel baut gute Autos, aber es sind zu viele Handgriffe, zu viele Komponenten nötig, bis das Auto vom Band rollt. Deshalb macht Opel aktuell Verluste.

Und diese Produktionsabläufe ändern sich jetzt?

Ja, gerade bei den Abläufen wird enorm optimiert. E-Autos werden kommen. Das ist die Zukunft. Die Opel-Ingenieure sind gefragt, die können was. Jetzt gilt es, dieses Wissen in den PSA-Konzern einzuspeisen. Wenn dann im Gegenzug die Effizienz von PSA bei Opel einzieht, kann das was werden.

Der Sanierungsplan erweckt den Eindruck, als sei die Belegschaft bei Opel eher alt und soll vor allem durch Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen verringert werden. Wie sollen sich die Jüngeren entscheiden? Die Abfindung kassieren und nach Wolfsburg ziehen?

Die könnten eher in den Raum mittlerer Neckar ziehen und bei Daimler, Porsche und Audi arbeiten. Nein, die Jüngeren haben jetzt auch hier bei Opel eine Perspektive. PSA steckt Geld in die Werke, das gibt Sicherheit für die Zukunft. PSA will damit auch Aufgaben im Gesamtkonzern an den Standorten halten. Die Beschäftigten spielen eine Rolle. Das ist wichtig für die Stimmung - motivierte Mitarbeiter machen eine gute Arbeit.

Online: Heidi Keller

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