Ostsee-Fangquoten | Kommentar Dorsch und Aal gibt es künftig nicht im Internet

Bedrohten Fischarten hilft es wenig, wenn sich EU-Minister treffen und im Sinne der Fisch-Lobbyisten entscheiden statt für den Artenschutz, meint Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung.

Kommentar von Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung

Was denken Sie - was kann für die Fische rausspringen, wenn sich Minister treffen, die sich vor allem als verlängerter Arm ihrer heimischen Fischerei-Lobby verstehen? Viel zu wenig natürlich. Und genauso ist es gekommen. Im Zweifel gehen kurzfristige wirtschaftliche Interessen vor Artenschutz. Leider.

Auf dem Papier sehen die Beschlüsse der Agrarminister zwar gar nicht so schlecht aus: Bei verschiedenen Fischarten wurden die erlaubten Fangmengen gekürzt - bei den für die deutsche Fischerei wichtigen Heringen sogar um fast vierzig Prozent. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt klagt denn auch, diese Kürzungen seien "schmerzlich für die deutschen Ostseefischer". Die Botschaft: "Wir tun viel, die Fischer bringen Opfer, aber mehr geht nicht."

Artenschutz: Wer fragt nach den Fischen?

Nur: Wer fragt eigentlich, wie schmerzlich einzelne Fischarten die Beschlüsse finden? Umweltschützer von WWF und Greenpeace sind sich einig: Beim Dorsch in der westlichen Ostsee ist die erlaubte Fangmenge nach wie vor zu hoch, als dass sich der Bestand erholen könnte. Wissenschaftler empfehlen eine deutlich niedrigere Quote.

Dazu kommt laut Greenpeace, dass die bestehenden Quoten überhaupt nicht richtig durchgesetzt werden: In der Ostsee seien fünf Fischerei-Inspekteure für die Kontrolle von 27 Anlande-Häfen zuständig. 24 Stunden vor einer Kontrolle werde der Hafen informiert. Der Verdacht liegt nahe: Wer da nicht kontrolliert werden will, wird auch nicht kontrolliert.

Minister folgen nicht der Empfehlung der EU-Kommission

Dem Aal geht es so schlecht, dass die EU-Kommission völlig zu Recht ein Fangverbot für die Ostsee gefordert hatte. Aber die europäischen Landwirtschaftsminister haben sich gedrückt mit der fadenscheinigen Erklärung, man brauche eine gesamteuropäische Lösung, bei der auch Binnengewässer mit einbezogen werden. Schließlich leben Aale sowohl im Salz- als auch im Süßwasser.

Klingt sinnvoll, heißt im Ergebnis aber wahrscheinlich, dass gar nichts passieren wird. Für den Artenschutz ist bei dem EU-Ministertreffen unterm Strich viel zu wenig rausgekommen. Und wenn der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Dorsch und Aal dann auch nicht mehr bei Amazon bestellen kann.

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