Online-Händler mischen Matratzenmarkt auf Probeliegen - und ab auf den Müll?

Start-Ups im Netz verschicken Matratzen zum Testen an ihre Kunden nach Hause. Sollen Test-Matratzen weggeworfen werden - oder wiederverwendet? Damit beschäftigt sich der Bundesgerichtshof.

Eine Frau lässt sich in einem Matratzen-Geschäft von einem Verkäufer beraten. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Nicht jeder lässt sich auf ein Online-Angebot ein, sondern will die Matratze lieber im Laden sehen. Thinkstock -

Manche Unternehmen wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, eine vom Kunden getestete Matratze wieder zurück zu nehmen. Internet-Händler bieten dagegen genau so etwas an: Bis zu 100 Tage Probeschlafen - und wenn es nicht gefällt, gibt es das Geld zurück.

Matratzen vor Gericht

Generell haben Online-Kunden ein 14-tägiges Widerrufsrecht - außer bei aus Hygienegründen versiegelten Produkten. Jetzt muss juristisch geklärt werden, ob die Schutzhülle der Matratze als Hygieneartikel zum Probeliegen entfernt werden darf, und, ob die Matratze anschließend vom Händler aufbereitet und wieder verkauft werden kann.

Dieses Widerrufsrecht von Verbrauchern beim Matratzen-Kauf im Internet wird möglicherweise bald den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg beschäftigen. Der zuständige Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) deutete jetzt bei der Verhandlung in Karlsruhe an, dass er den Fall den EU-Richtern vorlegen könnte. Der BGH selbst will sein Urteil erst am 8. November verkünden. (Az.: VIII ZR 194/16)

Fragen an Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Wirtschaft und Soziales

Wie funktioniert das, eine Matratze online bestellen?

Matratzen auf einem Stapel (Foto: © Colourbox.com -)
Matratzekaufen kann zur Odysee werden © Colourbox.com -

Grundsätzlich ganz einfach: Bestellen, auspacken und ausprobieren. Wenn ich nicht gut darauf schlafe, rufe ich an und mache einen Abholtermin aus. Alles kostenlos. Mit diesem Versprechen versuchen gerade immer mehr Start-Ups zu punkten. Sie haben meistens nur einen Typ Matratze im Angebot, der für alle Schläfer passen soll.

Teilweise bieten auch traditionelle Händler das Probeschlafen an, vor allem aber viele Internet-Möbelhändler. Oft kostet die Abholung aber etwas - etwa 50 Euro. Bei manchen muss ich die Matratze auch selbst verpacken. Probeschlafen zu Hause geht zum Teil auch ganz umsonst und einfach. Wer nicht stundenlang im Möbelhaus probeliegen will, für den kann das Bestellen im Internet und Probeschlafen zuhause eine Alternative sein. 

Was passiert mit den Matratzen, die zurückgehen?

Es gibt vier Möglichkeiten: Als B-Ware verkaufen, recyceln, spenden oder verbrennen.

Das Wiederverkaufen als billigere B-Ware ist mit Aufwand verbunden. Dafür muss eine Matratze getestet werden und braucht einen neuen Bezug. Aber es gibt Unternehmen, die das anbieten. Recyceln geht auch: Aus Matratzen können zum Beispiel Teppichunterlagen hergestellt werden - dafür gibt es aber nur wenige Firmen.

Einige Anbieter werben damit, dass sie die Matratzen zum Beispiel an Obdachlosen-Initiativen oder Flüchtlingsheime geben. Im Gespräch hatte ich aber immer wieder den Eindruck, dass es dafür gar nicht so viele Abnehmer gibt. Eine Firma hat mir gesagt, die Mitarbeiter freuten sich über neue Ideen zur Verwertung. Am Ende landen aber vermutlich viele Matratzen einfach in der Müllverbrennung.

Klingt nach viel Müll für die vielversprechende, zuweilen auch aggressive, Werbung. Lohnt sich das für die Firmen?

Es ist unklar, ob es hygienisch bedenklich ist, wenn eine Matratze bereits benutzt wurde. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die meisten Onlinekunden behalten ihre neue Matratze. picture-alliance / dpa -

Im Moment wohl bei den meisten nicht. Aber die Verantwortlichen der Start-Ups sagen: Langfristig wird sich das rentieren. Die Werbung zieht, und die Leute kaufen eher etwas, wenn sie sicher sind, dass sie es zurückgeben können.

Außerdem stellen die Internetfirmen fest, dass die meisten Kunden ihre Matratze sowieso behalten. Nur bis etwa zehn Prozent der Matratzen würden zurück geschickt, haben mir die Firmen gesagt - also die allerwenigsten.

Dann könnte ich also alle 100 Tage eine neue Matratze bestellen?

Ein kurzes Probeliegen reicht oft nicht aus, um die richtige Entscheidung zu treffen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ein kurzes Probeliegen reicht oft nicht aus, um die richtige Entscheidung zu treffen. picture-alliance / dpa -

Das wäre möglich - für alle, die es mit ihrer Ökobilanz nicht so genau nehmen. Einige der neuen Start Up-Matratzenanbieter hat die Stiftung Warentest getestet. Ergebnis: Nicht alle Matratzen passen für alle Schlaftypen.

Auch in Sachen Service gab es Kritik: Die meisten Anbieter liefern zwar in wenigen Tagen, dafür standen einige Male die Abholer unangemeldet vor der Tür, und manchmal wurde das Geld erst spät zurückgezahlt.

Online: Jutta Kaiser, Heidi Keller

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