Öko-Test untersucht Nuss-Nougat-Cremes So ungesund sind Nutella und Co.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat 20 Nuss-Nougat-Cremes ins Labor geschickt. Nur zwei der Aufstriche schnitten mit "befriedigend" ab - 14 fielen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

Fragen an Susanne Henn, SWR Umwelt und Ernährung

Wieso haben die Nuss-Nougat-Cremes so schlecht abgeschnitten?

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Die Cremes enthalten zu viel Zucker. Bei einigen waren es 58 Prozent. Zweitens ist zu viel Fett drin, nämlich bis zu 45 Prozent. Meist handelt es sich um billiges Palmöl, hin und wieder ist auch das gesündere Rapsöl drin. Der Anteil an Nüssen und Kakao ist dagegen eher gering.

Zum Dritten haben die Tester eine relativ hohe Schadstoffbelastung gemessen. Alle Produkte sind - zum Teil in erheblichen Mengen - mit einer bestimmten Gruppe gesättigter Kohlenwasserstoffe belastet, nämlich mit sogenannten MOSH und POSH. Die Mineralöl- und Kunststoffrückstände sind fettlöslich.

Was diese Kohlenwasserstoffe im Körper anrichten, weiß man noch nicht. Sie stehen aber zumindest im Verdacht, die Leber zu schädigen und haben deshalb in Lebensmitteln nichts zu suchen. Übrigens: Unter den Produkten mit sehr schlechten Noten finden sich auch Nutella und etliche "Bio"-Cremes.

Zucker und Fette sind oft nur schwer auf dem Etikett zu erkennen, deshalb werden aussagekräftige Portionsangaben gefordert. Wollen das auch die Lebensmittelkonzerne?

Verbraucherschützer fordern schon länger eine Nährstoffampel, bei der man auf einen Blick erkennen kann, ob das Produkt viel oder wenig Zucker, Fett und Salz enthält. Dagegen hat sich die Lebensmittelindustrie immer gewehrt.

Jetzt haben einige Konzerne, darunter Nestlé und Unilever, jedoch verkündet, sich einer farblichen Kennzeichnung doch nicht weiter zu verschließen. Diese solle sich jedoch nicht auf 100 Gramm, sondern auf Portionsgrößen und Tagesbedarf beziehen.

Das hätte jedoch vermutlich zur Folge, dass die Portionsgrößen eher willkürlich und nicht realistisch gewählt werden. Bei Nuss-Nougat-Creme etwa schlagen die Konzerne eine Portionsgröße von 15 Gramm vor. Das ist realitätsfern - normalerweise schmiert man sich das Doppelte auf eine Scheibe Brot.

Wenn man aber von 15 Gramm ausgeht, dann stünde die Lebensmittelampel nur auf Gelb. Bei der realistischen 30-Gramm-Portion wäre die Ampel tiefrot. Das sieht doch ein bisschen nach Trickserei aus. Portionsgrößen müssten EU-weit einheitlich sein und auch von der EU fest gelegt werden - und nicht von den Konzernen selbst.

Müssen wir jetzt auf Nutella und Co zum Frühstück verzichten?

Man sollte zumindest nicht jeden Tag damit beginnen. Wer morgens ein Brot mit Nuss-Nougat-Creme isst, hat damit meistens schon so viel Zucker gegessen wie die Weltgesundheitsorganisation als Tagesmaximum empfiehlt. Bei Kindern ist das noch extremer.

Das wäre in Ordnung, wenn man den Rest des Tages auf Süßigkeiten und Kuchen verzichten würde, aber meistens ist das ja nicht so. Deshalb: Die Cremes sind lecker - aber alles andere als gesund, und deshalb sollte man sie nicht jeden Tag essen.

Oder man probiert es mal mit einem selbstgemachten Nuss-Aufstrich, bei dem man selbst bestimmt, welche Zutaten hinein kommen:

Online: Sola Hülsewig

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