Obsternte 2017 im Südwesten Frühjahrsfröste lassen Preise steigen

Die Ernte der ersten heimischen Äpfel beginnt. In Baden-Württemberg dürfte die Menge so gering ausfallen wie seit 30 Jahren nicht mehr. In Rheinland-Pfalz wird die Traubenernte wohl durchschnittlich.

Gespräch mit Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung

Was bedeutet der Ernteausfall für die Obstpreise?

Das lässt sich noch nicht genau sagen, weil im Moment die europaweite Erhebung der prognostizierten Erntemengen läuft. Erst wenn man diese Prognose für Europa kennt, kann man auch konkrete Aussagen über die möglichen Preise in Deutschland treffen. Denn nur etwa jeder zweite Apfel, der bei uns verkauft wird, ist ein heimischer Apfel. Der Rest wird importiert - vor allem aus Italien und Holland. Deswegen können Ernteausfälle bei uns durch diese Importe immer ausgeglichen und geglättet werden.

Es gab allerdings dieses Frühjahr auch in den anderen europäischen Ländern Ernteausfälle durch Frost. Die sind aber nicht so dramatisch ausgefallen, dass sich das auf die Preise auswirken dürfte. Deswegen lässt sich als erste, vorsichtige Tendenz - ohne Garantie - sagen, dass die Äpfel im Supermarkt leicht teurer werden könnten als im Vorjahr. Es wird aber keine Preisexplosion geben.

Anders sieht das aus, wenn man Wert auf regionales Obst legt und grundsätzlich keine Ware aus dem Ausland kauft. Dann könnte es tatsächlich deutlich teurer werden - einfach, weil das heimische Angebot knapp ist und die Preise hier in die Höhe gehen.

Betroffen vom Frost war neben den Apfelbäumen auch anderes Obst. Wie sieht es da aus?

Das meiste an heimischem Obst ist geerntet mittlerweile. Zur Zeit werden noch Zwetschgen und Mirabellen gepflückt. Dann kommen nur noch die Äpfel und die Birnen. Bei den Birnen gibt es keine Zahlen, weil der Anteil heimischer Birnen am Markt viel zu gering und unbedeutend ist.

Wenn man zurückschaut auf die Obstsorten, die schon fertig geerntet sind, wie Kirschen und Erdbeeren: Die waren in diesem Jahr durch den Frost tatsächlich deutlich teurer als im Vorjahr, interessanterweise haben die Verbraucher trotzdem mehr davon eingekauft. Da konnten die Erzeuger also etwas von ihren Frostschäden wieder wettmachen.

Haben die Weinreben ebenfalls gelitten?

Beim Wein ist derzeit die Prognose ganz gut, was die Gesamtmengen angeht. Rheinhessen zum Beispiel, das größte deutsche Anbaugebiet, erwartet in etwa die Erntemenge wie im Vorjahr.

Das heißt aber nicht, dass einzelne Winzer nicht stark von Frostschäden betroffen sind. Hier gilt das selbe wie bei den Äpfeln: Wenn ich Wein nur von einzelnen Winzern oder aus einem bestimmten Ort haben will und ausgerechnet der ist vom Frost stark betroffen, dann merke ich selbstverständlich, dass dessen Wein teurer werden wird, weil er weniger Trauben geerntet hat.

Wer den Wein aber im Supermarkt kauft, kann davon ausgehen, dass sich der Frost nicht in höheren Preisen niederschlägt, weil die Gesamt-Lesemenge, nach derzeitigem Stand, wohl mehr oder weniger durchschnittlich ausfallen wird.

Online: Heidi Keller

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