Nicht nur Menschen leiden unter den hohen Temperaturen Wie die Hitze unseren Bäumen schadet

Mitten im Hochsommer sehen manche Bäume aus, als wäre es Herbst: mit kahlen Stellen und braunen Blättern, die teilweise auch schon zu Boden fallen. Grund ist die anhaltende Hitze.

Jeder Baum sehnt sich derzeit nach Regen. Denn die anhaltende Hitze und die Trockenheit bedeuten für die Pflanzen puren Stress. Allerdings ist der - je nach Art, Standort, Größe und Alter der Bäume - unterschiedlich stark ausgeprägt.

Sommer 2018 könnte viele Bäume das Leben kosten

Am meisten leiden derzeit die frisch gepflanzten Jungbäume. Ein paar Monate Trockenheit reichen bereits, um sie absterben zu lassen. Vor allem im Wald ist das bei 500 Millionen jährlich gepflanzten Jungbäumen ein Problem. Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats warnt bereits, dass der Sommer 2018 eine ganze Generation von Bäumen auslöschen könnte.

Gerade Bäume in der Stadt sind gefährdet

Eine Frau und ein Mann gießen einen Baum (Foto: SWR, SWR -)
In Städten können Anwohner bei Hitze Bäume durch zusätzliches Gießen am Leben halten. SWR -

Ebenfalls stark zu leiden haben auch die Straßenbäume in den Städten: Ihr Standort ist ohnehin extrem, denn an ihr Wurzelwerk gelangt durch Asphalt und Pflastersteine nur wenig Wasser.

Jeder Baum, dessen Wurzeln nicht ans Grundwasser kommen, hat somit bei längeren Trockenperioden kaum eine Überlebenschance. Deshalb ist jetzt in den Kommunen Gießen angesagt, vielerorts sind auch die Anwohner zur Mithilfe aufgefordert.

Ältere Bäume haben die besten Überlebensstrategien

Weniger kritisch ist die Hitze für ältere und gut angewachsene Bäume.

Sie können zum Beispiel die Spaltöffnungen in den Blättern schließen. Dann verdunsten sie kein Wasser mehr, können aber auch keine Fotosynthese mehr betreiben - ihre Ernährung ist eingeschränkt.

Reicht diese Strategie nicht aus, werden die Blätter abgeworfen. Eichen, Weiden und Pappeln können sich sogar von ganzen Ästen trennen. Dann ist für die Bäume schon im Sommer Herbst.

"Energiesparmodus" hat seinen Preis - Schädlingsbefall droht

Ein Baum kann im Prinzip auch lange Trockenperioden überstehen. Aber: Er wächst langsamer und schwächer, und seine Widerstandskraft insgesamt sinkt. Das macht ihn dann anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

Bei Kastanien etwa ist das im Moment sehr gut sichtbar: Sie kämpfen seit Jahren mit der Miniermotte, einem Schädling, der sich durch ihre Blätter frisst und braun werden lässt. Ein Hitzesommer wie dieser, mit der zusätzlichen extremen Trockenheit, schwächt die Bäume dann noch zusätzlich.

Einige Trockenheits-Schäden zeigen sich erst Jahre später

Die Dürre 2018 – ob sie Wald und Bäume nur kurzfristig unter Stress setzt, oder sie sogar nachhaltig schädigt, muss sich noch zeigen. Einige Schäden werden nämlich erst in den Folgejahren sichtbar. Klar ist aber schon jetzt: Je öfter solche Hitzeperioden auftreten, desto anfälliger und geschwächter werden die Bäume.

Von Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Jutta Kaiser

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