Neuer Sprachassistent "Google Home" Die hörende, sprechende Blumenvase

Amazon, Apple, Samsung oder Microsoft - alle werben für Lautsprecher mit digitalen Sprachassistenten. Nun gibt es in Deutschland das entsprechende Google-Angebot: Google Home.

Ein Google Home Lautsprecher steht auf einem Beistelltischchen neben einer Lampe (undatiertes Foto). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Google schickt seinen vernetzten Lautsprecher Google Home ab 8. August auch in Deutschland in den Kampf um die Vormachtstellung unter den digitalen Sprachassistenten. picture-alliance / dpa -

Von der Seite sieht es aus wie eine Lifestyle-Vase für einen kleinen Blumenstrauß: Unten Metall, oben Plastik, ungefähr 15 Zentimeter hoch, die Oberseite leicht angeschrägt - oben drauf blinken mehrere Lichter. Google Home hört auf Sprachbefehle - und setzt diese dann um.

Das Gerät kann etwa auf Zuruf Musik im Netzwerk finden und sie abspielen. Es kann Filme herunterladen und auf dem Fernseher ausgeben. Und es kann interagieren: Google Home recherchiert Fragen im Internet und beantwortet sie dann - und das in beeindruckender Geschwindigkeit.

Die akustische Internet-Suche hat ihre Grenzen

Google Pixel phone, Google Home, and Google Daydream View on display after they were introduced at a Google product event in San Francisco (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Irgendwo im Raum aufgestellt reagiert die Box auf "Okay Google" oder Sprachbefehle. picture-alliance / dpa -

Wer komplexe Sachverhalte erforschen will, wird bald ermüden, denn wenn die automatisierte Computerstimme längere Inhalte vorliest, wird es relativ schnell anstrengend. Und, in Zeiten von Fake- und Alternative News zunehmend wichtig: Google Home filtert die Suchergebnisse selbst - die Quelle der Information bleibt also unklar.

Dafür hat die kleine, intelligente Blumenvase weitere Vorteile: Sie kann zum Beispiel andere sogenannte smarte Geräte steuern. Wer also zum Beispiel vernetzte Glühbirnen besitzt, kann mit einem kurzen Sprachbefehl das Licht im Wohnzimmer ein- oder ausschalten oder die Farbe ändern. Praktisch, wenn man mit zwei Händen voller Einkaufstüten nach Hause kommt.

Einfache Bedienbarkeit und ordentlicher Klang

Erste Tester aus den USA berichten von einer einfachen Einrichtung des Geräts. Sie finden das Sprachverständnis durchaus erfreulich und weisen auf den ordentlichen Klang bei der Musikwiedergabe hin - der aber nach überwiegender Meinung eine gute Stereo-Anlage nicht ersetzen kann.

Das Problem mit dem Datenschutz

Das Logo von Google, aufgenommen am 01.12.2016 in Helsinki (Finnland) bei der Slush 2016. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mit "Google Home" versucht sich der US-Konzern am Markt der digitalen Sprachassistenten picture-alliance / dpa -

So schön es sein mag, kurze Fragen schnell und unkompliziert zu klären, oder Musik auf Zuruf zu spielen - so grenzwertig sind die neuen Geräte, wenn es um die Privatsphäre geht. Google Home ist, wie alle Konkurrenzprodukte, ständig mit dem Internet verbunden, und es hat ein Mikrophon, das immer hört, was im Haus gesprochen wird.

Damit es reagiert, muss es mit einem bestimmten Schlagwort angesprochen werden. Was aber am Ende an Daten gesammelt wird, bleibt unklar. Wer sich also tatsächlich so eine Dauer-Abhör-Einrichtung ins Wohnzimmer stellen will, kann das tun. Für mich bleibt trotz aller Technik-Begeisterung ein mulmiges Gefühl.

Geheimdienste würden Google Home lieben

Ein Amazon-Lautsprechers "Echo" mit der Assistenzsoftware Alexa. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Amazon sorgte 2014 für den Durchbruch mit seinem "Echo" und der Assistenzsoftware Alexa. picture-alliance / dpa -

Gut, man kann das Mikrofon ausschalten, aber dann verliert das Gerät komplett seinen Sinn. Dann reicht auch ein drahtloser Lautsprecher.

Artificial Intelligence - also die Fähigkeit, gesprochene Fragen zu verstehen und zu beantworten - gilt als nächste große Entwicklungsstufe im Internet. Entwickler erwarten, dass bestimmte Inhalte im Netz in Zukunft zuerst für diese Art der Interaktion ausgebaut werden. Das dürfte aber vermutlich erst einmal die Bereiche betreffen, mit denen sich Geld verdienen lässt: All das, was Googles Suchmaschine unter der Rubrik "Shopping" zusammenfasst.

Preiskampf für digitale Helferlein hat gerade erst begonnen

Google Home kostet 149 Euro - und ist damit ungefähr genauso teuer wie die große Version von Amazons Konkurrenzprodukt Echo. Das kostet normalerweise 180 Euro. Wie durch Zufall hat es der Hersteller im Moment gerade um 50 Euro im Preis gesenkt.

Jan Seidel, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Lutz Heyser

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