Neue Technik nach Abgasskandal Bosch verspricht saubersten Diesel aller Zeiten

Wo viele den Dieselmotor schon am Ende sehen, sagt Bosch jetzt: Wir haben den Diesel sauber bekommen. Zumindest, was die Stickoxide angeht. Was steckt dahinter?

Autotür mit dem Bosch-Schriftzug (Foto: SWR, SWR -)
Der Automobilzulieferer wirbt mit einem neuen System bei Dieseln. SWR -

Mit Hinblick auf Deutschlands schmutzigsten Abgas-Messpunkt am Stuttgarter Neckartor sagt ein Entwickler sogar: "Mit dieser Technologie wird sich in Zukunft das Stickoxid-Thema am Neckartor erledigt haben." Kommt jetzt das Revival des Diesels?

Bosch ist abhängig vom Diesel

Bosch geht in die Offensive. Denn es steht viel auf dem Spiel. Der Konzern ist stark abhängig vom Diesel, zehntausende Arbeitsplätze sind in Gefahr. Und so macht der Zulieferer etwas, wofür er nicht gerade bekannt ist - er sucht die Öffentlichkeit und sagt so deutlich wie nie: Der Diesel hat Zukunft, das Abgasproblem ist gelöst.

"Wir denken, dass es mit diesen positiven Ergebnissen eigentlich keine Kritik am Diesel bezüglich Emissionen geben kann", sagt Andreas Kufferath aus der Bosch Dieselmotor-Entwicklung am Rande einer Presse-Vorführung. Man wolle jetzt zeigen, was technisch möglich sei. Nämlich: Ein Diesel-Abgassystem, das die Stickoxid-Grenzwerte der Zukunft heute schon unterbietet.

Kein neues Bauteil

Dafür hat Bosch schlicht beim Händler mehrere Mittelklasse-Diesel gekauft und die Motoren mit eigener Technik verändert. Kein einziges revolutionäres Bauteil steckt in den Autos, sagt Kufferath.

"Das hört sich im Nachhinein so einfach an", erzählt der Entwickler. Es steckten jedoch viele Jahre harte Ingenieursarbeit dahinter.

Diesel soll nicht teurer werden

Bosch greift vor allem in die Motorsteuerung ein, um einzelne Bauteile besser auf Temperatur zu halten. Dadurch funktioniert die Abgasreinigung besser. Dazu kommt das bekannte AdBlue. Durch die neue Lösung soll der Diesel nicht einmal teurer werden.

Wir machen eine Testfahrt mit dem neuen System in der Stuttgarter Innenstadt. Wir dürfen selbst fahren - und tun das nicht zimperlich. Entwicklungsingenieur Michael Adam sitzt mit einem Laptop auf der Rückbank. Er überprüft die Stickstoffwerte, die der Wagen ausspuckt.

Messung fällt positiv aus

"Ich muss sagen, der Kollege fährt schon sehr sportlich, sehr herausfordernd", so Adams Einschätzung. "Trotzdem sehen wir an den unteren Ergebnissen, dass wir unterhalb der Grenzwerte unterwegs sind."

Auto mit Messanhänger (Foto: SWR, SWR -)
Die Messergebnisse liegen unterhalb der Grenzwerte. SWR -

Natürlich sind diese Werte mit Vorsicht zu genießen. Wir können das Messverfahren bei der Probefahrt nicht überprüfen. Aber die neue Charme- und Transparenzoffensive rund um den Diesel zeigt: Die Bosch-Konzernführung ist nervös. Diesel-Fahrverbote drohen. Das Image des Antriebs scheint ruiniert, die Zulassungen sinken rasant.

Keine Umrüstung älterer Autos möglich

Entwickler Andreas Kufferath wirbt deshalb zwar für das eigene System, sagt aber auch: Die ganze Branche ist am Thema dran. "Wenn Sie sich umschauen, dann sehen Sie schon viele Fahrzeuge, die sehr gute Werte auf der Straße zeigen. Vielleicht ist nicht die ganze Technologie drin, aber sehr viele Bausteine sind in diesen Fahrzeugen auch schon enthalten."

Der Diesel hat mit der richtigen Technologie also eine Zukunft. Das sagt Bosch. Allerdings nur für Neuwagen. Ältere Diesel mit der Technik nachzurüsten, das sei laut Bosch nicht möglich.

Von Javan Wenz, SWR-Wirtschaftsredaktion | Online: Sola Hülsewig

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