Neue Herausforderungen und neue Technik So arbeitet ein Bauer im Jahr 2030

Klimawandel, Artensterben, Bevölkerungswachstum - es muss sich etwas ändern in der Landwirtschaft. Gleichzeitig gibt es technische Innovationen. Ein Blick in die Zukunft…

Die Agrarpolitik steht vor einer Wende. Nicole Freyler wagt mit uns einen Blick in die Zukunft… (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Agrarpolitik steht vor einer Wende. Nicole Freyler wagt mit uns einen Blick in die Zukunft… picture-alliance / dpa -

Eine Drohne startet an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Eine Technik, die immer mehr Bauern einsetzen, erklärt der Agrarwissenschaftler Albert Stoll.

Diese Drohne kann Daten wie Bodenstruktur oder Bewuchsintensität erfassen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Diese Drohne kann Daten wie Bodenstruktur oder Bewuchsintensität erfassen picture-alliance / dpa -

Die Drohne liefert Bilder vom Acker und kann entlang einer vorgeplanten Flugroute ein Feld abfliegen, um den Nährstoffbestand des Bestandes zu erfassen. Drohneneinsatz ist nur eine von vielen Technologien, die auf dem Vormarsch sind.

Wenige Kilometer weiter in Beuren führt Martin Schnerring den Haldenhof mit 43 Milchkühen und 90 Hektar Fläche. Seine Kühe werden seit einiger Zeit mit dem Roboter gemolken. Schon jetzt ist klar – im Jahr 2030 werden seine beiden Kinder den Betrieb führen. Bis dahin werden die körperlichen Tätigkeiten ab- und die geistigen Tätigkeiten zunehmen, vermutet Schnerring.

Intelligente Maschinen

Die App zeigt ein Bewegungsmuster der Kuh an (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die App zeigt ein Bewegungsmuster der Kuh an picture-alliance / dpa -

Vieles wird sich ändern - Landwirtschaft 4.0. Der Nürtinger Agrarwissenschaftler Albert Stoll glaubt an den Einsatz ganz verschiedener, intelligenter Maschinen: "Wir werden nach wie vor große Maschinen haben, so wie wir sie heute haben, aber auf der anderen Seite werden wir auch intelligente Maschinen haben: Kleine Roboter, die vielleicht alleine oder auch im Schwarm unsere Getreidefelder beobachten, pflegen und hegen."

Unterstützung vom Satellit

Dieser Traktor wird mit Hilfe von GPS gesteuert (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Dieser Traktor wird mit Hilfe von GPS gesteuert picture-alliance / dpa -

Die Satellitentechnik wird weiter voranschreiten und kann in Zukunft dem Bauer Daten vom Feld liefern, um zum Beispiel Schädlinge zu erkennen. Auch bei der Unkrautbekämpfung gibt es Fortschritte: So könne das Unkraut exakt dort, wo es auftrete, präzise und punktuell bekämpft werden, so Agrarwissenschaftler Albrecht Stoll. Schon heute gibt es Traktoren, die mit Hilfe von GPS gesteuert werden.

Herausforderung Klimawandel

Klimawandel: Dürreperioden werden zum Problem für die Landwirtschaft (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Klimawandel: Dürreperioden werden zum Problem für die Landwirtschaft picture-alliance / dpa -

Und in Zeiten des Klimawandels werden sich die Anbaumethoden ändern. Jürgen Braun ist Dozent für nachhaltige Ernährungswirtschaft an der Hochschule für Umwelt und Wirtschaft in Nürtingen. Er sagt, wir müssen uns auf Wasserknappheit und große Dürreperioden einstellen: "Das heißt, wir müssen mit Extremen auskommen und umgehen können. Das heißt auch, dass die Fruchtfolgen vielfältiger und breiter werden müssen, dass wir uns jetzt nicht nur auf zwei oder drei Kulturen fokussieren. Dann haben wir größere Resistenz gegenüber solchen Wetter-Extremen, wie wir sie zur Zeit haben."

Freilandlabor: Simulation der Zukunft

Auf 100 Hektar großem Hof werden Weizensorten getestet (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Auf 100 Hektar großem Hof werden Weizensorten getestet picture-alliance / dpa -

Universität Hohenheim – der Heidfeldhof ist mit 100 Hektar das Freilandlabor der Wissenschaftler. Unter Gewächshausdächern wird hier Zukunft simuliert. In einem Versuch müssen verschiedene Weizensorten mit weniger Wasser, mehr Hitze und mehr CO2 auskommen.

Betriebsleiter Herbert Stelz weiß, dass nicht alle Pflanzenarten mit dem Klimawandel zu Recht kommen. Pflanzenarten, die mit dem Klimawandel schlechter zu Recht kommen, würden beim Landwirt wirtschaftlich schlechter abschneiden und dadurch vom Markt verschwinden.

Agrarchemikalien in der Kritik

"Smart Farming": Ein GPS-gesteuerter Traktor (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
"Smart Farming": Ein GPS-gesteuerter Traktor picture-alliance / dpa -

Die Zeiten, in denen Landwirte großflächig Chemie auf die Felder ausbringen, ist im Jahr 2030 vermutlich vorbei. Die Kritik an den Giften wie Glyphosat und Neonicotinoide wächst stetig. Die Auflagen werden immer strenger. Agrarchemikalien belasten heute Böden und Gewässer. Dennoch bezweifelt Agrarexperte Jürgen Braun, dass wir im Jahr 2030 eine Landwirtschaft flächendeckend komplett ohne chemischen Pflanzenschutz haben werden. Er glaubt eher an einen Kompromiss aus gezieltem, GPS-gesteuertem Pflanzenschutz.

Intelligente Pflanzenschutzspritzen werden erkennen, wo Unkraut wächst und wo nicht. Aber wir könnten es uns nicht leisten, weniger Lebensmittel zu produzieren, sagt der Wissenschaftler.

Drohneneinsatz in der Landwirtschaft (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Drohneneinsatz in der Landwirtschaft picture-alliance / dpa -

Die Aufgaben für die Landwirtschaft in Zukunft sind gewaltig.
Die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren durch steigende Erträge auf der begrenzten Fläche und das gleichzeitig nicht auf Kosten der Umwelt beziehungsweise des Tieres zu tun - das ist das Spannungsfeld, in dem sich die Landwirtschaft derzeit bewegt.

Nicole Freyler, SWR Studio Stuttgart | Online Moritz Hartnagel

STAND