Neue DGB-Studie Krank zur Arbeit schleppen ist "in"

Zwei Drittel der Arbeitnehmer sind im vergangenen Jahr zur Arbeit gegangen, obwohl sie krank waren. Das Robert-Koch-Institut warnt vor diesem Verhalten.

kranke Frau mit Taschentüchern (Foto: © Colourbox.de -)
Trotz Schnupfen, Erkältung und Fieber gehen viele Menschen arbeiten. © Colourbox.de -

Aktuell ist Grippesaison und deshalb gehen einige hunderttausend Arbeitnehmer in diesen Tagen zum Arzt, um sich krankschreiben zu lassen. Allerdings zeigt eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dass immer mehr Menschen trotz Krankheit doch zur Arbeit gehen.

Demnach erschienen im vergangenen Jahr in Deutschland gut zwei von drei Arbeitnehmern krank bei der Arbeit. Jeder Dritte gab an, zwei Wochen oder noch länger krank zur Arbeit gegangen zu sein.

Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse

Die neue Studie steht im Kontrast zum BKK-Gesundheitsreport 2017, den der Dachverband der Betriebskrankenkassen im November vergangenen Jahres veröffentlicht hatte. Der Report hatte ergeben, dass die Fehltage bei den Arbeitnehmern gestiegen sind. Demnach war im Jahr 2016 jeder pflichtversicherte Arbeitnehmer durchschnittlich mehr als 17 Tage krank. 2006 waren es nur gut elf Tage gewesen.

Fragen an Jutta Kaiser, SWR Wirtschaft und Soziales

Die neue DGB-Studie zeigt einen anderen Trend als der BKK-Gesundheitsreport. Wie passt das zusammen?

Mann im Hemd sitzt am Schreibtisch und stützt den Kopf in die Hände. Vor ihm auf dem Tisch liegen Tabletten. (Foto: imago stock&people -)
Wer krank zur Arbeit geht, verschleppt häufig die Krankheit und fällt dann noch länger aus. imago stock&people -

Das widerspricht sich auf den ersten Blick. Allerdings kommen da mehrere Phänomene zum Tragen: Zum einen wird unsere Gesellschaft immer älter, die Menschen arbeiten länger. Jedoch stecken wir mit 40 oder 50 Jahren eine Erkältung oder andere Krankheiten nicht mehr so leicht weg wie mit 20 oder 30.

Je älter man wird, desto länger dauert es, sich zu erholen: doppelt bis drei Mal so lange. Außerdem leiden immer mehr Menschen unter Burn-out, Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten. Diese Menschen fallen oft längere Zeit aus, da können schon 40 Fehltage im Jahr zusammenkommen.

Außerdem ist es so, dass die, die zum Beispiel mit einer Erkältung zur Arbeit gehen, die Krankheit verschleppen, und dann irgendwann doch ausfallen. Dadurch sind sie häufig länger krank, als wenn sie sich gleich am Anfang der Krankheit etwas Ruhe gegönnt hätten.

Häufig schleppen sich Arbeitnehmer zur Arbeit, da sie denken, unersetzbar zu sein. Sind wir wirklich so unabkömmlich?

Ein Post-it mit der der Aufschrift "krank" klebt auf einer Computertastatur (Foto: © Colourbox.de -)
Es ist besser zuhause zu bleiben, als krank ins Büro zu gehen. © Colourbox.de -

Nein, sind wir nicht. Aber viele kennen die Situation: Man wird meistens dann krank, wenn es so gar nicht passt. Also wenn wichtige Termine am Arbeitsplatz anstehen und man vorher vielleicht schon viel Zeit investiert hat, um sich vorzubereiten - dann gehen viele eben doch zur Arbeit.

Vernünftig ist das nicht, sagt zum Beispiel das Robert-Koch-Institut. Wer erkältet ist, sollte direkt wenigstens ein paar Tage zu Hause bleiben, um sich auszuruhen. Dadurch sind Arbeitnehmer schneller wieder gesund, und sie stecken auch keine anderen Kollegen an.

Denn die Infektionsgefahr ist gerade in den ersten beiden Tagen einer Erkältung am Größten. Abgesehen davon sind Kranke auch nicht so fit und aufnahmefähig. Es können Fehler bei der Arbeit passieren, und die können den Arbeitgeber deutlich mehr Geld kosten, als wenn der Mitarbeiter zwei oder drei Tage zu Hause bleibt.

Online: Tobias Frey

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