NABU-Ranking Nur ein Kreuzfahrtschiff fährt ohne Schweröl

Der Kreuzfahrt-Tourismus boomt, viele Menschen reisen regelmäßig per Schiff - trotz enormer Umweltbelastung durch den Schadstoffausstoß. Dabei könnte es auch anders gehen.

Nur ein einziges Schiff fährt mit umweltfreundlichem Treibstoff. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Nur ein einziges Schiff fährt bald mit umweltfreundlichem Treibstoff. picture-alliance / dpa -

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisiert in seiner aktuellen Untersuchung: Nur ein einziges Kreuzfahrtschiff fährt ohne giftiges Schweröl. Und das ist noch nicht einmal im Dienst: Die AIDAnova, die jetzt aus der Meyer-Werft ausdockt und wird erst ab Ende des Jahres eingesetzt. Sie nutzt schadstoffarmes Flüssiggas als Kraftstoff.

Fast alle Kreuzfahrtschiffe belasten Mensch und Natur schwer

Alle anderen Kreuzfahrtschiffe fahren weiter mit Schweröl als Treibstoff und nutzen keine wirkungsvolle Abgastechnik. Lediglich die neuen Schiffe von Hapag-Lloyd und TUI setzen Stickoxid-Katalysatoren und Landstrom ein. Partikelfilter für den besonders gesundheitsschädlichen Ruß haben aber auch sie nicht.

Der NABU fordert einen zügigen technischen Wandel sowie ein Einfahrverbot für dreckige Schiffe in Häfen ab 2020.

So könnten Kreuzfahrtschiffe umweltfreundlicher werden

Wer die Vorzüge einer Kreuzfahrt schätzt, plant oft schon den nächsten Urlaub auf See. Das schlechte Gewissen, wie sich das auf die Umwelt auswirkt, hält die meisten Kunden nicht von der Buchung ab. Die Branche müsse umweltfreundlicher werden, fordern auch die Naturschützer. Es gibt bereits vielversprechende Vorschläge.

Gegen Feinstaub: Motoren im Hafen abschalten

Damit die Kreuzfahrer auf dem Schiff nicht im Dunklen sitzen und die Klimaanlage funktioniert, laufen die Dieselmotoren der Schiffe auch im Hafen rund um die Uhr - ohne Partikelfilter. Die Hafenstädte und ihre Bewohner leiden deshalb besonders unter Feinstaub.

Würden die Ozeanriesen Landstrom nutzen - idealerweise Ökostrom - könnten sie während der Liegezeit die Motoren abschalten. Gemacht wird es trotzdem kaum, weil Landstrom teurer ist und weil den meisten Schiffen quasi der Stecker für die Landstrom-Steckdose fehlt. Diese Ausstattung müsste nachgerüstet werden.

Nachhaltige Energie: Riesige Segel statt qualmender Schornsteine

Für einen Fünfmaster mit einer gigantischen Segelfläche gibt es tatsächlich schon konkrete Pläne. Allerdings wäre trotzdem noch ein zusätzlicher Elektroantrieb nötig.

Das gilt auch für die zweite Segel-Vision, in der das Segel hoch oben über dem Schiff schwebt, weil dort der Wind wesentlich stärker weht. Ein 300 Quadratmeter großes Segel rund 100 Meter vor dem Bug soll das Schiff - quasi wie ein gigantischer Lenkdrachen - vorwärts ziehen. Weitere Antriebsenergie wird aus Solar- und Biogasanlagen gewonnen.

Enormer Wasserverbrauch: Wasser sparen und an Bord wieder aufbereiten

Auf einem Kreuzfahrtschiff werden täglich rund eine Million Liter Frischwasser verbraucht. Deshalb gibt es inzwischen erste Schiffe, auf denen die Wäsche mit dem Kondenswasser der Klimaanlagen gewaschen wird.

Entsalzungsanlagen machen aus Seewasser trinkbares Frischwasser für Pools, Klospülungen und Küche. Bordeigene Kläranlagen bereiten das Abwasser auf, nahezu bis auf Trinkwasserqualität.

Autorin: Sabine Schütze, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Jutta Kaiser

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