Mietnebenkosten vor Gericht Was tun bei Horror-Heizkostenrechnung?

Hohe Heizkostennachzahlungen obwohl die Thermostate kaum aufgedreht waren? Was Mieter tun können, wenn die Nebenkosten zu hoch sind.

Gespräch mit Petra Thiele, SWR Wirtschaft und Soziales

Mieter, die mehrere Tausend Euro für Heizkosten nachzahlen sollen: Sind das Einzelfälle?

Verbraucherschützer schätzen, dass jede dritte Heizkostenabrechnung fehlerhaft ist. Die meisten Mieter kontrollieren ihre Abrechnungen aber erst, wenn sie erheblich mehr nachzahlen müssen. Dabei sollte wirklich jeder seine Heizkosten immer mit den Vorjahren vergleichen. Die wichtigste Kennziffer ist dabei der Verbrauch. Wenn ich meine Kilowattstundenzahl kenne, kann ich nachprüfen, ob ich im Mittelfeld liege oder zu viel zahle.

Was ist denn eine guter Durchschnitt bei den Heizkosten?

180 Kilowattstunden pro Quadratmeter in einem Jahr ist eine gute Ziffer zur Orientierung. Bei einer Wohnung von 60 Quadratmeter Größe macht das knapp 11.000 Kilowattstunden.

Bei einer Wohnung von 80 Quadratmetern sind es 14.500. Wer mehr Kilowattstunden verbraucht, der hat entweder eine ganz miserabel isolierte Wohnung - oder eine fehlerhafte Abrechnung.

Mit welchen Heizkosten muss man bei einer 80 Quadratmeter-Wohnung rechnen?

Wenn ich mit Gas heize, müsste ich momentan im Monat mit 70 Euro Heizkosten auskommen, bei einer durchschnittlich isolierten 80-Quadratmeter Wohnung. Es gibt allerdings auch Mieter, die nur 50 oder 60 Euro zahlen, weil sie tagsüber nicht da sind. Das ist durchaus möglich.

Bei Fernwärme schwanken die Preise. Richtig teuer wird es, wenn Mieter mit Strom heizen müssen. Dann kann die Rechnung bis zu viermal so hoch sein wie bei einer Gasheizung.

Was können Mieter tun, die bemerken, dass mit ihrer Heizkostenabrechnung etwas nicht stimmt?

Man muss den Fehler leider selbst finden. Der Mieter ist in der Beweispflicht. Er muss prüfen, ob der Zähler oder die Zähler in Ordnung sind. Stimmt das Eichdatum noch? Oder gab es vielleicht einen Rechenfehler beim Energieversorger? Der Vermieter ist immerhin verpflichtet, die Belege für die Heizkosten des kompletten Hauses offen zu legen. Davon darf man sich dann Fotokopien machen.

Wenn ich nun selbst den Fehler nicht finde, können Mieterschutzbund und Verbraucherzentralen oft weiterhelfen. Der Aufwand kann sich allerdings lohnen: Es gab in Mainz schon den Fall, dass eine Mieterin 10.000 Euro für Heizkosten zurückerstattet bekam, weil ihr Zähler defekt war.

Online: Michael Herr

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