Martinstag 11. November Was kostet die Martinsgans in diesem Jahr?

Am 11. November ist Martinstag, der Startschuss für die Zeit bis Weihnachten, wenn bei Vielen eine Gans auf den Tisch kommt. Doch in diesem Jahr wird das Festmahl wohl teurer.

Laternen-Umzüge oder Martinsgans-Essen, der Martinstag wird von allerlei Bräuchen begleitet. In diesem Jahr dürfte das traditionelle Gänse-Essen allerdings etwas teurer ausfallen. Denn durch die lange Trockenheit wurde das Futter für die Tiere knapp, die Gänsebauern mussten zukaufen. Etwa auf dem Bauernhof Glabach in Neuwied, wo die Gänse auch jetzt im Spätherbst fast alles haben - Freiheit, Sonne, nur die saftige Wiese fehlt zum Gänseglück - nach dem trockenen Sommer.

Landwirte mussten Futter zukaufen

Gänse werden von Gänsebäuerin Küppers in Duisburg über die Weide getrieben (Foto vom 03.11.2011). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Direktvermarktung von Gänsen dient vielen im Nebenerwerb tätigen Landwirten als zweites Standbein. picture-alliance / dpa -

Der Hafer, den die Familie zusätzlich an die Gänse verfüttert, ist dieses Jahr auch nicht recht gewachsen. "Der Ertrag ist einfach nicht der gewesen, wie die Jahre zuvor", erklärt Landwirtin Sophia Gladbach. Die Folge für sie: Wenn man weniger hat, dann muss man zukaufen. Die Trockenheit in ganz Deutschland in diesem Jahr ist damit auch für die Gänsebauern zum Thema geworden.

Je nach Region schwanken die Preise für Gänse in der Direktvermarktung je kg Frischfleisch zwischen 8 und 15 Euro. Die Direktvermarktung ist damit preislich gegenüber Tiefkühl-Angeboten aus den Gänseimportländern Ungarn und Polen zwar konkurrenzfähig, doch einfach ist die Lage für Gänsebauern momentan nicht.

Andere Nebenkosten sind ebenfalls gestiegen

Gänse laufen am 07.11.2017 auf dem Heißener Hof in Mülheim (Nordrhein-Westfalen) in ihrem Unterstand herum. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Legende nach sollen es Gänse gewesen sein, die den heiligen Martin einst verrieten, als er sich im Stall versteckte, um nicht als Bischof geweiht zu werden. picture-alliance / dpa -

Die Nebenkosten für die Gänseaufzucht, besonders Strom und Wasser, sind in diesem Jahr teurer geworden. Also verkauft etwa die Familie Glabach das Kilo Gans jetzt für 14,50 Euro - das ist ein Euro mehr als im vergangenen Jahr. Bis Jahresende werden hier rund 600 Gänse über die Theke im Hofladen gehen.

Auch Gastronom Jürgen Hühner kauft auf dem Bauernhof bei Neuwied sein Gänsefleisch. Dass es dieses Jahr mehr kostet, hat er akzeptiert. Ihm ist wichtig, dass die Tiere aus der Region kommen, denn die Qualität sei deutlich besser als etwa die von Importware aus Osteuropa, die als Tiefkühlkost hierher kommt. "Es ist vom Geschmack her einfach nicht vergleichbar", so Hühner.

Gastronomie rechnet ebenfalls mit Preiserhöhungen

In einer Gaststätte im brandenburgischen Mixdorf (Oder-Spree) steht ein Teller mit Klößen, Rotkohl und Gänsekeule. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Gänse büßen symbolisch bis heute für den "Verrat" ihrer Vorfahren und landen ab 11.November - dem Martinstag - als Martinsgans auf dem Tisch. picture-alliance / dpa -

Das Restaurant von Jürgen Hühner, die Malberg-Hütte in Hausen am Westerwaldsteig, liegt nur rund 20 Minuten entfernt. Hier bietet der Koch die Gans auf Bestellung an - etwa für Martinsessen und in der Vorweihnachtszeit. Dass das Fleisch im Einkauf teurer geworden ist, werden seine Kunden aber wohl nicht erfahren. Sie sollen auch in diesem Jahr 29 Euro 80 pro Person zahlen - für eine Portion Gans mit Bratapfel, Klößen und Rotkohl. Denn mehr als 30 Euro für den Gänsebraten zu verlangen, sei schwierig, so Hühner. "Dann kommt irgendwann der Gast und sagt, es ist zu teuer."

Doch letztlich muss auch der Gastwirt schauen, dass seine Kalkulation stimmt und muss man "für ein gutes Produkt auch seinen Preis nehmen", sagt Hühner. Er will dieses Jahr allerdings noch abwarten, fürs kommende Jahr schließt er eine Preiserhöhung nicht aus. Damit liegt er fast ein wenig hinter dem Trend. Denn die meisten Gastronomen werden wohl schon dieses Jahr den Preis für die deutsche Gans erhöhen. Davon geht der Hotel- und Gaststättenverband aus. Er glaubt, dass die Kunden das verstehen werden.

Online: Lutz Heyser

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