Maklergebühren in Deutschland Bestellerprinzip auch bald bei Immobilienkäufen?

Die Maklergebühren in Deutschland sind im europäischen Vergleich sehr hoch. Bundesjustizministerin Barley will, dass bei Immobilienkäufen in Zukunft auch das Bestellerprinzip gilt.

Eine Hand übergibt einen Hausschlüssel einer anderen Hand (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Geht es nach dem Bundesjustizministerium, gilt in Zukunft das Bestellerprinzip auch bei Immobilienkäufen. Foto: Colourbox.de -

Bei Vermietungen gilt bisher schon das sogenannte Bestellerprinzip: Wer den Makler bestellt, bezahlt ihn auch. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung gibt es im Bundesjustizministerium bereits einen Gesetzentwurf, dieses Prinzip auf Immobilienkäufe auszuweiten.

Fragen an Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft

Warum soll jetzt das Bestellerprinzip auch beim Kauf eingeführt werden?

Für das Bestellerprinzip gibt es eine ganze Reihe an Argumenten, auch aus anderen Parteien, nicht nur aus der SPD. Hauptgrund: Die hohen Erwerbsnebenkosten würden viele potentielle Käufer daran hindern, Eigentum zu erwerben. In Deutschland gibt es keine Gebührenordnung für Makler, die Provision ist Verhandlungssache. In vielen Bundesländern, auch in Rheinland-Pfalz, haben sich Maklergebühren in Höhe von 7,14 Prozent durchgesetzt, die sich Verkäufer und Käufer teilen. Ein Beispiel: Ein Reihenendhaus in Speyer kostet im Schnitt rund 340.000 Euro. Dadurch entstehen für den Käufer Maklergebühren von rund 12.000 Euro. Es gibt aber auch Untersuchungen, die sagen, dass Käufer im Schnitt deutlich mehr bezahlen.

Solche Erwerbsnebenkosten lassen sich in aller Regel nicht finanzieren, also auf einen Hauskredit draufpacken. Dafür brauchen Käufer Eigenkapital, das dann wiederum für die Finanzierung fehlt und den Interessenten möglicherweise am Kauf hindert. Zudem sind die Maklergebühren im europäischen Vergleich in Deutschland extrem hoch. Deshalb gibt es seit Jahren schon die Forderung, die Maklergebühren zu deckeln. Die Grünen fordern zum Beispiel maximal zwei Prozent des Brutto-Kaufpreises als Obergrenze. 

Bei Vermietungen zahlt jetzt schon nur der Besteller - was hat das für Auswirkungen?

Mitte 2015 wurde gesetzlich geregelt, dass derjenige, der bei Vermietungen den Makler bestellt, ihn auch bezahlt. Damals gab es die gleiche Intention: Mieter sollten entlastet werden - insbesondere dort, wo Wohnraum knapp ist. In den meisten Fällen schaltet der Vermieter einen Makler ein und nicht der Mieter. Auf dem Papier funktioniert das Bestellerprinzip, 98 Prozent aller Maklergebühren bei Vermietungen werden von Vermietern bezahlt. Das haben verschiedene Immobilienportale beobachtet. Das Bundesverfassungsgericht hat damals eine Klage gegen das Bestellerprinzip abgelehnt, ebenso wie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.

Für dieses Bestellerprinzip beim Vermieten gibt es auch kaum Schlupflöcher. Indirekt Maklergebühren auf den Mieter zu übertragen ist kaum möglich, zum Beispiel durch eine überhöhte Ablöse für eine alte Einbauküche. Hier hat der Gesetzgeber ganz klare Richtwerte vorgegeben. Auch versteckte Vertragsklauseln sind illegal. Für die Makler hat sich das Bestellerprinzip beim Vermieten dramatisch ausgewirkt. Eine große Umfrage aus dem Jahr 2017 hat gezeigt, dass drei Viertel aller Maklerbüros weniger oder gar keine Vermietungsaufträge mehr bekommen haben. In ländlichen Regionen hat jeder fünfte Makler überhaupt keinen entsprechenden Auftrag mehr gekriegt. Nur sechs Prozent der Makler konnten nach Einführung des Bestellerprinzips ihren Umsatz noch steigern, bei allen anderen ist er zurückgegangen.

Online: Thomas Oberfranz

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