Lösegeld für Gift im Essen Erpressung mit Lebensmitteln eher erfolglos

Ein Lebensmittel-Erpresser hält Polizei und Bevölkerung in Atem. Das ist nicht der erste Versuch dieser Art. In der Vergangenheit sind die meisten allerdings gescheitert.

Für Supermarktketten und Lebensmittel-Hersteller sind Erpressungsversuche mit vergifteten Lebensmitteln Alltag. Die Masche ist immer die gleiche: Ein Erpresser vergiftet Senftuben, Babynahrung oder Brotaufstriche, platziert sie in einem Lebensmittelgeschäft und fordert viel Geld - das er aber selten bekommt.

Diamanten für Blausäure in Senf und Mayonnaise

Der spektakulärste dieser Fälle dauerte zwei Jahre - von August 1996 bis September 1998. Damals wurde die Nestlé Marke Thommy erpresst. Ein 43-jähriger Schlosser spritzte selbstgepanschte Blausäure in Senf und Mayonnaise-Tuben, die er in Supermärkten in ganz Deutschland, unter anderem auch in Stuttgart, verteilte.

Er wollte damit Rohdiamanten erpressen, die ihm per Brieftauben zugesandt werden sollten. Die Polizei stattete die Tauben mit Sendern aus und fasste den Täter. Der Schaden damals: knapp 40 Millionen D-Mark, damals noch, und ein riesiger Imageverlust. Nestlé musste 30.000 Produkte aus den Regalen nehmen, und die Kunden griffen zur Ware der Konkurrenz. Zudem versuchten Trittbrettfahrer den Konzern ebenfalls zu erpressen.

Nestlé ist den Umgang mit solchen Produkterpressern gewohnt, durchschnittlich einmal im Monat flattert ein Erpresser-Schreiben ins Haus. 40 bis 60 Prozent geben nach der ersten Kontaktaufnahme auf. In etwa 10 Prozent der Fälle dauert die Erpressung eine Woche und länger. Viele Fälle werden erst gar nicht bekannt.

Gummibärchen und Marzipanherzen vergiftet

Die meisten Erpresser werden aber gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt. Hier Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:

  • Juli 2017: In Bonn wird ein Rentner zu Jahren und neun Monaten verurteilt. Der 74-Jährige hatte Haribo mit der Vergiftung von Gummibärchen gedroht und forderte eine Million Euro.
  • März 2017: In Kiel bekommt ein 38-Jähriger vier Jahre und neun Monaten Gefängnisstrafe. Er hatte auf Schulhöfen mit Insektiziden vergiftete Marzipanherzen ausgelegt - und verlangte drei Millionen Euro von Coop.

Die Erpresser werden übrigens meist bei der Geldübergabe gefasst - und scheinen nicht die Hellsten zu sein. So gab es in Berlin einen Fall, in dem der Täter im Drohbrief gleich noch seine Adresse hinterließ - damit das Geld nicht in falsche Hände gerät...

Von Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller, Stefan Heinz

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