Krisenmanagement bei Autobauern Salami-Taktik im Premium-Segment

Nicht wirklich überraschend: Der 3-Liter-Diesel-Motor im Porsche Cayenne von Audi hat auch eine Betrugs-Schaltung. Informationen scheibchenweise - schlimm, findet unser Kommentator.

Der 3-Liter-Diesel-Motor, den Porsche in den Cayenne einbaut, wird von Audi zugeliefert - mit Betrugs-Schaltung. Die Porsche-Techniker haben das erst vor kurzem entdeckt, obwohl Audi in der Abgas-Affäre schon seit Monaten unter Verdacht steht.

Ein weiterer Fall von schlimmer Salami-Taktik, findet SWR-Wirtschaftsredakteur Jan Seidel:

Die deutschen Autobauer nennen sich gerne "Premium-Hersteller": fortschrittliche Technik, tolles Design, edle Werkstoffe. Wenn es aber ums Krisenmanagement geht, dann bleibt von diesem Premium extrem wenig.

So lang die Aufpreislisten beim Autokauf sind - so kurz sind offenbar die Handlungsanweisungen für den Krisenfall: Die Konzerne räumen Fehler immer erst dann ein, wenn sie wirklich unwiderlegbar sind - und auch immer nur so weit wie unbedingt nötig.

Die Kunden laufen währenddessen ratlos um ihre Betrugs-Diesel, die Werkstätten werden alleingelassen - und der Wert der betroffenen Autos sinkt mit jedem Skandal und jeder Gerichtsentscheidung weiter.

Von Premium- zu Low-Budget-Strategie

Für die Vorstände ist diese Salami-Taktik wahrscheinlich sogar logisch: Denn im Schadensfall klagen Kunden gegen Konzerne - und Konzerne gegen Vorstände. Heißt: Wenn ich als Vorstand jetzt reinen Tisch mache, meinen Kunden entgegenkomme und dafür richtig Geld ausgebe, dann laufe ich Gefahr, dass mich die Aktionäre später abstrafen, weil ich ihren Gewinn geschmälert habe. Wenn ich aber weiter die Spar-Brötchen-Nummer fahre und die Kunden vor den Kopf stoße, dann werden die gegen den Konzern klagen, nicht gegen mich. Im schlimmsten Fall muss ich als Manager halt gehen - mit Abfindung, aber ohne Klage am Hals.

Kurzfristig mag das für die Betroffenen Sinn machen - für die Kunden ist es aber eine Katastrophe - und ich vermute mal: Langfristig wird es auch für die Unternehmen zum Problem. Denn so viel Vertrauen, wie hier verspielt wird, können sie über Werbe-Kampagnen gar nicht wieder reinholen. Denn wer Premium verspricht, kann im Krisenfall nicht plötzlich auf Low-Budget umschalten.

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