Konkurrenz für Deutsche Bahn Erste Flixtrain-Fahrt Berlin-Stuttgart

Am Donnerstagnachmittag sind die grünen Flixtrain-Züge erstmals von Berlin Richtung Stuttgart gestartet. Das Münchner Unternehmen fordert die Deutsche Bahn heraus.

Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Soziales, schätzt die Erfolgschancen ein

Ob sich Flixtrain langfristig im Fernverkehr auf der Schiene behaupten kann, ist unklar. In den vergangenen Jahren sind schon etliche private Bahnanbieter gescheitert. Es kostet viel Geld, einen Zug zu betreiben und es ist auch nicht einfach, diesen Zug dann regelmäßig mit Passagieren vollzubekommen.

Flixbus hat den Staatskonzern jedoch bereits in den vergangenen Jahren mit den Fernbussen geärgert.

Flixtrain-Mitarbeiter stellt im Zug einen Fahrschein aus (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Strecke Berlin-Stuttgart wurde eingeweiht. picture-alliance / dpa -

Mit günstigen Ticketpreisen will das Unternehmen Fahrgäste für sich gewinnen. Dabei wirbt Flixtrain mit Fahrkarten für knapp zehn Euro für die Strecken Hamburg-Köln - wo Flixtrain seit Ende März verkehrt - und Stuttgart-Berlin. Mittlerweile sind die Angebotstickets jedoch kaum noch erhältlich.

Ab Ende des Jahres sollen die grünen Züge auch zwischen Berlin und Köln sowie zwischen Berlin und München unterwegs sein.

Fahrten zwischen Stuttgart und Berlin kosten mittlerweile meistens zwischen 30 und 40 Euro, was immer noch vergleichsweise günstig ist. Für eine Fahrt mit dem ICE der Deutschen Bahn werden regulär bis zu 155 Euro fällig - die Verbindung ist aber auch schneller. Mit Sparpreis-Angeboten der Bahn ist man zwar deutlich günstiger unterwegs, die Tickets sind jedoch limitiert.

Günstige Tickets zum Start, später steigen die Preise

Das Vorgehen von Flixtrain erinnert an den Start von Flixbus: Als der Anbieter damals in das Fernbus-Geschäft einstieg, wurden anfangs günstige Tickets auf den Markt geworfen, um die Marke bekannter zu machen. Später stiegen dann die Preise.

Davon profitiert das Unternehmen auch jetzt mit dem Zugangebot. Millionen Reisende kennen den Fernbusanbieter bereits und werden sich überlegen, auch mal Flixtrain auszuprobieren. Zur Zielgruppe gehören besonders junge Leute, so das Unternehmen.

Erfahrung im Bahngeschäft - aus Locomore wird Flixtrain

Privatzug Locomore (Foto: SWR, SWR / Philipp Pfäfflin - Philipp Pfäfflin)
Die orangefarbenen Locomore-Züge wurden durch die grünen Flixtrain-Züge ersetzt. SWR / Philipp Pfäfflin - Philipp Pfäfflin

Erfahrungen im Zuggeschäft hat der Fernbusanbieter bereits in den vergangenen Monaten gesammelt. Gemeinsam mit dem tschechischen Bahnanbieter Leo Express hatte Flixbus im vergangenen Jahr den insolventen Bahnbetreiber Locomore übernommen und im August den Zugbetrieb auf der Strecke Stuttgart-Berlin wieder aufgenommen.

Mit einem Ticket Bus und Zug fahren

Für den risikofreudigen Fernbusanbieter ergibt sich mit dem Bahnverkehr noch eine weitere Möglichkeit: Er kann Fernbusse und Züge besser miteinander verknüpfen. Reisende könnten künftig zum Beispiel mit einem Ticket auch beide Verkehrsmittel nutzen - zuerst fahren sie ein Stück mit dem Zug und anschließend geht es weiter mit dem Fernbus.

Damit kommt der Anbieter seinem Ziel immer näher: Wer Reisen will, soll nicht mehr nach Angeboten bei der Deutschen Bahn oder bei Billig-Fliegern schauen, sondern direkt bei Flixbus beziehungsweise Flixtrain buchen.

Online: Heidi Keller, Sola Hülsewig

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