Kommentar zu Tarifeinigung Metall und Elektro "Mancher wird 8-Stunden-Tag zurücksehnen"

Mit dem neuen Tarifvertrag stößt die Metallbranche die Tür zur Arbeitswelt 4.0 auf. Dahinter verbergen sich für die Mitarbeiter viele Chancen - aber auch Risiken, meint Sabrina Fritz.

Ein Mann flext Metall (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Könnte in Zukunft öfter am Wickeltisch statt an der Werkbank stehen: Ein Beschäftigter der Metallbranche. Thinkstock -

Kommentar von Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft und Soziales

Willkommen in der neuen Welt der Metaller. Ich freue mich schon, wenn ich künftig auf dem Spielplatz lauter KFZ-Mechatroniker antreffe, denn sie arbeiten ja jetzt weniger - um mehr Zeit für die Kinder zu haben. Ob diese schöne neue Welt Wirklichkeit wird, oder ob nur wieder die Frauen Arbeit und Familie unter einen Hut bringen müssen - ich bin gespannt.

Die IG Metall hat sich durchgesetzt

Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkkorrespondentin in Washington (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)
Sabrina Fritz SWR - Foto: Alexander Kluge

Nach Chemie, Handel und Bahn können nun auch die Männer in der Fabrik flexibler arbeiten. Die Arbeitgeber haben die Kröte heruntergewürgt - sie hatten keine Chance, die IG Metall hatte das bessere Blatt. Die Auftragsbücher sind voll, Maschinenbautechniker werden umgarnt wie Popstars.

Doch die Gewerkschaften müssen aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannen. Jetzt sind die Kassen voll, Geld spielt keine Rolle. Es war eine teure Runde. Was das reiche Baden-Württemberg jetzt ausgehandelt hat, müssen auch Firmen in Bremen umsetzen. Und viele kleine Unternehmen können sich weniger Arbeit und mehr Lohn kaum leisten. Sie werden es dann noch schwerer haben, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Die Arbeit könnte auf weniger Schultern verteilt werden

Jetzt müssen beide Seiten daran gehen, diese neue, moderne Arbeitswelt gemeinsam zu gestalten. Sie ist eine Chance, für Familien die Arbeit neu zu verteilen. Doch diese flexible Arbeitswelt hat auch ihren Preis: Für Unternehmen ist der Verwaltungsaufwand höher - einen Fachmann sieben Stunden in der Woche zu ersetzen, ist nicht einfach. Die Gefahr ist groß, dass die Arbeit auf die anderen abgewälzt wird.

Denn auch nach oben darf jetzt mehr gearbeitet werden. Die Arbeitswelt 4.0 ist anstrengend - für Unternehmen und Mitarbeiter. Vielleicht wird sich der eine oder andere noch nach einem geregelten Acht-Stunden-Tag sehnen. Doch diese Zeiten sind nach dieser Tarifrunde endgültig vorbei.

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