Kommentar zu Scheuer-Forderungen zum Diesel Flottes Wendemanöver des Verkehrsministers

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Für den Umstieg auf sauberere Autos, erwartet Bundesverkehrsminister Scheuer Angebote von den Autobauern. Autofahrer fühlten sich als "Flipperkugel", kommentiert SWR-Expertin Sabrina Fritz.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vor einem Diesel-Auto (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer fordert „attraktive Angebote“ der Autobauer an Dieselfahrer. picture-alliance / dpa -

Ein Kommentar von SWR-Wirtschaftsredakteurin Sabrina Fritz

Umtauschprämien für Diesel? Die gibt es schon. Der ADAC hat eine lange Liste veröffentlicht. Danach kann man bei VW bis zu 10.000, bei Opel bis zu 7.000 Euro rausholen. Wer sich für einen Elektroauto entscheidet, würde sogar noch zusätzlich Geld vom Staat bekommen. Das Problem ist: Es gibt derzeit so gut wie keine Elektroautos. Der Vorschlag des Verkehrsministers ist also nicht neu, er darf als Wahlkampfhilfe für die Bayern und die Hessen bewertet werden. In beiden Ländern wird im Oktober eine neue Landesregierung gewählt und die Union steht unter Druck. In Hessen vor allem seit dort auch die Metropole Frankfurt von einem Fahrverbot bedroht ist.

Autofahrer als Flipperkugel zwischen Politik und Industrie

Sabrina Fritz (Foto: SWR, SWR -)
SWR-Wirtschaftsredakteurin Sabrina Fritz SWR -

Dennoch ist das Wendemanöver des Verkehrsministers bemerkenswert: Langsam denkt er in Richtung Autofahrer und nicht mehr nur in Richtung Autobosse. Doch was tun, wenn man Besitzer eines Diesels der Euronorm 4 ist und damit ab 1. Januar nicht mehr in die Stuttgarter Innenstadt fahren darf? Einfach mal so ein neues Auto kaufen, ist trotz Anreiz für viele Familien nicht so einfach. Und wenn, dann was für eines? Einen Benziner, der vielleicht als nächster dran ist, aber viel CO2 ausstößt? Elektroautos gibt es nicht, Hybride sind zu teuer - und einem Diesel traut man einfach nicht mehr über den Weg.

Selten ist ein Konsument so als Flipperkugel zwischen Industrie und Politik hin und her geschossen worden, wie der Autofahrer. Ich kann mir jetzt schon ausmalen, wie das Dieseldrama weiter geht. Es gibt ein Konzept aus dem Verkehrsministerium, das viel fordert, aber große Schlupflöcher lässt. Beispiel Hardwarenachrüstung: Die Autohersteller werden sich dagegen notfalls vor Gericht wehren. Es spielen also alle auf Zeit, bis die Wahlen vorbei sind, bis immer mehr alte Diesel von der Straße verschwunden sind, bis die Luft in den Städten langsam, langsam besser wird.

Autohersteller haben nur die eigenen Interessen im Sinn

Elektromobol Stromtankstelle (Foto: Imago, Imago/SKATA -)
Abgehängt: In Deutschland gibt es bisher kaum Elektroautos. Imago Imago/SKATA -

Das gelingt nicht alleine durch Dieselfahrverbote, das gelingt nur mit einem Mix aus Elektrobussen, besserem Nahverkehr, mehr Radwegen und Mobilitätskonzepten. Zum Beispiel: Was tun mit den vielen Lieferdiensten, die Pasta und Pakete liefern und zu einem immer größeren Verkehrshindernis werden? So langsam scheinen die Städte aufzuwachen. Es hat lange gedauert und ging nur auf Druck der Gerichte.

Eine einfache Antwort für Dieselfahrer gibt es derzeit nicht. Jeder muss sein individuelles Mobilitätskonzept zusammenstellen. Auf die Autohersteller als Partner dürfen sie dabei nicht bauen, die haben ihre eigenen Interessen im Sinn. Umso wichtiger, dass der Verkehrsminister auf der richtigen Seite fährt.

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