Kommentar zu Huawei Schluss mit Scheindiskussion, macht unsere Netze sicher!

Deutsche Politiker beraten wieder über schärfere Regeln für deutsche Mobilfunknetze - aus Angst vor Datenspionage durch den chinesischen Konzern Huawei. Die Probleme liegen bei uns, meint Michael Wegmer, SWR Wirtschaft.

Ein Mann benutzt am 02.09.2015 bei einer Huawei-Produktvorstellung in Berlin das Huawei Mate S-Smartphone. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Mit günstigen Smartphones macht Huawei längst den beiden Branchenführern Samsung und Apple Konkurrenz. picture-alliance / Reportdienste -

Die Produkte des umstrittenen, chinesischen Technikkonzerns Huawei sind in Deutschlands Telekommunikation bereits ausgiebig verbaut. Jetzt ist aber mal gut mit dieser Scheindiskussion um Huawei, fordert SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Wegmer.

Die Probleme liegen bei uns - und nicht in China!

Kommentar von Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft

Michael Wegmer (Foto: SWR -)
Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft SWR -

Eigentlich haben wir in Deutschland eine gute alte Tradition: Wir prüfen erst alle Fakten, und fällen dann ein Urteil. Das nennt sich Rechtssystem, oder so ähnlich. Warum dieser Mechanismus im Umgang mit Huawei völlig außer Kraft gesetzt wird, ist mir bis heute schleierhaft. Es gibt nach wie vor keinen einzigen Beweis, dass der chinesische Mobilfunkkonzern Daten abgreift, an die chinesische Regierung weitergibt.

Spionage-Chips - keine Untersuchung hat irgendetwas in diese Richtung ans Licht gebracht. Alles geht nur zurück auf das Gepolter eines US-Präsidenten. Der sich ganz sicher keine Sorgen um die Sicherheit des deutschen Mobilfunknetzes macht, sondern eigene, wirtschaftliche Interessen hat. Donald Trump bringt als Huawei-Alternative regelmäßig US-Unternehmen ins Spiel. Erinnern wir uns, 2013: Der Whistleblower Edward Snowden enthüllt, dass Server des US-Netzwerkanbieters Cisco massive Sicherheitslücken aufweisen. Darüber hat der US-Auslandsgeheimdienst NSA gezielt Daten abgegriffen und an die Regierung weitergeleitet. Wie war noch mal der Vorwurf gegen Huawei?

Nicht Huawei-Technik vermeiden, sondern unsere eigenen Netze besser absichern

Dass Vodafone schon daran arbeitet, Huawei-Technik aus seinem Kernnetz zu entfernen, in vorauseilendem Gehorsam, ist aus meiner Sicht eine Katastrophe. Die Gefahr von Datenspionage besteht, immer - und deshalb muss das deutsche Mobilfunknetz sicher gemacht werden, egal, ob die Technik aus China, den USA oder aus Zypern kommt.

Immerhin, erste Überlegungen gibt es wohl, endlich. Auf dem ersten Geheimtreffen zu dem Thema vor einer Woche haben sich Staatssekretäre Gedanken gemacht über klare Regeln: Programmiersprachen sollen offen gelegt werden, verbaute Geräte sollen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert werden. Immerhin, aber das reicht noch lange nicht. Eine bessere Verschlüsselung muss zum Beispiel her, selbst der aktuellste in Deutschland verwendete Standard weist Lücken auf, beweisen Experten immer wieder.

Ohne Huawei dauert es noch länger, bis 5G kommt

Wir müssen uns um unsere Sicherheit kümmern, und das Problem nicht anderen in die Schuhe schieben. Der Ausbau von Huawei-Technik aus bestehenden deutschen Mobilfunknetzen würde Jahre dauern und viel Geld kosten. Der Ausbau des neuen Standards 5G würde sich ohne Huawei deutlich verzögern, die Gefahr von Spionage bliebe bestehen. Deshalb bringt diese Scheindiskussion zwar haufenweise neue Probleme, aber ganz sicher kein schnelles und sicheres Netz in Deutschland.

STAND