Kommentar zu CO2-Emissionen von Neuwagen Klimaschutz ist den Beteiligten nicht wichtig

Erstmals sind neue Fahrzeuge noch schlechter fürs Klima als die alten. Das ist kein gutes Zeichen, findet SWR-Umweltexperte Werner Eckert.

Nach jahrelangem Rückgang sind die CO2-Emissionen bei Neuwagen in Europa im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen. Wie die Europäische Umweltagentur EEA auf Basis vorläufiger Daten mitteilt, stießen die 2017 registrierten Autos pro Kilometer 0,4 Gramm Kohlendioxid mehr aus als die des Vorjahres.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Das ist kein gutes Zeichen. Erstmals sind neue Fahrzeuge schlicht noch schlechter fürs Klima als die alten. Und das ist nicht die einzige schlimme Botschaft, die in dem EU-Bericht steckt: In Europa sind auch wieder drei Prozent mehr Autos zugelassen worden als im Jahr davor. Die stehen ja nicht nur rum. Die werden gefahren. Mehr Autos, mehr Kilometer, mehr Abgase. Der Trend "größer, schneller, weiter" ist ungebrochen.

Umstieg auf Diesel ist keine Ausrede

Da ist es auch keine gute Ausrede, dass jetzt der Umstieg vom Diesel auf den Benziner für die aktuelle Entwicklung verantwortlich gemacht wird. Das ist Augenwischerei.

Der Verbrauch der Diesel selbst ist ja auch angestiegen. Die Wahrheit ist: Klimaschutz ist allen Beteiligten gerade nicht wichtig - weder den Herstellern, noch den Käufern und der Politik.

Hersteller haben wenig Zeit, neue Grenzwerte einzuhalten

Ich bin sehr gespannt, was 2021 passiert. Denn dann greift eine neue EU-Vorgabe. Dann müssen die Neufahrzeuge im Durchschnitt um 15 Prozent besser sein als heute. Für einen Fortschritt in dieser Größenordnung haben die Hersteller zuletzt zehn Jahre gebraucht. Sie hätten dafür jetzt drei Jahre Zeit. Oder setzen sie darauf, dass die Große Koalition das bis dahin für sie regelt - wie schon so oft?

Abgase strömen aus Autos, die im Stau stehen. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Neuwagen innerhalb der EU stießen 2017 mehr CO2 aus als in der Vergangenheit. Thinkstock -

Der Verkehr, unsere Mobilität, ist ein zentrales Problem moderner Gesellschaften. Staus, Parknot, Dreck und Klimabelastung - und wir lösen es mit einer Technik aus der Steinzeithöhle. Verbrennungsmotoren sind auch nur gezähmte Feuer.

Es braucht eine Verkehrswende

Neben einem intelligenteren Nahverkehr ist der Übergang zur Elektromobilität überfällig. Und die Gefahr, dass die deutschen Hersteller dabei so untergehen wie die Kamera-Giganten bei der Einführung der Digitalfotografie, ist real. Sie verzögern nämlich, statt sich an die Spitze der Bewegung zu setzen. Dabei kann der Wechsel ganz plötzlich kommen. Denn die Technik steht, die Preise fallen.

Die neuen Zahlen zeigen einmal mehr: Der Verbrenner ist ausgereizt. Hightech und Hybrid sind nur noch Verzögerungstaktiken, da wird die heilige Kuh gemolken, so lange es geht. Wenn wir wirklich den Klimawandel beherrschbar halten wollen, dann muss es einen Systemwechsel geben, der deutlich mehr bringt. Da spielt auch die Frage, ob Benziner oder Diesel, keinerlei Rolle mehr.

Online: Jutta Kaiser

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