Kommentar zu 340 Millionen Euro Dürrehilfe für Bauern "In der Sache ist die Entscheidung falsch"

Die Trockenheit trifft die Landwirtschaft schwer - weniger Weizen und weniger Tierfutter. Die staatliche Nothilfe verhindere aber die Anpassung an den Klimawandel, kritisiert Werner Eckert, SWR Umwelt.

Die Dürreschäden in der Landwirtschaft sind regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Weniger Ertrag bedeutet aber nicht automatisch weniger Geld in den Kassen der Bauern. Denn die Preise für die Produkte steigen. Wenn der Bund und die Länder jetzt insgesamt 340 Millionen Euro als Nothilfe zahlen, wirft das die Frage auf, ob hier nicht der Staat den Bauern ein normales unternehmerisches Risiko abnimmt.

Neues Risiko-Management nicht nur wegen Dürre

Tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen für Bauern in den letzten Jahren verschärft. Zum einen sind die Preisstützungen und Quoten der EU weggefallen. Die europäischen Bauern sind mehr und mehr weltmarkt-nahen Verhältnissen ausgesetzt. Das bedeutet, dass die Preise schneller und heftiger schwanken. Zudem sorgt der Klimawandel dafür, dass das Anbaurisiko steigt. Beides erfordert eine neue Art des Risiko-Managements - Rücklagen in Form von Geld wie auch Futtervorräten etwa. Mehr noch: Die Landwirtschaft muss krisenfester werden, sagen Fachleute. Dabei geht es nicht nur um das Thema Dürre und eine simple Anpassung mit dürreresistenten Sorten.

Fachleute sagen, die Produktpalette muss wieder breiter werden. So hat etwa die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, DLG, einst Speerspitze der Spezialisierung, in ihren neuen Thesen zur Landwirtschaft 2030 eine Kehrtwende gefordert: Mehr Abwechslung auf den Äckern sei gut für die Artenvielfalt - macht aber auch die Betriebe krisenfester.

Trägt der Staat die Kosten, kalkulieren die Bauern falsch

Kommentar von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Nun also doch: Der Druck der Bauern hatte Erfolg und die milde Zustimmung einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung - ausweislich von Umfragen - hat das ihre dazu beigetragen. Da wollte die Landwirtschaftsministerin nicht als böse und hartherzig dastehen. Also gibt es jetzt doch ein Hilfsprogramm, wenn auch deutlich geschrumpft. In der Sache ist die Entscheidung falsch. Und es ist gut, dass Rheinland-Pfalz nicht teilnimmt.

Auch wenn ich die Not vieler Betriebe keinen Moment gering schätze - ich stamme selbst von einem Bauernhof und fühle mit. Aber aus mehreren Gründen ist das keine gute Entscheidung. Vor allem, weil sie das Signal in die Landwirtschaft gibt: Macht ruhig weiter so wie bisher, am Ende zahlt die Gesellschaft die Schäden ja doch.

Gute Lebensmittel haben ihren Preis

Voriges Jahr war es der Frost - für viele Obstbauern übrigens auch existenzbedrohend bis vernichtend - vor zwei Jahren der Dauerregen im Frühsommer. Es ist immer was. Und die Lehre daraus muss sein: Die Landwirtschaft muss wieder so betrieben werden, dass sie mit Krisen klar kommt. Sie ist eine Freiluftveranstaltung und kann nicht auf gutes Wetter hoffen. Wer nur Weizen und Raps anbaut, der zockt! Das ist das Gleiche wie ein Aktienspekulant, der nur zwei Firmen im Portfolio hat. Und wer so viele Tiere hält, dass er sie nur in guten Jahren füttern kann, der macht ebenfalls einen Fehler.

Natürlich sind die Bauern da Getriebene und müssen sehen, wo sie bleiben. Aber wenn am Ende der Staat dieses Risiko auffängt, dann kalkulieren die Bauern ihre Kosten effektiv falsch. So werden die niedrigen Lebensmittelpreise ja überhaupt erst möglich. Auf der anderen Seite heißt das übrigens, wir Steuerzahler gleichen da jetzt aus, was wir als Verbraucher nicht ausgeben wollten. Eine verlässliche Lieferung guter Lebensmittel gibt es nicht für lau. Und das ist unser Beitrag zu diesem Thema.

STAND